„Der Herr sucht Nachfolger“

Die Bischöfe im deutschsprachigen Raum gehen in ihren Osterpredigten auf die Situation der bedrängten Christen und auf die Gottesfrage ein

Der Limburger Bischof Georg Bätzing in der Osternacht. Foto: Bistum Limburg
Der Limburger Bischof Georg Bätzing in der Osternacht. Foto: Bistum Limburg

Bonn/Wien (DT/KNA/KAP) Die deutschsprachigen Bischöfe haben zum Osterfest an Konflikte und religiöse Verfolgung in aller Welt erinnert – und zugleich auf die ermutigende Osterbotschaft verwiesen. Es gehe darum, die österliche Perspektive des neuen Lebens und des Aufbruchs ernst zu nehmen, sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dem Redemanuskript zufolge am Ostersonntag im Münchner Liebfrauendom. Sie gehöre zur christlichen Identität und inspiriere damit auch Europa. Der Erzbischof von München und Freising nannte es eine zentrale Aufgabe, die „Kultur der Freiheit“ nicht zu verspielen: „Wir können und dürfen dafür etwas tun!“

Kern der Osterbotschaft sei, „dass am Ende nicht Hass und Tod siegen werden, sondern das Leben“. Es gehe an Ostern nicht um Illusion oder eine Verdrängung der harten Realität, sagte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki im Kölner Dom. Es gebe dem Leben „mitsamt seinem Kreuz und Leid einen ungeheuren Tiefgang und Sinn“, dass der gekreuzigte und auferstandene Jesus die Menschen in seine Lebensgemeinschaft aufnehme. Das Mitgefühl der Christen gelte tausenden Flüchtlingen und jenen Kopten in Ägypten, die am Palmsonntag ihr Leben verloren hätten.

Berlins Erzbischof Heiner Koch würdigte die Erfolge der modernen Forschung. Sie würden jedoch von der Gefahr der Selbstüberschätzung und Selbstüberforderung begleitet. „Wir machen unsere Kinder weg, wir sind Herren unserer Geschichte, wir wollen unseren Tod selbst bestimmen, wir wollen sein wie Gott“, kritisierte Koch. Die Lebenserfahrung lehre jedoch, „dass erfüllt zu leben nicht bedeutet, alles leben zu können, sondern in und mit seinen Grenzen erfüllt zu leben“. Dies sei „die Haltung der Menschen, die den auferstandenen Christus in ihrem Leben wahrnehmen, die sich von seiner Gegenwart beschenken lassen, die sie nicht machen können“.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann warnte in seiner Predigt am Ostersonntag davor, die zentrale Botschaft der Auferstehung als „sentimentale Wirklichkeitsstörung“ abzutun. „Mit dem Glauben an die leibhafte Auferstehung Jesu steht und fällt das Christentum“, sagte Hofmann. Dies sei auch in der Auseinandersetzung mit dem Islam ein zentraler Punkt. „Beim Ostereiersuchen – was ja ganz nett sein kann – stehenzubleiben, wäre die banalste und einfallsloseste Form, dieses Fest zu feiern“, so Hofmann. „Und sind uns CO2-Ausstoß und Mülltrennung wichtiger als die Fakten rund um die Auferstehung Jesu?“ Heute füllten Spiritualität und Esoterik eine Marktlücke, wobei Gott nur als ein Gebrauchsgut erscheine, kritisierte Hofmann weiter. „Man sucht sich nach Belieben Glaubensversatzstücke aus, weicht aber dem innersten Kern des Glaubens, der Provokation von Ostern, aus.“ Jesus sei leibhaft aus dem Grab auferstanden. Dafür gäbe es viele Zeuginnen und Zeugen in jener Zeit. Für die frohe Botschaft seien sie in alle Welt gezogen und hätten den eigenen Tod auf sich genommen, sagte der Bischof.

Zum Gebet für verfolgte und bedrängte Christen auf der Welt rief der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick in der Osternacht auf. Ziel müsse es sein, dass sich der Glaube ausbreiten könne und alle Christen in Frieden, Freude und Freiheit leben könnten. Der Erzbischof, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist, erinnerte daran, dass die Kirche insgesamt wachse, „und zwar schneller als die Weltbevölkerung, besonders in Afrika“.

Nach Ansicht des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke bewegt die Osterbotschaft Menschen, „nach vorne in die Zukunft zu gehen“. Die Gläubigen sollten Welt und Gesellschaft mitgestalten. „Wir erleben global einen wachsenden Egoismus in vielfältiger Ausformung.“ Dieser zeige sich im Nationalismus, Protektionismus, in der Sucht nach ökonomischer Vorherrschaft und eigennütziger Sicherung von Ressourcen. Dagegen sei die Auferstehung Jesu Gewähr dafür, dass sich Gott in seiner lebensspendenden Liebe nicht eingrenzen lasse. Für den österlichen Menschen öffne sich der Blick nach vorne, so Hanke. Zugleich gewinne das Leben vor und in den Grenzen der Endlichkeit neue Kraft, die Hoffnung.

Der Passauer Bischof Stefan Oster erklärte, eine Welt, die Gott nicht mehr brauche, sei todgeweiht. Er erinnerte an Terror, Kriege und Umweltkatastrophen. „Sie ist eine Welt mit Lügen, mit ,Fake News‘, mit all ihren Spaltungen und Fraktionen, auch mit all ihrer Not der Endlichkeit.“ Deshalb sei das Zeugnis vom Leben nötig, „von der Wahrheit und der Liebe, die vom Auferstandenen kommen“.

Augsburgs Bischof Konrad Zdarsa rief dazu auf, die Osterbotschaft überzeugend weiterzutragen. „Denn Gott sucht Nachfolger, keine Follower.“ Christus spreche zu jedem Einzelnen und jeder Einzelnen. Er frage sich jedoch, ob Menschen noch in der Lage seien, über das Naheliegende und Unterhaltende hinauszudenken.

Als „theologisch brillanten Botschafter der Auferstehung“ und „Pionier der Ökumene im Dienst der Kircheneinheit“ würdigte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer den emeritierten Papst Benedikt XVI. Er erinnerte an die Geburt von Joseph Ratzinger vor 90 Jahren. Er sei damals an einem Karsamstag geboren und mit dem Osterwasser getauft worden. Ratzingers Eltern hätten ihm das „Ewige Leben gleichsam schon in die Wiege legen“ wollen.

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt würdigte in seiner Osterpredigt die verfolgten Christen als Vorbilder des Glaubens. Sie gäben „ein starkes Zeugnis für die Wirklichkeit von Ostern“, betonte Ipolt. „Sie versammeln sich zum Gottesdienst unter polizeilicher Bewachung, sie müssen damit rechnen, dass Anschläge verübt werden“. Manche sollten „sich freikaufen mit hohen Summen, weil sie als Christen in der Gesellschaft nicht erwünscht sind“. Dennoch seien sie ihrem Glauben treu: „Sie trauen dem, der selbst unter Verfolgung, Folter und Tod gelitten hat, in Solidarität mit ihnen“, so der Bischof. Angesichts der verfolgten und bedrängten Christen sei es „beschämend und geradezu grotesk, welche Ausreden manchmal ein Katholik in Westeuropa parat hat, warum er am Sonntag nicht zum Gottesdienst kommen kann“.

Mit Blick auf Globalisierung und gleichzeitiges Erstarken nationalen Denkens rief der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann die Christen aller Konfessionen zu größerer Gemeinsamkeit und Entschlossenheit auf. „Wir Christen müssen lernen, in der Kraft der Auferstehung unsere Sendung für die Welt gemeinsam zu begreifen und anzugehen. Wir müssen in unserem Glauben erwachsen und weltfähig werden“, sagte der Bischof am Ostersonntag im Speyerer Kaiserdom. Christen sollten ihre „Selbstbezogenheit“ überwinden und sich weltweit für den Schutz der Würde aller Menschen einsetzen, forderte Wiesemann. Eindringlich mahnte er zu mehr Solidarität mit den Christen im Nahen Osten: „Das Christentum ist die am stärksten verfolgte Religion in der Welt.“ Viele Christen, etwa in Ägypten oder in Syrien und Irak fühlten sich von den Christen im Westen alleingelassen. Kirchen, die bis in die Anfänge des Christentums zurückreichten, seien in ihrer Existenz bedroht, sagte Wiesemann. Nötig seien konkrete Hilfen und Solidarität.

Die christliche Osterbotschaft der Auferstehung bedeutet für den Freiburger Erzbischof Stephan Burger den Sieg des Lebens über den Tod. Das den Menschen von Gott zugesagte Leben nach dem irdischen Tod bedeute mehr als nur ein „Leben in Gedanken und Vorstellungen“, sagte der Bischof in der Osternacht. Christen glaubten vielmehr an ein „wahrhaftiges Leben wie bei Christus selbst, neu, fassungslos und gleichermaßen real, wie unser jetziges Leben“. Aus dieser Gewissheit, so Burger weiter, könne eine große Zuversicht erwachsen: „Nicht Tod und Verwesung, nicht Hoffnungslosigkeit, sondern Leben und Freude sollen unser irdisches Leben bestimmen.“

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße bezeichnete Ostern als „Begründung und Einladung dafür, die Kultur des Humanen zu bewahren und zu stärken“.

Von Ostern geht für den Limburger Bischof Georg Bätzing eine Botschaft der Freiheit und des Aufbruchs aus. Der Auferstandene rufe zum Aufbruch aus der Unfreiheit und gehe in eine „verheißungsvolle Zukunft voran“, sagte der Bischof in der Feier der Osternacht im Limburger Dom. Gott zeige sich den Menschen zu jeder Zeit immer neu. Er lade die Gläubigen dazu ein, statt in alten Gewohnheiten zu verharren, und Neues zu wagen.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann bezeichnete den christlichen Osterglauben als Rezept gegen Gewalt, Ideologien und Fanatismus bezeichnet. „Die Botschaft von der Auferstehung steht dafür ein, dass das Leben, so bruchstückhaft, so unfertig, ja so sinnlos es erscheinen mag, einen Sinn hat“, sagte Ackermann bei der Feier der Osternacht im Trierer Dom.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker rief dazu auf, sich für das menschliche Leben zu engagieren. In der Osternacht nannte er es wichtig, „sich stark zu machen für die Würde von Kindern, Behinderten, psychisch Kranken und ihren Angehörigen“. Auch die stille Anteilnahme an der Trauer eines anderen Menschen oder ein Wort des Trostes und Ermutigung seien Beispiele dafür, die Botschaft Jesu weiterzutragen. Nach den Worten von Becker will der auferstandene Jesus sein „gottmenschliches Licht“ in die Dunkelheiten und Umnachtungen des alltäglichen Lebens leuchten. „Es will einleuchten und heimleuchten, hineinleuchten in so manche Verblendungen, Irrungen, Wirrungen, Täuschungen und Trübsale“. Der Auferstandene wolle die Menschen ermutigen, sich „nicht zu fürchten vor den Mächten, vor den Großmächten und vor den Übermachten der Finsternis“.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn hat auf den Gegensatz zwischen der Wirklichkeit und dem Osterglauben an das ewige Leben hingewiesen. In der Realität herrsche die Macht des Todes. „Wir brauchen nur an die Unzähligen zu denken, die in den letzten Jahren im Syrien-Krieg oder bis in die jüngste Vergangenheit hinein durch Terroranschläge umgekommen sind“, sagte Genn in seiner Predigt am Ostersonntag im Sankt-Paulus-Dom. Mit Blick auf die Auferstehung Jesu sprach Genn von der großen Macht der Liebe, die den Tod in Leben umwandeln könne. „Wir haben den Trumps und Putins, den Erdogans und allen Machtpolitikern genau das gegenzuhalten.“ Nur durch diese Macht der Liebe werde die Welt wirklich gerettet. Genn wandte sich auch an diejenigen, die auf vielfältige Weise Anfang und Ende des Lebens manipulieren und in die eigene Hand nehmen wollen. Er verwies auf den Glauben an das ewige Leben: „Es gibt mehr, als wir überschauen und machen können.“

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen rief Christen zum stärkeren Einsatz für den Lebensschutz auf. „Der Glaube an die Erlösung durch die Auferstehung führt direkt und folgerichtig in den Aufstand gegen alle Formen des gesellschaftlich wie politisch, wirtschaftlich wie militärisch verantworteten Todes“, sagte Algermissen am Sonntag in seiner Osterpredigt im Fuldaer Dom. Christen müssten sich gegen Abtreibung, gegen die „Selektion behinderten menschlichen Lebens durch bestimmte Diagnostikverfahren“ und gegen aktive Sterbehilfe einsetzen. Zugleich sprach der Bischof von „mitunter skrupellosen Attacken, die in immer kürzeren Abständen auf den Lebensschutz versucht werden“.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck forderte einen „Aufstand für Frieden und nicht für Krieg, den Aufstand für Versöhnung und nicht für Rache, den Aufstand für Vergebung und nicht für Vergeltung“.

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hob die befreiende Wirkung des Festes hervor. „Beflügelt durch die Auferweckung Jesu von den Toten können wir einen neuen Geist in die Welt tragen, zu Frieden und Versöhnung beitragen und all denen Mut machen, die verzweifelt sind“, sagte er bei der Feier der Osternacht. Dies sei auch innerhalb der Kirche wichtig. „Selbst hier gibt es auf allen Ebenen so manches, was das Leben behindert oder lähmt“, betonte Feige. „Wenn Regeln und Bräuche von gestern für wichtiger gehalten werden als das Evangelium selbst und die Sorge um das Heil heutiger Menschen, wenn die Beziehung zu Gott verkümmert und die Liebe zum Nächsten bestimmte Gruppen ausschließt oder wenn notwendige Reformen blockiert werden.“ Der Bischof fügte hinzu: „Manche Katholiken – besonders diejenigen, die sich zunehmend über Papst Franziskus ereifern – scheinen ja – wie ich es noch vom Marxismus-Leninismus kenne – auch die Lehre der Kirche als geschlossenes System zu betrachten, dem sich alle nur ein- oder unterzuordnen haben.“ Damit aber wäre der christliche Glaube in Gefahr, „zu einer starren Ideologie zu werden, einem leblosen Gebilde hinter Riegel, Schloss oder Stein“, warnte der Bischof des Bistums Magdeburg. Dann würde er seine Kraft als Quelle des Lebens verlieren. Das Christentum sei jedoch „keine totalitäre Weltanschauung oder rigorose Gesetzesreligion, eher – im Bild gesprochen – Feldlazarett als Kadettenschule“.

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat eine missbräuchliche Verwendung des Kreuzes kritisiert. Ostern verwandle durch die Auferstehung Jesu das Kreuz „zu einem grundlegenden Zeichen des Glaubens und der Hoffnung, und deswegen können es Christen nur schwer ertragen, wenn das Kreuz für politische Zwecke verwendet wird“, sagte Neymeyr in einem Osterwort am Sonntag im MDR-Radio Thüringen. „Ich sehe es auch nicht gerne, wenn das Kreuz nur als Schmuckstück dient.“

Ostern hat nach Ansicht des Rottenburger Bischofs Gebhard Fürst die Kraft, Bilder von Leid und Tod in Hoffnungsbilder zu verwandeln. Fürst erinnerte in der Osternacht im Rottenburger Dom an die Kriege und Konflikte im Nahen Osten, die Hungerkatastrophe in Afrika und die Not von Flüchtlingen: Trotz allen Leids bleibe Ostern für Christen aber eine Quelle der Hoffnung und Lebenskraft; die Auferstehung Jesu bringe „good News statt Fake News“, sagte Fürst. Es gelte, Mutlosigkeit und Verzweiflung in Hoffnung und Gottvertrauen zu verwandeln.

Mehr als 400 Erwachsene wurden in Österreich während der österlichen Auferstehungsfeiern getauft. Hauptgrund ist die hohe Zahl von Taufbewerbern aus muslimischen Ländern, die im Zuge der Flüchtlingsbewegung nach Österreich kamen und Christen werden wollen. Kardinal Christoph Schönborn sagte im Wiener Stephansdom, „die Welt verändert sich, wenn wir an die Auferstehung glauben“. Der Glaube begründe eine „starke Gemeinschaft“. Diese mache möglich, dass im militärisch-politischen Bereich bei Attentaten, aber ebenso im persönlichen Bereich bei Kontroversen, „nicht mit den gleichen Waffen zurückgeschlagen“ werde. Durch diese Zurückhaltung „kommt ein Stück Hoffnung und Zuversicht in die Welt“.

„Ohne Auferstehung gibt es kein Christsein!“, betonte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in der Osternachtsfeier im Salzburger Dom. Er verwies auf eine in Salzburg durchgeführte Untersuchung, derzufolge fast 40 Prozent der jungen Leute meinten, Christ sein zu können, ohne an Gott zu glauben. 25 Prozent aller Christen in Salzburg würden an die Wiedergeburt glauben. Dagegen stehe die christliche Sicht, „dass das Leben einmalig, eine einzigartige Gabe Gottes ist“. Christen seien in der Osternacht aufgefordert, ihr Taufversprechen ernst zu nehmen: „Wir sollen uns innerlich aufmachen, dorthin, wo nicht das grelle Scheinwerferlicht des Wissens herrscht, sondern die Sehnsucht wohnt“, so Lackner. In der Taufe sei diese Sehnsucht grundgelegt, „eine Sehnsucht, die auf demn Weg ist, mehr unbewusst als bewusst unterwegs auf Gottsuche“. Auferstehung sei „das unwiderrufliche Versprechen Gottes, dass er sich finden lässt“.

Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl sagte, Ostern sei ein Stück weit Widerstand, um dem Terror und Schrecken, der sich „in immer schnellerer Folge vor unserer Haustür“ zeige, zu widerstehen. Egoismus, Nationalismus und ideologische Verblendungen würden immer mehr einem „Auseinanderdriften der Gesellschaft Vorschub“ leisten. Auch die Sprache drohe zur „bloßen Effekthascherei“ zu degenerieren. Dagegen gelte es, „Orte des Lebens neu zu entdecken“, so Krautwaschl.

Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng erinnerte an den von den Nazis hingerichteten evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Als Bonhoeffer von der Todeszelle abgeholt wurde, sagte er: ,Das ist das Ende – für mich der Anfang des wahren Lebens.‘“ Diese Worte führten „mitten in die Osterbotschaft, die auch dann standhält, wenn Terror, Krieg, Verfolgung das Leben der Menschen bedrohen.“ Das Kreuz kennzeichne den Weg, „der zur Fruchtbarkeit, zum Ziel, zum ewigen Leben führt, es ist der Weg der großen Liebe, die Jesus nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt hat“.

Der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics würdigte im Martinsdom Benedikt XVI. als „profunden, stillen und glaubwürdigen Zeugen der Osterbotschaft“. Papst Benedikt habe in seinem Forschen und Lehren als Professor, in seiner Hirtensorge als Bischof, Kardinal und vor allem in seinem Dienst als Nachfolger Petri immer Gott und sein Geheimnis in die Mitte gestellt, sagte der burgenländische Bischof: „Braucht es nicht heute mehr denn je solche Propheten und Hirten mit großer Intellektualität und tiefer Spiritualität, die unsere Kirche und Welt an Gott und sein Geheimnis erinnern, damit unsere Kirche und Welt nicht gottlos, orientierungslos und damit hoffnungslos ist?“

Als „Fest gegen die Gleichgültigkeit“ und „deutliches Zeichen gegen jede Form von Angst und Hoffnungslosigkeit“ hat der Kärntner Bischof Alois Schwarz das Osterfest bezeichnet. Ostern sei nicht bloß eine Erinnerungsfeier an ein längst vergangenes Ereignis, sondern ein Geschehen von heute, das liturgisch jeden Sonntag gefeiert werde „und sich im Leben eines jeden von uns jeden Tag ereignet“. Das Osterfest zeige in eindrucksvoller Weise, „dass das Leben über den Tod siegt und Hoffnung und Freude auch angesichts von Leid und Tod in der Welt möglich sind“. Der Kärntner Bischof appellierte an die Christen, „nicht Grabwächter zu sein, die den Grabstein zuhalten, sondern lebendige und aktive Zeugen, die zulassen, dass es Auferstehung gibt“.

Der Linzer Bischof Manfred Scheuer meinte, manche stellten sich Ostern vor wie die Aufklärung eines Unglücks. Wenn eine Katastrophe passiere, werde restlose Aufklärung gefordert oder versprochen. Doch sei dies letztlich nicht die Antwort, denn die Aufklärung tröste nicht und mache nicht gut, dass ein lieber Mensch verloren worden sei. Auferstehung sei „Leiblichkeit, die Berührung, die reale Verwandlung und Veränderung“. Das dürfe nicht wegrationalisiert werden, „nach dem Motto: die Sache geht weiter“. Jesu Auferstehung sei der Weg zum Leben, und sie werde erschlossen durch kleine Begegnungen und die kleine Freude im Alltag. Jesus gebe „Mut, nach der Vergeblichkeit der Nacht neu zu beginnen“.

Als „gewaltige Injektion der Hoffnung“ bezeichnete der Feldkircher Bischof Benno Elbs das Osterfest: „Alle Hoffnungen, die schon begraben waren, flammen wieder auf, werden zur Erfahrung einer großen Gewissheit.“ Diese österliche Kraft der Hoffnung ziehe sich seither „durch die Geschichte unserer Welt und durch die persönliche Lebensgeschichte von Menschen“. Der „persönliche geistliche Wettersturz“ mit dem Ende aller Wünsche und Pläne, den das Geschehen am Karfreitag mit dem Tod Jesu beschreibt, werde zu Ostern in ein neues Aufblühen überführt. „Das Leben vieler Menschen ist auch heute ein Weg wie durch Dornengestrüpp. Und groß ist die Hoffnung, dass etwas aufblüht, dass sich in allem ein Sinn enthüllt und erfüllt: Das ist Ostern.“