Dialog und Völkerverständigung

Zum 50. Jubiläum der Fokolar-Bewegung in Österreich: Rückblick auf zahlreiche Dialoginitiativen

Wien (DT/KAP) Die Präsidentin der internationalen katholischen Erneuerungsbewegung „Movimento dei Focolari“, Maria Voce, hat die zahlreichen Dialog-Initiativen der Bewegung in Österreich gewürdigt. Voce äußerte sich kürzlich in Schwechat, wo mehrere hundert Mitglieder das 50-Jahr-Jubiläum der Bewegung begingen. Voce lebt seit 48 Jahren in einer Kommunität der Fokolare und zählte zu den engsten Mitarbeiterinnen der verstorbenen Gründerin. Sie verbrachte zehn Jahre in der Türkei und verfügt über enge Beziehungen zum Ökumenischen Patriarchat sowie zur islamischen Welt.

Der Festakt mit Maria Voce unter dem Motto „Auf dem Weg der Einheit – gestern – heute – und in Zukunft“ fand im „Multiversum“-Zentrum Schwechat statt. Die 1943 von Chiara Lubich (1920–2008) gegründete Fokolar-Bewegung tritt insbesondere für den Dialog zwischen den Religionen und die Völkerverständigung ein. Lubich war Trägerin verschiedenster Auszeichnungen wie zum Beispiel den Augsburger Friedenspreis und den UNESCO-Preis für Friedenserziehung.

In Schwechat wurde betont, dass der interreligiöse Dialog bei den Fokolar-Mitgliedern in Österreich besonders mit Muslimen gepflogen wird und die Stoßrichtung das alltägliche Zusammenleben sei.

Begonnen habe der Dialog mit vielen persönlichen Begegnungen wie zum Beispiel den ersten muslimischen Mitarbeitern im „Mariapoli-Zentrum“ der „Focolarini“ in Wien. Bald kam es in Wien und Linz zu größeren Treffen, bei denen wichtige Themen des Lebens aus der Sicht der Bibel und des Korans vertieft wurden. Gerade erst vor einem Monat seien sechzig Personen zu solch einer Begegnung in Linz zusammengekommen.

In Hall in Tirol findet seit einigen Jahren monatlich ein interkultureller Frauentreff statt. Er wurde zu einem Pilotprojekt gelungener Integration, der von Politik und Medien wahrgenommen und geschätzt wird.

An einer Innsbrucker Volksschule, an der über 90 Prozent der Schüler nicht-deutscher Muttersprache sind, initiierte die Fokolar-Bewegung das Projekt „IMS“ (Integration macht Schule), mit Lesepatenschaften, Nachhilfe und Spiele-Nachmittagen.

2010 eröffneten die Innsbrucker Theologen Roman Siebenrock und Wolfgang Palaver gemeinsam mit der Fokolar-Bewegung eine christlich-muslimische Studientagung, der 2011 eine zweite folgte.

Mit dabei waren auch Adnane Mokrani und Sharzhad Housmand, zwei islamische Theologen vom Interreligiösen Zentrum der Fokolar-Bewegung in Rom, die an der Päpstlichen Universität Gregoriana lehren.

Inspiriert von der Studientagung war ubeispielsweise der Leiter eines alevitischen Vereins in Wiener Neustadt. Dadurch kam eine Zusammenarbeit der Fokolar-Bewegung mit dem Integrationsbüro Wiener Neustadt zustande. So entstand im sozial schwächsten Viertel der Stadt, dem Flugfeldviertel, das „Flugfeldfest“, bei dem verschiedene Volksgruppen und Vereine, sowie Schüler involviert sind.

Wegen der in vielen Ländern – darunter besonders auch Österreich – gesammelten Dialogerfahrung mit Kommunisten schlug die Fokolar-Bewegung Papst Benedikt XVI. vor, einen Österreicher – den früheren KPÖ-Vorsitzenden Walter Baier – als einen von drei Atheisten zum Weltfriedenstreffen nach Assisi einzuladen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde die Fokolar-Bewegung hierzulande unter anderen durch den mit dem damaligen Innsbrucker Bürgermeister Herwig van Staa 2001 initiierten politischen Kongress „1000 Städte für Europa“ bekannt, dem weltweiten Lauf „Run4Unity“ oder dem ökumenischen Netzwerk „Miteinander für Europa“.

Die Fokolar-Bewegung zählt laut eigenen Angaben mehr als 100 000 Mitglieder in 182 Ländern und mehr als 4, 5 Millionen Menschen, die weltweit mit ihr „in Verbindung stehen“. In Österreich umfasst die 1962 unter Papst Johannes XIII. von der katholischen Kirche approbierte Gemeinschaft rund 1 300 Mitglieder.