Die Schlachtreihen sind aufgestellt

In Rom beginnt die Familiensynode und publizistisch dreht sich alles um die Wiederverheirateten. Von Guido Horst

Auch wenn niemand an einen „Krieg der Kardinäle“ denken mag: Konfliktfrei wird es in der Synodenaula nicht zugehen. Foto: Symbolbild: dpa
Auch wenn niemand an einen „Krieg der Kardinäle“ denken mag: Konfliktfrei wird es in der Synodenaula nicht zugehen. Foto: Symbolbild: dpa

Rom (DT) Die Schlachtplatte ist angerichtet und ab der kommenden Woche darf zugelangt werden: Im Vatikan beginnt die außerordentliche Bischofssynode zu Ehe und Familie – eigentlich erst mit dem Eröffnungsgottesdienst des Papstes am morgigen Sonntag, in gewisser Weise aber schon am heutigen Samstagabend mit einer Vigilfeier in Anwesenheit von Franziskus auf dem Petersplatz, zu der die Italienische Bischofskonferenz einlädt, um für einen guten Verlauf der Synode zu beten. Das Wort „Schlacht“ mag in diesem Zusammenhang weder die Absicht des Papstes treffen, als er entschied, das Thema Ehe und Familie einer Doppel-Synode in den Jahren 2014 und 2015 vorzulegen, noch dürfte es im Wesentlichen das wiedergeben, was in den nächsten beiden Wochen in der Synodenaula vonstatten gehen wird. Aber die mediale Einstimmung auf die beiden römischen Bischofstreffen – wohlgemerkt: durch katholische wie durch säkulare Organe – ist doch eindeutig: Die kontrovers diskutierte Frage der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten ist zur Gretchenfrage vor allem der jetzt beginnenden Synode geworden.

Der beste Beweis dafür ist die Tatsache, dass sich immerhin eine gute Handvoll von bekannten und prominenten Kardinälen in diversen Veröffentlichungen von Aufsätzen und Büchern pünktlich zu Synodenbeginn zur Kommunionzulassung von Wiederverheirateten geäußert hat. Begonnen hatte die dann auch in Rom ausgetragene Debatte mit dem Grundlagenreferat, das der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper auf Wunsch von Papst Franziskus bei der Kardinalsversammlung im Februar dieses Jahres zur Familienpastoral gehalten hat und in dem er – im fünften und letzten – Abschnitt einen Weg aufzeigen wollte, wie man Gläubige, die in einer zweiten, zivil geschlossenen Ehe leben, doch zur Kommunion zulassen kann. Die Geschichte ist bekannt und muss nicht eigens nachgezeichnet werden.

Stand der Dinge ist jedenfalls, dass sich nach Meinung vieler Beobachter eine römische Bischofssynode in Zeiten, in denen die Kirche einer der schlimmsten Christenverfolgung seit Jahrhunderten erlebt, und nach Jahrzehnten, in denen die klassische Familie, bestehend aus einem Mann, einer Frau und eigenen Kindern, in der westlichen Kultur eine dramatische und zum Teil perfide Abwertung durch die vorherrschende Meinung erfahren hat, angeblich um eine pastorale Detailfrage drehen soll. Ob hier die – nochmals: katholischen wie säkularen – Medien am Ende nicht doch die Rechnung ohne den Wirt, das heißt ohne die Klugheit des Papstes und den gesunden Menschenverstand der Mehrheit der Synodenväter, gemacht haben, wird sich zeigen müssen.

Dennoch, die Kardinals-Publikationen liegen auf dem Tisch und die Schlachtreihen sind aufgestellt: Kardinal Kasper hat sein Eröffnungsreferat längst schon in Buchform veröffentlicht. Allerdings ist ihm aus dem Kardinalskollegium publizistisch kaum jemand zur Seite gesprungen. Man kann Äußerungen des Papstes-Freundes und Erzbischofs von Tegucigalpa auf Honduras, Kardinal Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga SDB, dahin deuten, dass er eher den Thesen Kaspers zuneigen würde. Aber Rodríguez spricht viel und häufig, jedoch nicht immer mit letzter Eindeutigkeit. Und der deutsche Kardinal Reinhard Marx hat angekündigt, dass er auf der Synode ein Mehrheitsvotum der deutschen Bischöfe vertreten wird, das in die Richtung der Vorschläge Kaspers geht.

Die Gegenseite ist zahlenmäßig stabiler. Da ist das Buch der fünf Kardinäle Gerhard Ludwig Müller, Raymund Burke, Carlo Caffarra, Walter Brandmüller und Velasio De Paolis – als weiterer Autor zeichnet Erzbischof Cyril Vasil’ SJ, Sekretär der Ostkirchenkongregation –, das den Vorstoß Kaspers ablehnt. Es erscheint jetzt auf Italienisch sowie auf Englisch in dem von dem Jesuiten Joseph Fessio geleiteten amerikanischen Verlag Ignatius Press und auf Deutsch bei Echter. Bereits im Sommer hatte der Präfekt der Glaubenskongregation im italienischen Verlag Ares ein Interview-Buch mit dem Titel „La speranza della famiglia“ (Die Hoffnung der Familie) herausgegeben, in dem er zum Thema „Scheidung und eucharistische Kommunion“ ein klares Nein zum Kommunionempfang Wiederverheirateter formulierte.

Klar positioniert hat sich auch der Mailänder Kardinal Angelo Scola. Sein Nein zum Kommunionempfang wiederverheirateter Geschiedener erschien in einem Aufsatz für die italienische Zeitschrift „Il Regno“, auf Englisch zudem in der amerikanischen Ausgabe der theologischen Zeitschrift „Communio“. Und gestern schließlich hatte der australische Kardinal George Pell, seit diesem Jahr Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans, einen entsprechenden Auftritt in Rom. Er hatte das Vorwort zu dem Buch zweier Professoren am „Päpstlichen Institut Johannes Paul II. für Studien über Ehe und Familie“ bei der Lateran-Universität, Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski, geschrieben, das eine weitere klare Absage an den Vorstoß Kardinal Kaspers enthält. Und Pell stellte es jetzt in der Lateran-Universität der Öffentlichkeit vor. Im Vorwort zu diesem Buch, das jetzt auch auf Deutsch unter dem Titel „Das wahre Evangelium der Familie“ im Verlag Media Maria erscheint, schreibt Kardinal Pell: „Lebenslange Ehe ist nicht einfach eine Last, sondern sie ist ein Schatz, eine Leben schenkende Institution. Wenn Gesellschaften diese Schönheit und Gutheit erkennen, dann schützen sie sie in der Regel mit wirksamen disziplinarischen Maßnahmen. Sie verstehen, dass Lehre und pastorale Praxis nicht im Widerspruch zueinander stehen können und dass man nicht die Unauflöslichkeit der Ehe aufrechterhalten und zugleich den ,Wiederverheirateten‘ den Empfang der Kommunion erlauben kann.“

Das Buch, für das Kardinal Pell mit seinem Vorwort und der öffentlichen Präsentation werben will, trägt auf Italienisch den Titel „Il vangelo della famiglia nel dibattito sinodale oltre la proposta del Cardinale Kasper“ (Das Evangelium der Familie in der synodalen Debatte über Kardinal Kasper hinaus) und ist bisher die klarste Widerrede gegen den deutschen Kardinal auf dem Markt der aktuellen Bucherscheinungen.

Weitere Kardinäle wie Christoph Schönborn in Wien und Kurt Koch vom vatikanischen Einheitsrat haben deutlich erklärt, dass Papst Franziskus ganz bestimmt nicht daran denke, die Lehre der Kirche zur Ehe und zu den Sakramenten zu ändern.

So wird sich die Aufmerksamkeit der Beobachter des Synodengeschehens in den kommenden beiden Wochen vor allem auf Papst Franziskus richten. Er hat die Debatte gewünscht – auch zum Thema der Wiederverheirateten –, als er Kardinal Kasper einlud, das Grundlagenreferat im Februar zu halten. Die Frage ist, wann und wie Franziskus die Debatte wieder beenden wird.