Die Mystikerin des Breviers

Zum Gedenktag der seligen Klarissin Maria Angela Astorch am 2. Dezember. Von Katrin Krips-Schmidt

Die Mystikerin des Breviers

Die selige Maria Angela Astorch (Foto: IN) wurde am 1. September 1592 in Barcelona geboren. Als sie zehn Monate alt war, starb ihre Mutter, mit fünf Jahren wurde sie zur Vollwaise. Als elfjähriges Mädchen wurde sie im ersten Kapuzinerinnenkloster Barcelonas aufgenommen. 1609 traten die Kapuzinerinnen der katalanischen Stadt den Klarissen bei, übernahmen deren strenge Ordensregel und führten ein kontemplatives Leben. Angela waren diese Änderungen willkommen – das hochintelligente Mädchen beherrschte Latein, und das kirchliche Offizium oder Stundengebet, das die Priester und Ordensleute beten, wurde zur Grundlage ihrer täglichen Andachtsübungen. Bei ihrem Eintritt in das Kloster führte sie alle sechs Bände des Breviers mit sich: „Mein ganzer Stolz war es, mich von lateinischen Büchern umgeben zu wissen.“ Maria Angela, wie sie im Orden hieß, verfügte über fundierte Kenntnisse der spirituellen Hintergründe der liturgischen Gebete der Kirche.

Im Alter von fünfundzwanzig Jahren wurde Schwester Maria Angela nach Saragossa geschickt, wo sie eine neue Niederlassung ihrer Gemeinschaft errichten sollte – dort übernahm sie auch das Amt der Novizenmeisterin. 1626 zur Äbtissin vom Konvent in Saragossa gewählt, wirkte sie ab 1645 in dem von ihr neugegründeten Kloster in Murcia ebenfalls als Oberin und Novizenmeisterin. Sowohl Gelehrte und hochgestellte Persönlichkeiten als auch die weniger gebildeten, einfachen Leute aus ihrer Umgebung suchten ihren Rat, achteten und schätzten sie. Ihre mystischen Erlebnisse aus der Zeit zwischen 1626 und 1656 und ihre spirituellen Fortschritte sind in ihren „Autobiographischen Geschichten“ und den „Erzählungen der Seelen“ der Nachwelt dokumentiert und erhalten geblieben. Fünf Jahre vor ihrem Tod verlor sie nach und nach ihre einst außergewöhnlichen mentalen Fähigkeiten, sie versank allmählich in einen Zustand geistigen Abbaus. 1661 legte sie ihr Amt als Oberin nieder.

Nach einem Schlaganfall, den sie am 21. November 1665 erlitt, verstarb sie an dessen Folgen wenige Tage später, am 2. Dezember 1665 in Murcia.

Papst Johannes Paul II. sagte über die Ordensfrau anlässlich ihrer Seligsprechung am 23. Mai 1982 auf dem Petersplatz: „Sie lebte das geistliche Leben in inniger Verbundenheit mit der Kirche, vor allem durch die Liturgie, die heiligen Texte und das kirchliche Stundengebet. Das geht so weit, dass man sie als ,Mystikerin des Breviers‘ bezeichnen könnte. Sie verstand es, die Individualität einer jeden Person zu respektieren, was ihr half, ,in der Spur Gottes zu gehen‘, die in einem jeden Menschen verschieden ist. So wurde das tiefe Verständnis, das sie für jede Schwester aufbrachte, nie zu schwächlicher Toleranz. Maria Angela Astorch ist also eine Gestalt, die heute aufmerksame Beachtung verdient.“