„Der Glaube weckt unseren Einsatz“

Besuch der Bevölkerung von Banado Norte von Asunción – 12. Juli 2015

Ein Fest unterbricht den grauen Alltag: Schüler des Viertels Banado Norte warten auf Papst Franziskus. Foto: dpa
Ein Fest unterbricht den grauen Alltag: Schüler des Viertels Banado Norte warten auf Papst Franziskus. Foto: dpa

Liebe Freunde,

mit großer Freude mache ich euch an diesem Morgen einen Besuch. Ich konnte mich nicht in Paraguay aufhalten, ohne zu euch zu kommen, ohne auf eurer Erde zu verweilen.

Wir haben uns hier in dieser Pfarrei getroffen, die der Heiligen Familie geweiht ist. Ich muss euch gestehen, dass, als ich zu Fuß herkam, mich alles an die Heilige Familie erinnerte. Eure Gesichter zu sehen, eure Kinder, eure Großeltern. Eure Geschichten zu hören und alles, was ihr geleistet habt, um hier zu bleiben, all die Kämpfe, die ihr geführt habt, um ein würdiges Leben, um ein Dach zu haben. Alles, was ihr tut, um den Unbilden des Wetters, den Überschwemmungen dieser letzten Wochen zu trotzen, alles verweist auf das Gedächtnis der kleinen Familie von Betlehem. Ein Kampf, der euch nicht das Lächeln, die Freude, die Hoffnung geraubt hat. Ein sich Dranmachen, das die Solidarität nicht genommen, sondern im Gegenteil, sie stimuliert hat, sie hat wachsen lassen.

Ich möchte mich etwas mit Josef und Maria in Betlehem befassen. Sie mussten ihre Heimat verlassen, ihre Lieben und ihre Freunde. Sie mussten ihre Sachen zurücklassen und in ein anderes Land gehen. Ein Land, wo sie keinen kannten, kein Heim hatten, keine Familie. In jenem Moment bekam das junge Paar ihr Kind Jesus. In jener Situation hat das junge Paar uns Jesus zum Geschenk gemacht. Sie waren allein, in einem fremden Land, sie drei. Unvermittelt fanden sich Hirten ein. Menschen wie sie, die ihre eigene Umgebung verlassen mussten mit dem Ziel, bessere familiäre Möglichkeiten zu erlangen. Ihr Leben war an die Unbilden des Wetters und „anderer Art“ gebunden.

Als sie von der Geburt Jesu erfuhren, näherten sie sich, machten sie sich zu den Nächsten, den Nachbarn. Sie wurden gleich zur Familie Marias und Josefs. Zur Familie Jesu.

Das passiert, wenn Jesus in unser Leben tritt. Das ist es, was den Glauben weckt. Der Glaube macht uns zu Nächsten, er lässt uns dem Leben der Anderen am nächsten sein. Der Glaube weckt unseren Einsatz, unsere Solidarität. Die Geburt Jesu macht unser Leben wach. Ein Glauben, der nicht zur Solidarität wird, ist ein toter Glaube. Es ist ein Glaube ohne Christus, ein Glaube ohne Gott, ein Glaube ohne Geschwister. Der erste, der solidarisch war, ist der Herr gewesen, der sich entschied, unter uns, in unserer Mitte zu leben. Ich komme wie jene Hirten. Ich möchte Nächster werden. Ich möchte euren Glauben segnen, eure Hände segnen, eure Gemeinschaft segnen. Ich bin gekommen, um mit euch Dank zu sagen, weil der Glaube zur Hoffnung geworden und die Hoffnung die Liebe angeregt hat. Der Glaube, den Jesus weckt, ist ein Glaube, der die Fähigkeit hat, die Zukunft zu träumen und für sie in der Gegenwart zu kämpfen. Gerade deshalb möchte ich euch ermutigen, weiter Missionare zu sein, weiter diesen Glauben auf diesen Straßen und diesen Pfaden zu verbreiten. Indem ihr euch besonders zum Nächsten der Jüngsten und der älteren Menschen macht, zur Stütze der jungen Familien sowie jener, die schwierige Momente durchmachen.

Ich möchte unsere Familien der Heiligen Familie anempfehlen, auf dass ihr Modell, ihr Zeugnis weiterhin Licht auf dem Weg ist, Ansporn in schwierigen Momenten. Die Heilige Familie möge uns immer jene „Hirten“ schenken, die fähig sind, das Leben unserer Familien zu begleiten, zu stützen und zu stimulieren.

Ich lade euch ein, ein gemeinsames Gebet an sie zu richten, und ich bitte euch, nicht zu vergessen, für mich zu beten.