Der Intelligenz des Herzens Gehör verschaffen

Wiener Dialogkonferenz mit Wünschen des Papstes eröffnet – Kardinal Tauran kritisiert Missachtung der Menschenwürde

Wien (DT/KNA) Mit Plädoyers zur Überwindung religiös-kultureller Vorurteile ist am Montag in Wien ein „Global Forum“ des dortigen King-Abdullah-Dialogzentrums (KAICIID) eröffnet worden. Rund 490 Teilnehmer aus 90 Ländern nehmen teil, darunter der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Mounib Younan (Amman), der Pariser orthodoxe Metropolit Emmanuel Adamakis und der Präsident des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Beratungen (IJCIC), Rabbiner David Rosen.

Zu Beginn der Veranstaltung verlas der Vertreter des Vatikan, Kurienkardinal Jean-Louis Tauran, ein Grußwort von Papst Franziskus für ein Gelingen der Konferenz. Der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog zeigte sich besorgt über die Missachtung der Menschenwürde durch die Wirtschaft. In der globalisierten Welt würden Menschen oft nur nach ihrem Erscheinungsbild und ihrer ökonomischen Leistung beurteilt. Bedroht sei die Würde des Menschen auch von Entwicklungen in der Biotechnologie, wo der Mensch als bloßes Objekt behandelt werde.

Eine der Aufgaben des Wiener Dialogzentrums könnte sein, der „Intelligenz des Herzens“ Gehör zu verschaffen, so der französische Kurienkardinal weiter. Dieses Hören des Herzens führe auch dazu, zu vermeiden, dass die Religion „Furcht verbreitet und mit einer Sichtweise der eigenen Exklusivität und der eigenen Überlegenheit einhergeht“.

KAICIID-Generalsekretär Faisal Bin Muaammar erinnerte daran, dass am Beginn der saudischen Dialoginitiative eine Begegnung von König Abdullah Bin Abdulaziz mit Papst Benedikt XVI. im November 2007 gestanden sei. Der frühere saudische Vize-Bildungsminister verwies auf die aktuelle Katastrophe auf den Philippinen. Sie zeige, wie stark die Menschheit über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg verbunden sei. Es gelte, diese Kräfte der Zusammengehörigkeit durch Austausch zu stärken und zu mobilisieren.

Die Eröffnung des „Global Forum“ war von Protesten christlicher Menschenrechtsgruppen vor dem Konferenzort begleitet. Die Tagung dauert bis Dienstagabend. Am Mittwoch und Donnerstag schließt sich die IX. Vollversammlung der New Yorker Stiftung „Religions for Peace“ an. Daran nimmt auch das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, teil. Thema des „Global Forum“ ist „Das Bild des Anderen“. Die Teilnehmer sollen nach Wunsch der Veranstalter die globale Herausforderung erörtern, „Wege für eine verantwortungsvolle Bildung zu finden, mit dem Ziel eines besseren Verständnisses für andere Religionen und Kulturen“.

Generalsekretär Bin-Muaammar war vor der Konferenz bemüht, Zweifel an der Objektivität des von Saudi-Arabien finanzierten KAICIID etwa im Syrien-Dialog zu zerstreuen. Die Trägerstaaten – „Saudi-Arabien, aber auch Österreich, Spanien und der Heilige Stuhl“ – hätten „null Einfluss auf die Vorgänge im Zentrum“, sagte er. Auch die erste Jahresbilanz der Einrichtung gebe davon Zeugnis. Der Vertrag zur Einrichtung des Dialogzentrums wurde 2011 von den Regierungen Österreichs, Spaniens und Saudi-Arabiens unterzeichnet. Es wurde am 27. November 2012 eröffnet.