Der erste Eindruck

Der erste Eindruck ist für uns entscheidend. Lesen wir die ersten Seiten eines Buches und langweilen uns, werden wir es wohl beiseitelegen und nicht fertiglesen. Von Benedikt Bögle

Der erste Eindruck

Der erste Eindruck ist für uns entscheidend. Lesen wir die ersten Seiten eines Buches und langweilen uns, werden wir es wohl beiseitelegen und nicht fertiglesen. Sehen wir die ersten Szenen eines Films und sie gefallen uns nicht, werden wir wohl das Programm wechseln. Treffen wir auf neue Menschen und schaffen es nicht, ein Gespräch zu führen, werden wir wohl nicht beste Freunde werden. Das ist ganz natürlich, aber schade: Das anfangs schlechte Buch erzählt möglicherweise eine grandiose Geschichte, der Film hätte wunderbare Szenen, der zunächst unangenehme Mensch ist vielleicht der beste Gesprächspartner, lernten wir ihn nur ein bisschen besser kennen.

Der erste Eindruck entscheidet, ob wir uns mit etwas länger beschäftigen wollen oder es direkt abschreiben. Ich glaube, dass es sehr vielen Menschen in Deutschland genauso auch mit der Kirche geht. Selbst wenn sie sich noch nicht ausführlich mit der christlichen Botschaft beschäftigt haben, nehmen sie doch etwas von Kirche wahr. Auf der einen Seite sind das die Skandale, die immer wieder auch durch die Medien gehen. Kindesmissbrauch, unverantwortlicher Umgang mit Finanzen, Protzigkeit und Überheblichkeit. Anziehend ist das nicht gerade, es schreckt die Menschen ab.

Ähnlich verhält es sich auch mit langweiligen Veranstaltungen der Kirche. Wer selten einen Gottesdienst besucht, bei einer der wenigen Gelegenheiten dann aber eine lange und schlechte Predigt hört, wird sich nicht schon auf den nächsten Gottesdienst freuen. Zudem wird Kirche oft als verstaubt wahrgenommen. Verdenken kann man das den Menschen nicht wirklich. Die Homepages vieler Pfarreien sind entweder nicht existent oder vollkommen überholt. Vielerorts kostet der Pfarrbrief noch Geld. Man stelle sich vor, jemand würde zu einer Feier einladen und dann für die Einladungskarte noch Geld verlangen. Undenkbar!

In Deutschland ist man sich mittlerweile einig, dass etwas geschehen muss. Immer mehr Menschen wenden der Kirche den Rücken zu oder kennen Kirche nicht einmal wirklich. Wenn in einigen Jahren unsere Gottesdienstbesucher noch älter und gebrechlicher sind, werden sich die Reihen in unseren Kirchen noch mehr lichten als ohnehin bereits. Angesagt ist „Neuevangelisierung“, „Mission“. Ganz richtig. Nur: Unsere Botschaft wird nur gehört, wenn die Menschen nicht direkt etwas Negatives mit dem Christentum verbinden. Oft verbauen wir uns bereits bei der ersten Berührung mit „Kirchenfernen“ die Chance, einen Dialog zu beginnen. Oft sind wir das Buch, das schon nach wenigen Seiten beiseitegelegt wird.

Dabei haben wir nicht nur eine tolle Geschichte zu erzählen, wir haben die Botschaft des Lebens. Was wir verkünden, handelt von Leben und Tod, von Glück und ewigem Heil, von Liebe und Hoffnung. Wir werden aber nur dann die Möglichkeit haben, davon zu erzählen, wenn wir an unserem ersten Eindruck arbeiten.

Der Autor, 23, ist katholischer

Theologe und freier Journalist