„Der Handlungsspielraum ist begrenzt“

Bischof Norbert Trelle, Vorsitzender des Bistümer-Verbandes, plädiert für weiteren Sparkurs

Hildesheims Bischof Norbert Trelle steht seit einem Monat an der Spitze des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD). Der Vorsitzende des Verbandsausschusses und des Verwaltungsrates des VDD verteidigt den Sparkurs der deutschen Diözesen. Sie müssten langfristig mit bis zu 30 Prozent weniger Einnahmen aus der Kirchensteuer rechnen, sagte Trelle in Hildesheim im Interview mit Sabine Kleyboldt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er äußerte sich auch skeptisch zur Gründung eines katholischen TV-Senders.

Herr Bischof Trelle, Sie stehen als Vorsitzender des Verbandsausschusses und des Verwaltungsrats dem Verband der Diözesen Deutschlands, kurz VDD, vor. Was verbirgt sich hinter diesem Amt?

Der VDD ist die Institution, die überdiözesane Aufgaben der Bistümer in arbeitsrechtlicher, finanzieller und personeller Hinsicht berät und entscheidet. Insbesondere bereitet der VDD entscheidungsfähige Vorlagen für die Vollversammlungen der Bischofskonferenz vor.

Derzeit sprudeln ja die Steuereinnahmen, was sich auch positiv auf die Kirchensteuern auswirkt. Könnte da die Kirche nicht mehr investieren?

Der VDD hat in den letzten Jahren aus gutem Grund drei Haushalts-Sparrunden von je fünf Prozent gefahren. Da wir wissen, dass wir auf lange Sicht nicht mit den jetzigen Steuereinnahmen rechnen können, ist es angemessen, schon heute prognostisch zu agieren. Jetzt mehr Geld auszugeben, hielte ich für ganz falsch.

Wie sehen Sie denn die künftigen Steuerperspektiven?

Ich bin kein Fachmann für Steuern. Daher muss ich mich auf Expertengutachten verlassen. Diese sprechen davon, dass wir auf lange Sicht mit einem Rückgang von etwa 20 bis 30 Prozent Steuereinnahmen rechnen müssen. Von daher ist der Handlungsspielraum begrenzt.

In vielen Bistümern wird ja seit längerem ein rigider Sparkurs gefahren. Gibt es nicht noch andere Möglichkeiten, sich auf magerere Zeiten einzustellen?

Wir waren im Grunde genommen in der Kirche in Deutschland über Jahrzehnte hinweg und bis heute finanziell bestens ausgestattet – im Vergleich zu anderen Kirchen weltweit ohnehin – und das gilt bis in die Gegenwart hinein. Rigides Sparen darf nicht bedeuten, all jenes aufzugeben, womit wir den Glauben in die Gesellschaft hinein vermitteln können. Katholische Schulen etwa oder Bildungshäuser kosten Geld, aber es ist wichtig, auch in dieser Form der Verkündigung präsent zu bleiben. Wir müssen sicher im Sinne überdiözesaner Zusammenarbeit manche Strukturen straffen und Einrichtungen zusammenführen.

Ein Vorschlag zur Konzentration lautet, Verwaltungsaufgaben der Bistümer zugunsten überdiözesaner Strukturen an den VDD zu verlagern. Was halten Sie davon?

Es gibt – wie schon gesagt – vernünftige Gründe, vermehrt Aufgaben bistumsübergreifend zu behandeln. Das tut der VDD ja auch, aber nicht so, dass damit die Eigenverantwortlichkeit des Ortsbischofs außer Kraft gesetzt wird. Nicht jedes Bistum hält beispielsweise eine eigene Gerichtsbarkeit für arbeitsrechtliche Klärungen vor. Und Tarifvereinbarungen werden schon seit langem in überregionalen Kommissionen ausgehandelt. Solche bistumsübergreifende Kooperation gehörte immer schon zum Selbstverständnis des VDD, und sie wird weiter gefördert, wo immer es möglich ist. Aber um es nochmals zu sagen: Der VDD versteht sich keineswegs als eine Art Überdiözese.

Viele Katholiken zahlen heute keine Kirchensteuer, weil sie etwa Hartz-IV-Empfänger oder Rentner sind. Sollte man angesichts der demografischen Entwicklung neue Formen der Kirchensteuer finden?

Viele Kirchengemeinden in Deutschland erheben zum Beispiel neben der „normalen“ Kirchensteuer ein besonderes Orts-Kirchgeld. An dieser freiwilligen Abgabe kann sich jeder beteiligen – muss es aber nicht. Sie ermöglicht es manchen Pfarrgemeinden, wichtige Zusatzaufgaben zu finanzieren. Auch die regelmäßigen Kollekten in den Gottesdiensten dienen diesem Zweck. Außerdem spenden Katholiken wie Protestanten in Deutschland nach wie vor in erstaunlichem Maße für kirchliche Hilfswerke. Von der Idee, zusätzliche Geldeinnahmen durch weitere beziehungsweise neue Formen von Kirchensteuer zu generieren, würde ich dringend abraten. Viele Menschen sagen ja schon heute, sie hörten von ihrer Kirche nur dann etwas, wenn sie Geld von ihnen will.

Ein stark diskutiertes Projekt des VDD beziehungsweise der Deutschen Bischofskonferenz ist die Gründung eines katholischen Fernsehsenders. Wie stehen Sie zu solchen Plänen?

Ich bin für moderne Medien und neue Kommunikationsmöglichkeiten durchaus aufgeschlossen. Dennoch bleibt bei mir eine gewisse Skepsis und Zurückhaltung. Was die Möglichkeiten eines katholischen Fernsehsenders in Deutschland betrifft, verlasse ich mich auf die Projektstudien, die in der Publizistischen Kommission erstellt wurden und werden. In der Beratung dieser Vorlagen sind wir in der Vollversammlung und im Ständigen Rat noch nicht zu einer Beschlussfassung gekommen. Neben der Frage nach der Programmstruktur besteht auch Dissens hinsichtlich der zu erwartenden Kosten.

Halten Sie einen solchen Sender in Deutschland für notwendig?

Der katholische Fernsehsender in Frankreich zum Beispiel hat eine wirklich gute Reputation, allerdings gibt es dort auch nicht die vergleichsweise günstige Situation wie in Deutschland, wo wir bei den öffentlich-rechtlichen Sendern als Kirchen über Rechtsvereinbarungen gut vertreten sind. Und die Öffentlich-Rechtlichen wollen es sich ja auch gar nicht nehmen lassen, im Raum der Kirchen präsent zu bleiben. Natürlich wäre es für uns schon ein entscheidender Vorteil, über einen sogenannten Spartenkanal als kirchlicher Sender den ganzen Tag über abrufbar zu sein. Also der katholische TV-Sender bringt uns sicher noch genügend Diskussionsstoff. Ich selbst wäge noch ab.