Die Gegenwart des Herrn verwandelt alles

Papst Franziskus betrachtet die Geschichte vom wunderbaren Fischfang: Im Wortlaut die Ansprache beim Regina Coeli am 10. April 2016

Der wunderbare Fischzug, Raffael, 1515/16, Victoria & Albert Museum, London. Foto: IN
Der wunderbare Fischzug, Raffael, 1515/16, Victoria & Albert Museum, London. Foto: IN

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das heutige Evangelium erzählt – mit der Beschreibung des wunderbaren Fischfangs – von der dritten Erscheinung des auferstandenen Jesus vor den Jüngern am Ufer des Sees von Tiberias (vgl. Joh 21, 1–19). Der Bericht ist im Rahmen des täglichen Lebens der Jünger angesiedelt, die nach den erschütternden Tagen des Leidens, der Todes und der Auferstehung des Herrn in ihre Heimat und zu ihrer Arbeit als Fischer zurückgekehrt sind. Es war schwierig für sie, zu verstehen, was geschehen war. Doch während alles beendet scheint, kommt Jesus seine Jünger erneut „suchen“. Er ist es, der sie suchen geht. Dieses Mal trifft er sie am See, wo sie die Nacht auf den Booten verbracht haben, ohne etwas zu fangen. Die leeren Netze erscheinen in einem gewissen Sinn wie die Bilanz ihrer Erfahrung mit Jesus: sie hatten ihn gekannt, sie hatten alles verlassen, um ihm zu folgen, voller Hoffnung… und jetzt? Ja, sie hatten den Auferstandenen gesehen, aber dann gedacht: „Er ist weggegangen und hat uns allein gelassen… Es war wie ein Traum…“.

Doch nun, in der Morgendämmerung, zeigt sich Jesus am Ufer des Sees; sie erkennen ihn jedoch nicht (vgl. V. 4). Jenen müden und enttäuschten Fischern sagt der Herr: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas fangen“ (V. 6). Die Jünger vertrauen Jesus, und das Ergebnis ist ein unglaublich reicher Fischfang. An diesem Punkt wendet sich Johannes an Petrus und sagt: „Es ist der Herr!“ (V. 7). Und Petrus springt sofort ins Wasser und schwimmt ans Ufer, zu Jesus. In diesem Ruf: „Es ist der Herr!“ steckt die ganze Begeisterung des österlichen Glaubens, der voller Freude und Erstaunen ist und in starkem Gegensatz zu der Bestürzung, der Niedergeschlagenheit, dem Gefühl der Machtlosigkeit steht, die sich im Herzen der Jünger angesammelt hatten. Die Gegenwart des auferstandenen Jesus verwandelt alles: die Dunkelheit wird durch das Licht besiegt, die vergebliche Arbeit wird erneut fruchtbar und vielversprechend, das Gefühl der Müdigkeit und des Verlassenseins weicht einem neuen Elan und der Gewissheit, dass Er bei uns ist.

Seitdem wird die Kirche, die Gemeinschaft des Auferstandenen, von denselben Gefühlen beseelt. Wir alle sind die Gemeinschaft des Auferstandenen! Wenn es einem oberflächlichen Blick manchmal so vorkommen kann, dass die Dunkelheit des Bösen und die Mühseligkeit des täglichen Lebens die Oberhand gewinnen, so weiß die Kirche mit Gewissheit, dass über denen, die Jesus, dem Herrn, folgen, nunmehr das unvergängliche österliche Licht scheint. Die große Verkündigung der Auferstehung flößt den Herzen der Gläubigen tiefe Freude und unbesiegbare Hoffnung ein. Christus ist wahrhaft auferstanden! Auch heute noch verkündet die Kirche diese freudige Botschaft: die Freude und die Hoffnung durchströmen weiter die Herzen, die Gesichter, die Gesten, die Worte! Wir Christen sind alle aufgerufen, den Menschen, denen wir begegnen, diese Botschaft der Auferstehung zu verkünden, vor allem denen, die leiden, die einsam sind, die sich in einer misslichen Lage befinden, den Kranken, den Flüchtlingen, den Ausgegrenzten. Allen wollen wir einen Strahl des Lichts des auferstandenen Christus zukommen lassen, ein Zeichen seiner barmherzigen Macht.

Er, der Herr, erneuere auch in uns den österlichen Glauben. Er mache uns unsere Sendung im Dienst des Evangeliums und unserer Brüder und Schwestern immer stärker bewusst; er erfülle uns mit seinem Heiligen Geist, damit wir, mit dem Beistand der Fürsprache Marias, mit der ganzen Kirche die Größe seiner Liebe und den Reichtum seiner Barmherzigkeit verkünden können.

Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller