Die drei Päpste im Jahr 1978 und die Folgen

Vor über 40 Jahren starb Papst Paul VI. in Castelgandolfo – Johannes Paul I. und Johannes Paul II. wurden Nachfolger. Ein Überblick über alle drei Päpste und die Folgen des Drei-Päpste Jahr 1978.

Vatikan; Beerdigungvon Papst Johannes Paul II
Vatikan; Rom Beerdigung von Papst Johannes Paul II ; Uebersicht ueber den mit Zehntausenden Glaeubigen gefuellte Petersplatz FOTO: Pressefoto ULMER / Markus Ulmer | Foto: Markus Ulmer (picture alliance)

Vor 30 Jahren starb Papst Paul VI. in Castelgandolfo – Johannes Paul I. und Johannes Paul II. wurden Nachfolger. Ein Überblick über alle drei Päpste und die Folgen des Drei-Päpste Jahr 1978.

Papst Paul VI.: Der „Konzilpapst“

Er hatte bereits Todesahnungen, als er sich Mitte Juli nach Castelgandolfo begab. Seinem Innenminister Giuseppe Caprio sagte Papst Paul VI.:

„Wir wissen nicht, ob Wir zurückkommen ... und wie Wir zurückkommen“

Am 2. August gab er im Innenhof der Sommerresidenz noch eine Generalaudienz. Dann setzte plötzlich hohes Fieber ein. Zwei Tage litt der 80-Jährige. Als am Sonntagmittag das Angelusgebet ausfiel, wurde der Ernst der Lage publik. Das Fieber stieg, der Blutdruck sank, eine Herzattacke hat er nicht überlebt. Schließlich teilte der Vatikan der Welt mit:

„Am Sonntag, den 6. August, um 21.40 Uhr entschlief Papst Paul VI. im Frieden des Herrn“

In die Geschichte ist Paul VI. als Konzilspapst eingegangen. Zwar hatte Johannes XXIII. das Zweite Vaticanum eröffnet. Durchführt und umgesetzt hat es jedoch der Montini-Papst, der frühere vatikanische Innenminister. Am 21.6.1963 trat er an die Kirchenspitze. Paul VI. setzte den Konzilskurs der Kirchen-Öffnung fort.

Papst Paul VI.
Papst Paul VI. beim Eucharistischen Weltkongress in Bogotá, in Kolumbien 1968. Foto: dpa

Als erster Papst der Neuzeit ging er auf Reisen. In Jerusalem leitete er mit Patriarch Athenagoras von Konstantinopel eine Annäherung der getrennten Kirchen ein. Er suchte auch die Öffnung zu den Weltreligionen – und überhaupt zur Welt.

Pragmatisch bemühte er sich im Kalten Krieg um Erleichterungen für die Kirchen hinter dem Eisernen Vorhang. Allerdings stieß seine Ostpolitik gerade in Deutschland auf Vorbehalte. Die Aufarbeitung des Konzils erwies sich als mühsam.

Zwischen den Fronten von Reformern und Bewahrern

Der oft zaudernde Paul VI. geriet zwischen die Fronten von Reformern und Bewahrern. Den Stimmungsumbruch markierte 1968 die Enzyklika „Humanae vitae“ über die Würde des menschlichen Lebens. Vom weitsichtigen Schreiben wurde fast nur das Nein zu künstlichen Verhütungsmitteln zur Kenntnis genommen, der Papst wurde als „Pillen-Paul“ verspottet. Von Castelgandolfo aus wurde der Leichnam Paul VI. in den Petersdom überführt.

Sechs Tage nach dem Tod fanden die Beisetzungsfeierlichkeiten statt. Seine letzte Ruhestätte fand er in einem schlichten Erdgrab in den Grotten von Sankt Peter. 111 Kardinäle versammelten sich 19 Tage nach dem Tod des Papstes zum Konklave.

Papst Johannes Paul I.: Der „lächelnde Papst“

Als Johannes Paul I. trat er sein Amt an. Der „lächelnde Papst“ faszinierte durch seine volkstümlichen Ansprachen und seine gewinnenden Gesten. Aber er ging als der „33-Tage-Papst“ in die Geschichte ein. Ohne dass er neue Weichen stellen konnte, starb er plötzlich.

Johannes Paul I. - Albino Luciani
Albino Luciani – Papst für nur 33 Tage: Johannes Paul I. Foto: dpa

Der grandiose und herzensgute Seelsorger schien vom Apparat der Kurie überfordert – und allein gelassen. Auch wenn David Yallup mit seinem millionenfach verkauften Bestseller „Im Namen Gottes“ eine Verschwörungs- und Giftmord-Theorie konstruierte, starb der Luciani-Papst eines natürlichen Todes: Er erlag einer Herzattacke.

Der Nachfolger müsse ein Kirchenmann mit robuster Gesundheit sein, spekulierte man vor dem zweiten Konklave des Drei-Päpste-Jahres. Jemand, der einen Verwaltungsapparat in den Griff bekommen und mit machtbewussten Kurienkardinälen umgehen kann. Weil offenbar kein Italiener mehrheitsfähig war, kam der Krakauer Karol Wojtyla ins Gespräch.

Papst Johannes Paul II.: Erster Nichtitaliener seit 455 Jahren

Als erster Nichtitaliener seit 455 Jahren trat er als Johannes Paul II. an die Kirchenspitze. Er eroberte im Nu die Herzen der Römer und rief in seiner ersten Ansprache auf Italienisch:

Zur Halbzeit seines Pontifikats besuchte Johannes Paul II. 1991 im Rahmen des sechsten Weltjugendtags Tschenstochau. „Wa... Foto: KNA

„Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus. Öffnet ihm die Grenzen der Staaten“

Er avancierte zum Medienstar, reiste in alle Welt und imponierte – bei konservativen Grundpositionen – mit einem unkonventionellen Leitungsstil.

Die drei Päpste im Jahr 1978 und die Folgen

Das Drei-Päpste-Jahr hat der Kirche und der Welt ein neues Papst-Bild beschert. Mit Johannes Paul II. war der Heilige Vater nicht mehr der einsame, alte Mann hinter den vatikanischen Mauern, sondern wurde als Symbolfigur in Zeiten der Globalisierung zu einem Massenphänomen, das den Sprung in das moderne Medienzeitalter geschafft hat.

Manche mögen das bedauern. Aber damit wurden die Päpste auch zu einer Vaterfigur, nach der sich viele Jugendliche in den vaterlosen Gesellschaften des Westens letztlich sehnten. Vor allem Johannes Paul II. hatte das Charisma, junge Menschen direkt anzusprechen, ihnen ein Ideal aufzuzeigen und auch zu fordern. Der Erfolg hat ihm recht gegeben.

Video über das Drei-Päpste-Jahr: