Die Gottesfrage gehört zur Bildung

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx setzt sich für den Religionsunterricht ein

München (DT/KNA) Vertreter der katholischen Kirche und verschiedene Wissenschaftler haben die Bedeutung des Religionsunterrichts herausgestellt. Religion habe eine eigene Rationalität und vermittle eine Deutung der Welt, die nicht von anderen Zugängen ersetzt werden könne oder nachrangig sei, so das Fazit eines Kongresses der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung am Dienstagabend in München. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx sagte, die Kirchen müssten sich auf eine heftige Diskussion einstellen. Vielen Politikern sei die Eigenart dieses Schulfachs nicht mehr geläufig. Der Erzbischof unterstrich, bei der Debatte gehe es nicht um eine schulinterne Angelegenheit, sondern um Grundsatzfragen wie die, ob es so etwas wie eine gemeinsame Zivilisation gebe. Religion als ordentliches Schulfach sei kostbar für das kulturelle Gedächtnis und die Zukunft der Gesellschaft. Danach zu fragen, ob es einen Schöpfer oder ein ewiges Leben gebe, sei „notwendig und vernünftig“. Wer über Jesus Christus nichts wisse, könne auch nicht beanspruchen, gebildet zu sein. „Das wäre so, wie wenn man Mozart für den Erfinder der Mozartkugel halten würde.“

Der Münchner Philosoph Wilhelm Vossenkuhl warnte vor überzogenen Interpretationen von Forschungsergebnissen. Wer behaupte, dass es aus naturwissenschaftlichen Gründen keine Willensfreiheit, keinen Gott oder keine Wunder gebe, verkünde einen Aberglauben. Schon in der Schule sollte die begrenzte Reichweite von Aussagen unterschiedlicher Disziplinen vermittelt werden. Dazu gehöre, dass Religion die Erkenntnisse Darwins nicht infrage stelle. Zugleich sollten auch Schüler aus atheistischen Elternhäusern im Ethikunterricht erfahren, dass ethische Prinzipien wie das Tötungsverbot auf christlichen Grundlagen beruhten.

Der Frankfurter Physiker Thomas Görnitz plädierte für ein offenes und kreatives Verhältnis von Religion und Naturwissenschaften. Frühere Verkrampfungen, die ihren Ursprung in der Fortwirkung wissenschaftlich überholter Vorstellungen aus dem 19. Jahrhundert hätten, sollten überwunden werden. Einen Anknüpfungspunkt dafür biete die Quantentheorie, die Unterschiede wie den zwischen Kraft und Stoff, Materie und Bewegung relativiere. Die kosmische Entwicklung könne so auch aus physikalischer Sicht als Entfaltung eines geistigen Prinzips verstanden werden.

Der Erlanger Jurist Matthias Jestaedt kritisierte die Behauptung, mit dem Religionsunterricht räume der Staat den Kirchen ein Privileg ein. Diese entlasteten vielmehr umgekehrt den Staat von unerfüllbaren Heilserwartungen. Ein für alles offener, standpunktloser, religionsübergreifender Unterricht würde dem Verfassungsauftrag nicht gerecht.

Der Leiter des Katholischen Schulkommissariats der bayerischen Bischöfe, Prälat Erich Pfanzelt, hob das Recht junger Menschen hervor, in der eigenen Religion mündig und damit zu eigenem Urteilen und Handeln befähigt zu werden. Daher sei es wichtig, in der Schule nicht nur über Religion zu reden, sondern sie auch erlebbar zu machen, durch gemeinsame Feiern, Gebet, Besuche von Kirchen oder karitativen Einrichtungen.

Nach Ansicht des Amtschefs des bayerischen Kultusministeriums, Josef Erhard, ist religiöse Bildung ein wesentlicher Bestandteil der Allgemeinbildung. Der Religionsunterricht trage entscheidend dazu bei, dieses Wissen um die christlich geprägte Kultur von Generation zu Generation weiterzutragen. Wer sich mit dem Christentum auseinandersetze, vertiefe die eigene kulturelle Identität und gehe sensibler mit anderen Kulturen und Religionen um, sagte Erhard.