Die „viri probati“ kommen

Der Vatikan bestätigt, dass es bei der Amazonas- Synode um die Weihe bewährter Familienväter gehen wird. Von Guido Horst

Papst Franziskus in Puerto Maldonado
Papst Franziskus hält ein großes Blatt Papier zusammen mit einer in traditioneller Tracht gekleideten Frau am 19. Januar 2018 im Stadion "Coliseo Madre di Dios" in Puerto Maldonado bei einer Begegnung mit Vertretern von Völkern des Amazonasgebietes. Foto: Osservatore Romano (KNA)

Mit dem „Instrumentum laboris“ hat der Vatikan am Montag das Arbeitspapier der kommenden Amazonas-Synode veröffentlicht. Mehr noch als die Jugendsynode im vergangenen Oktober ist die Sonderversammlung der römischen Bischofssynode zum Amazonas-Becken, an der alle Ortskirchen beteiligt sind, deren Territorium in dieser Region liegt oder in sie hineinreicht, von hohen Erwartungen geprägt. Vor allem in Europa – und hier vor allem in Deutschland – sowie aufgrund der Äußerungen einiger Kirchenvertreter aus Brasilien wie etwa des Ruhestands-Kardinals Cláudio Hummes OFM oder des emeritierten österreichstämmigen Missionsbischofs von Xingu, Erwin Kräutler CPPS, ist der Eindruck entstanden, die Sondersynode werde aufgrund des Priestermangels in einigen abgelegenen Regionen Amazoniens den Weg frei machen für die Priesterweihe ältererer, verheirateter Männer.

Das „Instrumentum laboris“ enthält von 147 Abschnitten einen, Abschnitt 126, der zwei Sätze enthält, die in diese Richtung gelesen werden können. Sie lauten: „b) Die Sakramente müssen eine Quelle des Lebens und der Stärkung für alle sein. Man muss die Strenge einer Disziplin überwinden, die ausschließt und entfremdet, und zwar durch eine pastorale Sensibilität, die begleitet und integriert. c) Die Gemeinschaften haben Schwierigkeiten, die Eucharistie wegen des Mangels an Priestern zu feiern. ,Die Kirche lebt aus der Eucharistie‘. Anstatt die Gemeinden ohne Eucharistie zu lassen, sollen stattdessen die Kriterien der Auswahl und Vorbereitung beauftragter Diener geändert werden, um diese zu feiern.“

Konkreter wird dann Abschnitt 129, wo es unter der Überschrift „Empfehlungen“ unter anderem heißt: „Bekräftigend, dass der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist, soll die Möglichkeit der Priesterweihe von vorzugsweise einheimischen, angesehenen und von ihrer Gemeinschaft akzeptierten älteren Männern geprüft werden, auch wenn diese schon eine bestehende und dauerhafte Familie haben, damit sie sicherstellen können, dass die Sakramente das christliche Leben begleiten und unterstützen.“ Ob das die Sätze sein werden, um die sich die Aufmerksamkeit der Medien bei der kommenden Amazonas-Synode drehen wird?

Immerhin hat Papst Franziskus den 84-jährigen Kardinal Hummes zum Generalrelator der Sondersynode ernannt. Damit kommt dem Kardinal und Freund des Papstes, der zugleich Präsident des kirchlichen Panamazonien-Netzwerks REPAM ist, eine Schlüsselfunktion bei der Erarbeitung des Abschlussdokuments der Synode zu, auf dessen Grundlage der Papst ein nachsynodales Schreiben verfassen kann. Aber auch Theologen, Bischöfe in Deutschland und sonstige Kritiker des verpflichtenden Zölibats werden sich an diese wenigen Sätze des „Instrumentum laboris“ hängen, als würde damit die Zukunft der Kirche und ihre von Papst Franziskus gewünschte Synodalität stehen oder fallen.

Derselbe Abschnitt 129 des Arbeitsdokuments hält in einem weiteren Unterpunkt fest, dass die Synode „die Art eines offiziellen Amtes“ definieren solle, das den Frauen anvertraut werden könne, „indem man die zentrale Rolle berücksichtigt, die diesen heute schon in der Kirche Amazoniens zukommt“. Bei der Vorstellung des „Instrumentum laboris“ mit dem Sekretär der römischen Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri am vergangenen Montag im Vatikan hielt der Untersekretär des Dikasteriums, Erzbischof Fabio Fabene ausdrücklich fest, dass mit diesem „offiziellen Amt“ nicht das Frauendiakonat gemeint sei. Franziskus habe eine Kommission zur Untersuchung möglicher historischer Formen des weiblichen Diakonendienstes in der Urkirche eingesetzt, diese sei zu keinem einheitlichen Ergebnis gekommen, so dass der Papst, wie Fabene erinnerte, dann im Mai im Vatikan vor der internationalen Vereinigung der Ordensoberinnen erklärt habe, man müsse die Frage weiter studieren. „Man muss das studieren, denn ich kann kein sakramentales Dekret machen ohne eine theologische, historische Grundlage“, sagte Franziskus damals – und enttäuschte damit alle diejenigen, die in letzter Zeit ein Frauendiakonat gefordert hatten. Auf der Amazonien-Synode werde das ebenfalls kein Thema sein, sagte Erzbischof Fabene.

Anders, so Fabene, verhalte es sich mit der Weihe älterer und bewährter Männer mit Familie, und er zitierte wörtlich eine Passage des Papstes bei der „fliegenden Pressekonferenz“ auf dem Rückweg vom Weltjugendtag in Panama. Dort wurde er von der Journalistin Caroline Pigozzi gefragt, ob er sich verheiratete Priester vorstellen könne. Und Franziskus antworte: „Ich persönlich meine, dass der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist. Zweitens bin ich nicht damit einverstanden, den optionalen Zölibat zu erlauben, nein. Nur für die entlegensten Orte bliebe manche Möglichkeit – ich denke an die Pazifikinseln ... Aber es ist eine Sache, dass man darüber nachdenkt, wenn es dort pastorale Notwendigkeit gibt; der Hirte muss an die Gläubigen denken.

Es gibt ein Buch von Pater Lobinger, das ist interessant – das ist etwas, das unter Theologen diskutiert wird, es gibt keine Entscheidung von meiner Seite. Meine Entscheidung ist: kein optionaler Zölibat vor dem Diakonat, nein. Das ist meine persönliche Einstellung, ich werde es nicht tun, das bleibt klar. Bin ich hier ein ,verschlossener‘ Typ? Vielleicht. Aber ich verspüre nicht den Mut, mich mit dieser Entscheidung vor Gott zu stellen.

Zurück zu Bischof Lobinger; er sagte: ,Die Kirche macht die Eucharistie, und die Eucharistie macht die Kirche. Aber wo es keine Eucharistie gibt, in den Gemeinden – Carolina, denken Sie an die Pazifikinseln...“. Ob er auch an das Amazonasgebiet denke, fragte die Journalistin nach. „Vielleicht dort“, antwortete der Papst, „an vielen Orten… Lobinger sagt: Wer macht die Eucharistie? In diesen Gemeinschaften sind die ,Leiter‘ sozusagen die Organisatoren dieser Gemeinschaften, Diakone oder Nonnen oder Laien, unmittelbar. Und Lobinger sagt: Man kann einen älteren Mann weihen, der verheiratet ist, – das ist seine These – man könnte einen älteren, verheirateten Mann weihen, aber nur, damit er das munus sanctificandi ausübt, das heißt, damit er die Messe feiert, das Bußsakrament verwaltet und die Krankensalbung spendet.“ So zitierte jetzt Fabene den Papst – und zeichnete eine Debatte vor, die die Amazonas-Synode wohl führen wird.