Die Synode ist um, die Diskussion geht weiter

Deutsche Bischofe arbeiten seit längerem an Hirtenwort, wollen aber zunächst nachsynodales Schreiben des Papstes abwarten

München/Rom (DT/KNA) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ist froh, dass der Abschlussbericht zur Familiensynode mit einer Zweidrittelmehrheit verabschiedet wurde. Zum Ergebnis meinte er am Montag in München, er sei „zufrieden, wenn auch nicht euphorisch“. Mögen manche meinen, man sei nur auf der Stelle getreten, so sieht der Münchner Kardinal doch ein Weitergehen. Der Text löse nicht einfach Probleme, sondern sei ein Impuls für die Seelsorge. Zugleich habe er nicht einen solchen Schwung wie eine Predigt. Das liege aber an der „literarischen Gattung“, die viele einbinden wolle.

Die Abschlussansprache von Papst Franziskus bezeichnete Marx als „Interpretationsschlüssel“, um den Bericht richtig zu lesen. Der Weg der Synode sei noch nicht zu Ende, sondern erst, wenn der Papst alles zusammengefasst habe. Wann mit einem solchen Papier zu rechnen sei, stehe bislang nicht fest, so der Kardinal. Er könne sich jedoch vorstellen, dass dies zum „Jahr der Barmherzigkeit“ passieren könne. Erst dann werde auch die Deutsche Bischofskonferenz ihr Hirtenwort zu Ehe und Familie veröffentlichen, an dem sie bereits seit längerem arbeite. Marx räumte ein, dass die Diskussionen bei der Synode anstrengend gewesen seien. Es habe auch harte Auseinandersetzungen gegeben, jedoch stets in einem Geist der Brüderlichkeit. Erschwert habe die Arbeiten im Plenum eine „Statement-Kultur“ ohne direkte Diskussion; dagegen sei in den Arbeitskreisen intensiv debattiert worden. Der Vorteil in der deutschsprachigen Gruppe, der neben Marx auch die deutschen Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Walter Kasper, der Berliner Erzbischof Heiner Koch sowie der Wiener Kardinal Christoph Schönborn angehörten, sei gewesen, dass jeder gute theologische Argumente habe mitbringen müssen. Mit Blick auf die Theologie nannte es Marx wünschenswert, in manche Themen und Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils wissenschaftlich noch einmal vertieft einzutauchen. Da sei vieles noch unbearbeitet, etwa die „Theologie des Bundes“. Der Münchner Kardinal erinnerte daran, dass eine „überwältigende Zahl der Menschen“ die Lehre der Kirche zur Familie teile. Junge Leute wollten eine Familie gründen, Kinder haben und für immer zusammen sein. Aufgabe der Kirche sei es, ihnen bei der Realisierung dieses Traums zu helfen; dies gelte auch dann, wenn sie damit scheiterten. Daher brauche es eine Erneuerung der Seelsorge, um die Menschen in den unterschiedlichen Situationen zu begleiten. Dabei sei der Weg immer die Gewissenssache jedes einzelnen Christen: „Da haben wir nicht reinzureden.“

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sieht im Abschlussdokument der Bischofssynode „viele positive Hinweise zur vertieften Erörterung der Problematik der geschiedenen Wiederverheirateten“. Der von den Bischöfen verabschiedete Text enthalte zahlreiche Vorschläge, auf die Franziskus nun zurückgreifen könne. „Die Synode ist also noch nicht zu Ende. Der Papst schreibt das letzte Kapitel“, heißt es in einem Beitrag Lehmanns für die Mainzer Kirchenzeitung „Glaube und Leben“. In dem Abschlussdokument der Bischöfe lasse sich ein neuer Stil erkennen, betonte der Kardinal. So sei nicht „leichtfertig von Sünde und Schuld“ die Rede, sondern die konkreten Lebenssituationen kämen stärker in den Blick. Angesichts der verschiedenen gesellschaftlichen Prägungen im Umgang mit Geschiedenen werde der Papst wohl auch den jeweiligen Bischofskonferenzen vor Ort ein größeres Gewicht zukommen lassen, mutmaßt Lehmann.

Der australische Kurienkardinal George Pell ist zufrieden mit dem Abschlussdokument der Bischofssynode über Ehe und Familie. Der Text sei „an gewissen Stellen ungenügend, aber insgesamt gut“, sagte Pell am Montagabend bei einer Buchpräsentation im Vatikan. Das Dokument bekräftige, dass wiederverheiratete Geschiedene nicht die Kommunion empfangen könnten. Die Kirche dürfe die Worte Christi nicht ändern, so der Kardinal, der das Wirtschaftssekretariat im Vatikan leitet. Pell äußerte sich bei der Vorstellung der deutschen Übersetzung von George Weigels Buch „Die Erneuerung der Kirche“.

US-Kardinal Raymond Burke kritisierte das Abschlussdokument. Im Abschnitt zum Thema wiederverheiratete Geschiedene fehle „in der fundamentalen Glaubensfrage“ der Unauflöslichkeit der Ehe die nötige Klarheit, schrieb Burke in einem Beitrag für die US-Kirchenzeitung „National Catholic Register“ (Onlineausgabe Montag). Dabei lehrten sowohl Glaube als auch Verstand, dass das Band der Ehe nicht aufgelöst werden könne. Der Begriff Integration sei schlicht „banal“ und theologisch gesehen schwammig, bemängelte der Kardinal. „Ich kann nicht erkennen, wie das der Schlüssel für die pastorale Begleitung derjenigen sein kann, die in irregulären ehelichen Gemeinschaften leben.“