Der „große Wurf“ war das noch nicht

Der Rat der acht den Papst beratenden Kardinäle hörte Berichte über die Finanzen und Wirtschaftsfragen des Vatikans. Von Guido Horst

Was tun mit dem Vermögen des Vatikans? Der Kardinalsrat (hier auf einer Aufnahme vom Dezember 2013) muss sich auf dem Weg zur Kurienreform auch mit praktischen Verwaltungsfragen befassen. Foto: dpa
Was tun mit dem Vermögen des Vatikans? Der Kardinalsrat (hier auf einer Aufnahme vom Dezember 2013) muss sich auf dem We... Foto: dpa

Rom (DT) Wenn heute die Versammlung von Papst Franziskus mit den in Rom anwesenden Kardinälen beginnt, bei der der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper ein einleitendes Referat über „das Evangelium der Familie“ halten wird, hatten acht Purpurträger schon drei Tage lang die Gelegenheit, eingehender mit dem Papst über die Arbeit der römischen Kurie zu sprechen: Jener Rat von acht Kardinälen, den Franziskus recht bald nach seinem Amtsantritt berufen hatte und der ihm Vorschläge zu innervatikanischen Reformen unterbreiten soll. An den vertraulichen Sitzungen nahm auch Staatssekretär Pietro Parolin teil. Anders als zunächst verlautet, ging es nicht um die Päpstlichen Räte an der Kurie, sondern um die Finanzen und die Verwaltung des Vermögens und der Immobilien des Vatikans.

Am Dienstagmorgen war das vatikanische Geldinstitut IOR an der Reihe. Die Gruppe der Acht, zu der der Münchener Kardinal Reinhard Marx und als einziger Vertreter des Vatikans Kardinal Giuseppe Bertello, der Präsident der Verwaltung des Vatikanstaats, gehören, hörte einen Bericht der Kommission, die Franziskus im Sommer eingesetzt hatte, um das „Istituto per le Opere di Religione“ (IOR) auf Herz und Nieren zu prüfen. Der ehemalige Archivar und Bibliothekar der Römischen Kirche, Kardinal Raffaele Farina, steht der Gruppe vor, auch Kardinal Jean-Louis Pierre Tauran vom Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog, ein erfahrener Vatikandiplomat, den Franziskus sehr schätzt, und die amerikanische Professorin Mary Ann Glendon sitzen in dem Gremium. Wie Vatikansprecher Federico Lombardi SJ noch am Dienstag in einem Presse-Briefing berichtete, sei es um den Auftrag und den Dienst gegangen, den das IOR in Zukunft für die Kirche leisten solle. Entscheidungen seien nicht gefallen, so Lombardi. Die Kommission habe vor Franziskus und den acht Kardinälen ausführlich und vertieft die Arbeit des Geldinstituts, aber auch die Schwierigkeiten der Vergangenheit und deren Ursachen dargestellt, hieß es etwas vage in der Erklärung des Vatikansprechers. Bei der Aussprache habe man sodann Möglichkeiten ausgelotet, in welche Richtung sich das IOR weiterentwickeln könnte.

Aber es gibt noch eine zweite, ebenfalls von Franziskus eingesetzte Kommission, die sich mit allgemeinen Vermögensfragen des Vatikans befasst, und die kam bereits am Montag mit dem Rat der acht Kardinäle zusammen. Sie trägt inzwischen sogar einen Namen, wie Lombardi am Montag mitteilte: „COSEA“, was die etwas längere Bezeichnung „Pontificia Commissione referente sull’Organizzazione della struttura economico-amministrativa della Santa Sede“ abkürzten soll, zu Deutsch: „Päpstliche Kommission zur Organisation der wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Struktur des Heiligen Stuhls“. Ihr Vorsitzender ist der aus Malta stammende Wirtschaftsfachmann Joseph Zahra, aber auch der deutsche Versicherungsfachmann Jochen Messemer gehört dem achtköpfigen Gremium an. Wichtiger Gegenstand dieser Kommission ist unter anderem die APSA, die Vermögensverwaltung des Vatikans. Die „COSEA“ hat zahlreiche Prüfungsverfahren an international tätige Unternehmensberatungen vergeben (siehe DT vom 15. Februar) und steckt noch mitten in der Erhebungsarbeit. Jetzt erhielten die acht Kardinäle einen ersten Bericht.

Der „große Wurf“ war von den nun abgeschlossenen dreitägigen Beratungen der Gruppe der Acht mit Papst und Staatssekretär nicht erwartet worden. Bei Redaktionsschluss dieser Zeitung stand noch nicht fest, ob sich die bisweilen „K 8“ genannte Kardinalskommission am Mittwochnachmittag doch noch mit den Päpstlichen Räten der Kurie befassen werde. Am Ende der Arbeiten der Gruppe der acht Kardinäle, die nicht für dieses Jahr zu erwarten sind, soll der Vorschlag einer Apostolischen Konstitution stehen, mit der Franziskus die römische Kurie neu ordnet.

Bei der zweitägigen Vollversammlung der Kardinäle heute und morgen, die dann am Samstag in das feierliche Konsistorium mit der Verleihung von neunzehn Kardinalshüten übergehen wird, steht das Thema der kommenden Bischofssynode auf der Tagesordnung: die Ehe- und Familienpastoral.