Köln

Die Ehe, ein konkretes Projekt Gottes

Eine Seminarreihe der Initiative Christliche Familie will jungen Paaren helfen, ihre Beziehung zu stärken. Dabei geht es um das Glaubensleben genauso wie um ganz praktische Fragen des Alltags.

Blumenschmuck für eine Hochzeit
Zur Vorbereitung auf die Ehe gehört deutlich mehr als die Planung der Hochzeitsfeier. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Fit für die Ehe, das sind durchaus nicht alle Paare, die vor den Traualtar treten. Deshalb suchen viele, bevor sie ihr Ja-Wort geben, nach christlich verankerten Angeboten, die ihnen auf ihrem Weg helfen. „Fit für Ehe“, so heißt dann auch eine Seminarreihe der Initiative Christliche Familie als länderübergreifendes Projekt für den deutschsprachigen Raum. Köln ist einer der Standorte, an denen den teilnehmenden Paaren ein tragfähiges Fundament für eine lebendige und starke Beziehung vermittelt werden soll. Karolin Wehler koordiniert die Kursangebote in Deutschland. Sie beschreibt das Ziel des Kurses: „Bei uns können sich die angehenden Eheleute umfassend auf die Ehe vorbereiten und dabei auch neu mit Christus und der Kirche in Beziehung treten.“ Vor allem sollen die Paare das Sakrament der Ehe als „umfassende Kraftquelle“ entdecken. Dazu gehört auch, „noch einmal neu über die Schönheit der Sexualität zu staunen“. Deshalb gehe es in dem Seminar selbstverständlich auch um natürliche Empfängnisregelung und Fragen einer verantworteten Elternschaft.

"Jede Ehe hat immer genau so viel
mit den Eheleuten wie mit Gott zu tun."
Pfarrer Volker Hildebrandt

Victoria und Dennis Pelzer sind moderierende Gastgeber des Kurses in den Räumen der Pfarrei St. Pantaleon in Köln. An sechs Terminen treffen sich die Teilnehmer in einer gemütlichen Atmosphäre, die den Paaren bei der Arbeit am Wachstum ihrer Beziehung helfen soll. „Wir beginnen mit einem Willkommens-Dinner in einem Restaurant. Da haben die Paare, die wir in dem Kurs begleiten, die Möglichkeit, uns und die anderen Teilnehmer kennenzulernen“, berichtet Victoria Pelzer. An den fünf folgenden Treffen geht es dann um die Auseinandersetzung mit zentralen Inhalten, wie der in der Schöpfung grundgelegten Vision von Liebe, über Kommunikationsstrategien bis hin zur Glaubenspraxis in der Ehe.

Adventure challenge wedding ceremony to celebrate Valentine's Day
Abenteuer Ehe: wer heiraten möchte, sollte sich gut vorbereiten. Foto: dpa

Vielen Paaren fehlt das Verständnis für das Sakrament

„Jede Ehe hat immer genau so viel mit den Eheleuten wie mit Gott zu tun. Deshalb ist keine Ehe nicht auch zugleich ein ganz konkretes Projekt Gottes. Die Vaterunser-Bitte ,Dein Wille geschehe‘ ist nie abstrakt. Sie hat auch in der Ehe immer Hand und Fuß“, so erklärt es Volker Hildebrandt. Er ist Pfarrer an St. Pantaleon und weiß aus vielen Ehevorbereitungsgesprächen, woran es mangelt: „Viele Brautleute machen sich kaum Gedanken darüber, was die Ehe als Sakrament bedeutet. Sie wollen anfangs oft nur den vermeintlich schönsten Tag des Lebens in einer wunderbaren Kirche feiern. Doch das ist zu wenig.“ Deshalb spricht der promovierte Philosoph und Theologe mit den Brautleuten die einzelnen Punkte des Ehevorbereitungsprotokolls sorgfältig durch. „Da bleibt es dann schnell nicht bei einem oder zwei Gesprächen.“ Hildebrandt geht in die Tiefe, er möchte junge Menschen die christliche Ehe entdecken lassen.

Aus solchen Gesprächen ist dann auch eine besondere Freundschaft zu den Eheleuten Pelzer entstanden. „Es waren viele Abende, die wir mit Pfarrer Hildebrandt zusammengesessen haben“, erläutert Dennis Pelzer. Die zahlreichen Gespräche haben ihnen einen neuen Blick auf Gott und ihre Ehe geöffnet. Vor acht Jahren haben sie dann den Bund der Ehe geschlossen. Die immer noch glückliche Beziehung ist inzwischen mit drei Kindern gesegnet. Die Pelzers haben, so berichten sie, viel aus den Ehevorbereitungsgesprächen mitgenommen. „Vor allem, dass der Hafen der Ehe, in den man ja sprichwörtlich einläuft, kein Anlegen, sondern ein Ablegen ist.“ Victoria Pelzer beschreibt die Ehe als gemeinsame Reise. Und auf dieser Reise müsse man immer wieder an sich arbeiten, um die Stürme des Lebens zu bestehen. Dabei dürfe man nie aufhören, als Paar im Gespräch zu bleiben. So nehmen sich die beiden regelmäßig Eheabende als Zeit zu zweit, wo sie für sich ganz offen ihren Status beschreiben und gelegentlich den Kompass neu justieren. „Aufgeben ist für uns niemals eine Alternative“, stellen die Eheleute übereinstimmend fest.

Das Gebet steht am Anfang wie am Ende

Das, was sie für sich selbst so überzeugend erkannt haben, geben sie nun in den „Fit für Ehe“-Kursen im ehrenamtlichen Engagement an andere weiter. Auch hier ist es zentral, die Teilnehmer ins Paargespräch zu bringen, Wege der Kommunikation aufzuzeigen und Übungen an die Hand zu geben, die den Umgang im Alltag miteinander bereichern sollen. Dabei beginnen und enden die Kurseinheiten immer mit einem Gebet. Diese religiöse Ebene ist den beiden ebenfalls wichtig. So könnten viele der Paare das gemeinsame Gebet als Weg für sich entdecken: „Wenn ich gemeinsam mit meinem Partner und vor allem auch für ihn bete, liegt darin ein hohes Maß an Wertschätzung, die ich ihm vor Gott entgegenbringe. Das ist auch in schwierigen Situationen eine gute Hilfe“, erklärt Victoria Pelzer.

Die Seminare sind aber nicht nur für Brautpaare gedacht, die eine umfassende und gründliche Vorbereitung auf die Ehe suchen. „Auch jüngere Ehepaare, die ihre Beziehung auf ein breiteres Fundament stellen wollen, oder die offen für neue Horizonte sind, gehören zu unserer Zielgruppe“, beschreibt Karolin Wehler. „Dadurch, dass die Paare zu jeder der fünf Kurseinheiten ein eigenes Teilnehmerheft erhalten, können sie sich in der Nachbereitung und im Ehealltag immer wieder wertvolle Impulse ins Gedächtnis rufen.“

Das deutsch-österreichische Team von „Fit für die Ehe“, dessen Engagement der Wiener Erzbischof Kardinal Schönborn begrüßt, freut sich, wenn das Projekt weiter Verbreitung findet. „Eine gute Ehevorbereitung kann viel dazu beitragen, dass eine Ehe wirklich das feste Haus der Liebe, Zuneigung und Geborgenheit wird, das sich die Brautleute erhoffen“, erklärt der Kardinal.

Informationen unter www.christlichefamilie.at. Kontakt in Deutschland: Karolin Wehler, wehler@christlichefamilie.at, in Österreich: Stefan Lebesmühlbacher, lebesmuehlbacher@christlichefamilie.at.