Die Ehe als Missionsstation

Seit zehn Jahren hilft die „Initiative Christliche Familie“ Paaren, ihre Berufung gemeinsam zu verwirklichen. Von Stephan Baier

JungFamilienTreffen Pöllau 2015
Robert Schmalzbauer beim Jungfamilientreffen im steirischen Pöllau. Foto: Gabriele Malinar/Cross-Press

Multitasking scheint für Robert Schmalzbauer keine Herausforderung zu sein: Wir sprechen über theologische Fragen, während er einem seiner Söhne handwerkliche Aufgaben zuweist, die übrigen Kinder miteinander beschäftigt und durch das Christkönigskloster führt, das sich seine Familie mit den Trinitarierschwestern in Mödling teilt. Mit Ruhe und Geduld sucht der Vater von acht Kindern auch die zahlreichen Aktivitäten der „Initiative Christliche Familie“ (ICF) und der Gemeinschaft Immaculata, die er mit seiner Frau Michaela leitet, zu ordnen und wachsen zu lassen. Vor genau zehn Jahren schuf die ICF ein Dach für eine Vielzahl österreichweiter Aktivitäten. Seitdem wird sie zum Anbieter und Veranstalter immer neuer Angebote für Familien.

„Ein besonderes Ereignis ist das jährliche Jungfamilientreffen, Österreichs größtes Treffen für junge Familien, durch das sich ein großes Netzwerk von jungen Familien gebildet hat. Gott hat wirklich viele schöne Früchte geschenkt: von neuen Ehevorbereitungsprogrammen bis hin zu einem Hochschulstudiengang zur ,Theologie des Leibes‘ in Heiligenkreuz“, erzählt Schmalzbauer. Er ist überzeugt, dass Familien einfach durch ihr Sein einen Beitrag zur Neuevangelisierung leisten: „Die Evangelisation ist immer das Werk Christi. Er ist der Einzige, der evangelisiert. Und er tut es durch uns, wenn wir in ihm leben.“

Schmalzbauer verweist darauf, dass Jesus dreißig Jahre in Nazareth verborgen und unbekannt für die Familie lebte, aber nur drei Jahre öffentlich wirkte. „Diese neunzig Prozent des Lebens Jesu sind eine fantastische und heute offensichtlich vergessene Botschaft an uns über die Bedeutung der Familie!“ Ihre tiefste Würde aber empfange die Familie von Gott als Abbild der Dreifaltigkeit.

Trotz zahlreicher Veranstaltungen – von Familiennachmittagen und Kinderseminaren über Familienwallfahrten und Referentenschulung – ist Schmalzbauer kein Aktionist: „Die Familie ist missionarisch, zuallererst durch ihr Sein!“ Sie sei die erste Zelle der Liebe und des Lebens. „Wenn wir wirklich Familie leben, wird alles andere daraus hervorfließen. Wenn die Familie wahrhaft ihre Berufung lebt, können andere Menschen die Liebe Gottes sehen und erfahren“, ist er überzeugt. „Die Eheleute binden sich aneinander und werden – einer für den anderen – zum vollkommenen Geschenk. Das ist die bräutliche Bedeutung des Leibes. Die Familie ist der Ort, sein Leben zu verlieren um es in Christus zu gewinnen.“

Für Schmalzbauer hat die Evangelisierung der eigenen Kinder mehr Gewicht als ein Dienst in Kirche und Gemeinschaft. Kindererziehung brauche vor allem Zeit und Aufmerksamkeit. Er beschäftigt die Kleinen, während seine Frau die großen Kinder von der Schule abholt und zum Musikunterricht chauffiert. Schmalzbauer erzählt von kinderreichen Familien ohne Fernseher und Computer: „So bildet sich in der Familie ein anderer Mittelpunkt.“ Die Liebe der Eltern zueinander, so habe ein Priester ihnen ans Herz gelegt, sei der Schlüssel dafür, dass die Kinder bis zum Erwachsensein den Glauben annehmen können. Die Pflege der Ehe und die Einheit der Eltern sei deshalb so bedeutsam für die Erziehung der Kinder.

Die ICF-Ehevorbereitungskurse „Fit für Ehe“ bieten eine umfassende Vorbereitung, in der das Sakrament der Ehe als Kraftquelle entdeckt, Kommunikation eingeübt und das Staunen über die Schönheit der Sexualität vermittelt wird. Damit eine Beziehung den Stürmen des Alltags standhält, bedarf es gründlicher Vorbereitung, meint die ICF, die ihre Ehevorbereitung auf fünf Abende, einen Nachmittag und ein Wochenende angelegt hat: „Nicht viel für ein wertvolles Investment in die Zukunft – das ist weniger als für einen Führerscheinkurs“, heißt es dazu in einem Rundbrief an Gemeinschaften, Bewegungen und Initiativen. Die Orientierung am Lehramt der Kirche – wörtlich an „den Schätzen der katholischen Lehre“ – ist hier, wie bei allen Aktivitäten der ICF, selbstverständlich.

„Bei der Neuevangelisation führen die Wege über die Wahrheit, das Gute und die Schönheit“. Weil aber viele Menschen heute Schwierigkeiten sowohl mit der Wahrheit des Evangeliums als auch mit dem Guten der Lehre der Kirche hätten, könne man Viele am besten „über das Staunen, über die Schönheit, die die Herzen unmittelbar anspricht und öffnet“, erreichen. Dieser Weg der Evangelisation werde heute verstanden: „Über die Freude am Schönen kann man die Menschen zur Transzendenz Gottes hinführen und in ihnen den Wunsch wecken, mehr darüber zu erfahren, mehr zu sehen.“ Die Familien seien „die Zeugen, wer hinter dieser Schönheit steckt“, so Schmalzbauer.

Wie das gelingen kann, dafür hat der Leiter der „Initiative Christliche Familie“ viele Beispiele parat. Etwa dieses: Seit die „Theologie des Leibes“ und die Enzyklika Humanae vitae bei den Jungfamilientreffen intensiv besprochen werden, berichteten Ehepaare immer wieder, dass sie die Verhütungsmittel abgesetzt hätten. Familienpastoral dürfe Familien aber nicht „benützen“ und als Mittel verwenden, warnt er. Sie müsse vielmehr „in die Niedrigkeiten der Familie hinabsteigen“. Was das konkret meint? Schmalzbauer erklärt am Beispiel der Familienwoche in Pöllau: „Orientieren wir uns an der Bedürfnispyramide: Wo kann ich ein Fläschchen wärmen, wo stillen, mein Baby wickeln, wo fühle ich mich mit meiner Familie sicher? Es braucht kostengünstige Pauschalpreise, egal wie viele Kinder da sind, genügend Zeit und Raum, die richtige Uhrzeit und Dauer eines Programms – erst dann können die guten Inhalte bei den Familien ankommen.“

Multitasking eben: Schmalzbauer ist Hausmeister und geistlicher Leiter, Diplomingenieur und theologischer Vordenker, sorgt sich um die geistliche Reifung von Paaren und darum, wo eine junge Mutter ihr Baby stillen kann. „Wir in Europa sehen die große Not der Gottlosigkeit, eine zunehmende Erkaltung der Liebe, die sich wie ein dunkler Nebel über das Land ausbreitet. Die so dringende Neuevangelisierung soll eine klare Sicht im Licht des Evangeliums bewirken.“ Robert Schmalzbauer ist überzeugt: „Hierzu schlummert in den Familien ein unglaubliches Potenzial, wenn wir lernen, sie in ihrem Ehe- und Familie-Sein zu stärken.“