Die christliche Initiation vollenden

Das Firmsakrament: Ansprache des Heiligen Vaters während der Generalaudienz am 29. Januar 2014

Firmung im Amazonas-Bistum Óbidos. Foto: KNA
Firmung im Amazonas-Bistum Óbidos. Foto: KNA

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Bei dieser dritten Katechese über die Sakramente wollen wir uns mit der Firmung befassen, die als Weiterführung der Taufe zu verstehen ist, mit der sie auf untrennbare Weise verbunden ist. Diese beiden Sakramente bilden gemeinsam mit der Eucharistie ein einziges heilbringendes Ereignis – das wir als „christliche Initiation“ bezeichnen –, bei dem wir Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist, eingegliedert und neue Menschen und Mitglieder der Kirche werden. Das ist der Grund, warum diese drei Sakramente ursprünglich in einem einzigen Moment am Ende des katechumenalen Weges, normalerweise in der Osternacht, gefeiert wurden. So wurde der Weg der Vorbereitung und der allmählichen Aufnahme in die christliche Gemeinde besiegelt, der auch einige Jahre dauern konnte. Man ging Schritt für Schritt vor, um zur Taufe, zur Firmung und schließlich zur Eucharistie zu gelangen.

Die Firmung ist eine Salbung. Durch das heilige Öl des Chrisams werden wir in der Kraft des Heiligen Geistes Jesus Christus gleichgestaltet, dem einzigen wahren „Gesalbten“, dem Messias, dem Heiligen Gottes. Der Begriff „Firmung“ ruft uns schließlich in Erinnerung, dass dieses Sakrament zu einer Vertiefung der Taufgnade führt: Es vereint uns fester mit Christus, es verbindet uns vollkommener mit der Kirche und schenkt uns eine besondere Kraft des Heiligen Geistes, um in Wort und Tat den Glauben auszubreiten und zu verteidigen, den Namen Christi zu bekennen und uns nie des Kreuzes zu schämen (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1303).

Es ist daher wichtig, sich darum zu kümmern, dass unsere Kinder, unsere Jungen und Mädchen, dieses Sakrament empfangen. Wir alle kümmern uns darum, dass sie getauft werden, und das ist gut, doch vielleicht kümmern wir uns nicht so sehr darum, dass sie die Firmung empfangen. So werden sie auf halbem Weg stehenbleiben und den Heiligen Geist nicht empfangen, der so wichtig im christlichen Leben ist, weil er uns die Kraft gibt, voranzugehen. Denken wir ein wenig darüber nach, jeder von uns: sorgen wir wirklich dafür, dass unsere Kinder, unsere Jungen und Mädchen, die Firmung empfangen? Das ist wichtig, wirklich wichtig! Und wenn Ihr zuhause Kinder, Söhne und Töchter habt, die sie noch nicht empfangen haben und in dem Alter sind, sie empfangen zu können, dann tut alles, was in Euren Möglichkeiten steht, damit sie die christliche Initiation vollenden und die Kraft des Heiligen Geistes empfangen. Das ist wichtig!

Natürlich ist es wichtig, den Firmlingen eine gute Vorbereitung anzubieten, die darauf abzielen muss, sie zu einer persönlichen Zustimmung zum Glauben an Christus zu führen und in ihnen das Gefühl der Zugehörigkeit zur Kirche wachzurufen.

Wie jedes Sakrament ist auch die Firmung nicht Werk des Menschen, sondern Werk Gottes, der dafür sorgt, dass wir nach dem Bild seines Sohnes geformt werden und so vermögen, zu lieben so wie Er. Er tut dies, indem er seinen Heiligen Geist in uns ausgießt, dessen Wirken den ganzen Menschen und das ganze Leben durchdringt, wie an den sieben Gaben deutlich wird, die von der Tradition im Licht der Heiligen Schrift stets hervorgehoben wurden. Diese sieben Gaben: Ich möchte Euch jetzt nicht fragen, ob Ihr Euch an die sieben Gaben erinnert. Vielleicht kennt Ihr sie alle... Aber ich werde sie in Eurem Namen sagen. Welche Gaben sind das? Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Wissenschaft, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Und diese Gaben werden uns mit dem Heiligen Geist im Sakrament der Firmung geschenkt. Diesen Gaben möchte ich dann die Katechesen widmen, die denen über die Sakramente folgen werden.

Wenn wir den Heiligen Geist in unserem Herzen empfangen und ihn wirken lassen, wird Christus selbst in uns gegenwärtig und nimmt Form in unserem Leben an; durch uns wird Er, Christus selbst, beten, vergeben, Hoffnung und Trost spenden, den Brüdern und Schwestern dienen, den Bedürftigen und Geringsten nahe sein, Gemeinschaft schaffen, Frieden stiften. Bedenkt, wie wichtig das ist: durch den Heiligen Geist kommt Christus selbst, um alles das unter uns und für uns zu tun. Daher ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen das Sakrament der Firmung empfangen.

Liebe Brüder und Schwestern, rufen wir uns in Erinnerung, dass wir die Firmung empfangen haben! Wir alle! Rufen wir es uns vor allem in Erinnerung, um dem Herrn für dieses Geschenk zu danken, und dann, um ihn zu bitten, dass er uns helfe, als wahre Christen zu leben und immer dem Heiligen Geist gemäß, der uns geschenkt wurde, freudig voranzugehen.

Ein Sprecher verlas folgende Grüße des Papstes an die Besucher aus dem deutschen Sprachraum:

Herzlich heiße ich die Pilger und Besucher deutscher Sprache willkommen. Danken wir dem Herrn für das Sakrament der Firmung. Sie ist die Vollendung der Taufe. Christus schenkt uns in der Firmung seinen Beistand, den Heiligen Geist. Denn so will Christus in der Welt wirken: Durch uns will er verzeihen, durch uns beten, durch uns Hoffnung geben und den Bedürftigen nahe sein. Der Heilige Geist erfülle euch mit Weisheit und Stärke.

Übersetzung aus dem Italienischen

von Claudia Reimüller