Der Mensch: Beziehung zum Unendlichen

Papst Benedikt meditiert über das Thema des Meetings in Rimini Von Guido Horst

Rom (DT) In den Messehallen von Rimini an der Adria hat am Sonntag die 33. Ausgabe des „Meetings für die Freundschaft unter den Völkern“ begonnen. Das von der Bewegung „Comunione e Liberazione“ veranstaltete Kulturfest steht in diesem Jahr unter dem Motto „Die Natur des Menschen ist Beziehung zum Unendlichen“. Nicht – wie es bei solchen katholischen Veranstaltungen üblich ist – über ein Schreiben des Kardinalstaatssekretärs, der die Grüße und den Segen des Papstes ausrichtet, sondern in einer persönlichen und eigenhändig verfassten Meditation wollte Benedikt XVI. in diesem Jahr das Thema des Treffens ausleuchten. Auch aus dem Grunde, weil es, wie der Papst schreibt, wichtig sei mit Blick auf das bald beginnende Jahr des Glaubens. Das Schreiben Papst Benedikts trägt das Datum vom 10. August und wurde am Sonntag veröffentlicht.

Dass der Mensch ein Geschöpf Gottes ist, so Papst Benedikt einleitend, sei heute „aus der Mode gekommen“. Es sei ein unbequemes Konzept, erinnere es doch daran, dass der Mensch in einer essenziellen Beziehung zu etwas Anderem oder Besserem stehe, das in grundlegender Weise dessen Identität bestimme. Doch genau diese Beziehung, die ein ursprüngliches und ontologisches Abhängig-Sein von dem umschließe, der uns gewollt und geschaffen habe, gebe dem Menschen seine Größe und Würde. Dass „die Natur des Menschen Beziehung zum Unendlichen“ sei, bedeutet für den Papst, dass jede Person in einen Dialog mit Gott eintreten kann. Die Spannung auf den Schöpfer, auf das Unendliche hin sei jedem Herzen eingeprägt, auch dem Herzen derjenigen, die Gott verneinen oder ablehnen würden.

Um sich nicht falschen Idolen oder „falschen Unendlichkeiten“ hinzugeben – Papst Benedikt nennt in der Meditation Drogen, eine falsch gelebte Sexualität, auf totalitäre Wirkungen abzielende Technologien oder die Sucht nach Erfolg –, bedürfe es eines Wegs der Reinigung, der Bekehrung des Herzens und des Geistes. Um wirklich sich selbst zu finden, müsse jeder Einzelne dazu zurückkehren, sich als Geschöpf anzuerkennen, als jemand, der von Gott abhängt. Aber könne es nicht auch sein, so fragt der Papst, dass es für den Menschen strukturell unmöglich ist, auf der Höhe der eigenen Natur zu leben? Und könnte diese Beziehung zum Unendlichen nicht auch ein Fluch sein, weil sie nie in vollem Umfang eine Erfüllung finde?

Diese Frage, so Papst Benedikt weiter, führe zum Herzen des Christentums. Denn damit der Mensch das Unendliche auch spüren und erfahren könne, habe Gott eine endliche Form angenommen. Die Inkarnation, die Fleischwerdung Gottes in der Geschichte der Menschheit habe die unüberwindbare Distanz zwischen dem Endlichen und Unendlichen gelöscht. Der ewige und unendliche Gott habe den Himmel verlassen und sei in die Zeit eingetreten, er habe sich in die menschliche Endlichkeit ergossen. Damit sei aber auch nichts mehr banal oder unbedeutend auf dem Weg des Lebens und der Welt. „Der Mensch ist für einen unendlichen Gott geschaffen, der Fleisch angenommen hat, der unsere Menschlichkeit angenommen hat, um sie zu den Höhen seines göttlichen Seins zu erheben“, schreibt Benedikt XVI. So entdecke man die wahre Dimension der menschlichen Existenz, wie es der Gründer von „Comunione e Liberazione“, Don Luigi Giussani, gelehrt habe: das eigene Leben als Berufung zu verstehen. Auf diese Weise finde jedes Ding, jede Beziehung, jede Freude, aber auch jede Schwierigkeit ihre letzte Bedeutung darin, eine Gelegenheit für die Beziehung zum Unendlichen und eine Stimme Gottes zu sein, die den Menschen beständig rufe und einlade, den Blick zu erheben, um im Anhängen an Gott die volle Realisierung der eigenen Menschlichkeit zu entdecken.

Das Meeting in Rimini wird am kommenden Samstag zu Ende gehen. Es begann mit einem großen Gottesdienst, den der Bischof von Rimini, Francesco Lambiasi, feierte, sowie mit einem Zeugnis des Vorsitzenden der nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ignatius Kaigama, über das Martyrium der Christen in seinem Land. Auch viele Politiker werden auf dem Kulturfest erwartet; gestern etwa kam der italienische Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Giovanni Passera, morgen wird Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, in Rimini sein. Es ist eine Tradition des Meetings, Vertreter aller politischen Strömungen oder Parteien einzuladen, um ihnen Gelegenheit zu geben, ein „Stück katholisches Volk“ zu erleben. Zählt man alle sieben Tage zusammen, so dürften wieder wie jedes Jahr um die vierhunderttausend Besucher morgens durch die Einlasstore des Messegeländes strömen. Neben vielen Podiumsveranstaltungen, die ganze Messehallen füllen, erwarten zahlreiche Ausstellungen die Teilnehmer des Meetings. Für die Anhänger von „Comunione e Liberazione“ hat das Treffen in diesem Jahr eine besondere Bedeutung, weil vor wenigen Monaten der Seligsprechungsprozess für den Gründer Luigi Giussani eröffnet worden ist.