Die Eucharistie, das Herz der Mission

Hochrangige Vatikanvertreter gaben einem römischen Kongress über die Anbetung des Altarssakraments ein besonderes Gewicht. Von Guido Horst

Die Bitte Benedikts XVI. um liturgische Erneuerung und um Zeit für die eucharistische Anbetung ist insbesondere bei den neuen geistlichen Gemeinschaften in Frankreich auf offene Ohren gestoßen. Foto: KNA
Die Bitte Benedikts XVI. um liturgische Erneuerung und um Zeit für die eucharistische Anbetung ist insbesondere bei den ... Foto: KNA

Rom (DT) Die Fronleichnamsprozession, die der Papst jedes Jahr mit dem Allerheiligsten Sakrament von seiner Basilika, San Giovanni in Laterano, zur ältesten Marienkirche Roms, Santa Maria Maggiore, anführt, hatte vergangene Woche ein besonderes „Vorspiel“: einen dreitägigen Kongress unter dem Titel „Adoratio 2011“, zu dem etwa fünfhundert Personen im „Salesianum“, einer Tagungsstätte der Salesianer Don Boscos im römischen Umland, zusammenkamen. Eingeladen hatten Bischof Dominique Rey von der französischen Diözese Fréjus-Toulon, Rektor des Heiligtums von Paray le Monial, sowie Pfarrer Florian Racine, Gründer der „Missionare von der Allerheiligsten Eucharistie“. Und gekommen waren Priester, viele Ordensfrauen – etwa von den Schwestern Mutter Teresas und der Gemeinschaft der Seligpreisungen – und auch Laien aus zumeist englisch- und französischsprachigen Ländern, denen die Verehrung des Altarssakraments ein besonderes Anliegen ist. Das Thema des Kongresses lautete: „Von der Anbetung zur Evangelisierung“.

Nicht nur zahlreiche Referenten, auch die beiden Einladenden stellten in ihren Redebeiträgen fest, dass die Kirche einen Aufschwung der eucharistischen Anbetung erlebt. In mehreren Vorträgen wurde dabei auf das Zeichen verwiesen, das Papst Benedikt XVI. 2005 beim Weltjugendtag in Köln gesetzt hatte, als bei der Vigil mit Hunderttausenden von Jugendlichen die stille Verehrung Jesu Christi im Altarssakrament der Höhepunkt der abendlichen Feier vor Mariä Himmelfahrt war.

Bischof Rey, der selber zur Gemeinschaft Emmanuel gehört, erinnerte an einen Satz der französischen Philosophin Simone Weil, die nach ihrer Bekehrung gesagt hatte: „Endlich habe ich jemanden entdeckt, vor dem ich in die Knie gehen kann.“ Jeder Mensch sei zur Anbetung Gottes geschaffen, so Rey. Und für den getauften Christen sei die Verehrung der Eucharistie eine Geste der Anerkennung des Heilswirkens Jesu Christi. Sie sei der erste Schritt zu der so dringend benötigten Neuevangelisierung. „Der erste Voraussetzung für die Evangelisierung ist die Anbetung“, so der Bischof. „Heute kommen dagegen manche missionarische Vorschläge wie ein Marketing oder wie Werbung daher. Das aber ist eine Verkehrung der Methode der Evangelisierung.“ Im Zentrum der Glaubensweitergabe müsse zunächst die gläubige Annahme des Opfers Jesu Christi stehen, der sich dem Vater hingegeben habe, um zum Heil für alle zu werden.

Der Kongress „Adoratio 2011“ erhielt sein besonderes Gewicht dadurch, dass hochrangige Vertreter des Vatikans zu den Referenten zählten, die allesamt eine gewisse Sympathie für die Messfeier nach dem außerordentlichen Ritus zeigen. Dazu gehörten Kardinal Mauro Piacenza, der Präfekt der Klerus-Kongregation, genauso wie sein Kardinalskollege Antonio Canizares, der die Liturgie-Kongregation leitet, oder Kardinal Raymond Burke, Präsident des Vatikan-Gerichts der Apostolischen Signatur. Auch der Zeremoniar des Papstes, Prälat Guido Marini, war unter den Vortragenden. Und aus Colombo auf Sri Lanka war der dortige Erzbischof, Kardinal Malcolm Ranjith, angereist, der in seiner Zeit als Sekretär der römischen Liturgie-Kongregation großen Anteil daran hatte, dass das Motu Proprio „Summorum Pontificum“, mit dem Papst Benedikt die „alte“ Messe freigegeben hat, überhaupt zustande kam.

Kardinal Ranjith war es auch, der einen Grund dafür angab, warum ihm die Messe nach dem außerordentlichen Ritus am Herzen liegt. Eine Eucharistie ohne den anbetenden Blick auf Jesus Christus wäre eine Verarmung. Wenn sich die Herzen nicht dem Staunen über die Heilstat am Kreuz öffnen würden, würde sich die Eucharistie auf eine bloße Formalität reduzieren, sagte Ranjith. Er selber würde deshalb die fromme und betende Atmosphäre der tridentinischen Messe bevorzugen, wo die Teilnahme der Gemeinde geschlossener und gesammelter sei, womit man dem großen Geheimnis, das sich auf dem Altar vollziehe, mehr Respekt erweisen würde.

Kardinal Canizares vertiefte in seinem Beitrag den Zusammenhang zwischen eucharistischer Anbetung und Mission. Gerade in einem säkularen Umfeld sei heute eine öffentliche Manifestation des Glaubens notwendig. Die Gläubigen sollten zeigen, woran sie glauben, und das sei eben auch die Gegenwart Jesu in der Eucharistie. Der spanische Kardinal wies wie einige andere Redner darauf hin, dass in den zurückliegenden Jahren viele Gemeinschaften und Gruppierungen entstanden seien, die sich besonders der eucharistischen Anbetung widmen würden. Jesus Christus habe die Kirche am Kreuz hervorgebracht. Durch die unblutige Wiederholung dieses Opfers baue sich die Kirche weiter auf. Wer den eucharistischen Herrn anbete, so Canizares, schließe sich diesem Opfer an.

Während Kurienkardinal Raymond Burke über die Bedeutung der eucharistischen Anbetung in de Ausbildung der Priester sprach, ging Kardinal Piacenza in seiner Predigt während einem der Gottesdienste auf dem Kongress wieder auf den Zusammenhang zwischen eucharistischer Anbetung und Evangelisierung ein. Es gebe nur eine Art und Weise, die Welt zu überzeugen: mit einer freudevollen Sicherheit die Schönheit und die Neuheit dessen zu zeigen, was die Grundlage des Christentums ist, eben zu glauben, dass „Jesus der Sohn Gottes ist“. Auf der anderen Seite sei der absolute Primat Gottes, wie er durch die eucharistische Anbetung sichtbar zum Ausdruck komme, die sicherste Gewähr für eine wahre Reform, die die Kirche immer nötig habe.

Mehrere Referenten legten in ihren Beiträgen dar, dass die eucharistische Anbetung kein intimistischer Akt sei, in dem nur der Einzelne vor seinem Gott stünde, sondern immer ein gemeinschaftliches Geschehen, in dem die Einheit der Glaubenden zugrunde gelegt werde. Welche Früchte aus der Verehrung des Herrn im Altarssakrament erwachsen, legte Schwester Josepha von den Missionarinnen der Barmherzigkeit dar. Für ihre Ordensgründerin Mutter Teresa sei die lange und ausdauernde Anbetung der Eucharistie die Grundlage gewesen für die Arbeit ihrer Schwestern unter den Armen.

Auf dem Adoratio-Kongress wurde nicht nur über die eucharistische Anbetung gesprochen, sie wurde auch geübt. Zwischen den Veranstaltungstagen war das Altarssakrament die ganze Nacht über ausgesetzt, bevor dann der Tag mit dem Morgengebet und eucharistischem Segen sowie der heiligen Messe nach dem „Missale Romanum“ von 1962 begann. Am Ende dann, zu Fronleichnam, das große Finale: Die feierliche Prozession über die Via Merulana mit Papst Benedikt und dem ausgestellten Leib des Herrn.