„Der Glaube an Jesus Christus ist persönlich“

Impressionen von diözesanen Weltjugendtagen aus den Bistümern. Von Sebastian Pilz

Jugendliche mit Palmzweigen auf dem diözesanen Weltjugendtag in Fulda. Foto: Pilz
Jugendliche mit Palmzweigen auf dem diözesanen Weltjugendtag in Fulda. Foto: Pilz

Ein neues Jugendkreuz, ähnlich dem großen Weltjugendtagskreuz, soll zukünftig durch das Bistum Fulda reisen und den jungen Menschen die erlösende Botschaft des Glaubens an Jesus Christus nahebringen. Inmitten von 300 Jugendlichen aus verschiedenen Regionen segnete Bischof Heinz Josef Algermissen das drei Meter große, schlichte Holzkreuz und übergab es der ersten Jugendgruppe aus Kassel. So stand der gesamte diözesane Weltjugendtag am Palmsonntag unter dem Motto „Im Kreuz ist Leben“.

Die Themen der diözesanen Weltjugendtage unterschieden sich von Bistum zu Bistum. In Limburg, wo etwa 500 junge Menschen teilnahmen, folgte der Tag dem Leitwort „Gestalte deine Stadt!“ Man hatte sich verschiedene Workshops und kreative Mitmachaktionen ausgedacht, bei denen es darum ging, Ideen für das Leben im konkreten Lebensumfeld von Stadt und Dorf, aber auch im Glauben zu sammeln und darüber ins Gespräch zu kommen. Freiburg widmete sich mit rund 800 Jugendlichen dem Thema „Freiheit“, während Paderborn den Schwerpunkt auf die Armut legte.

In Fulda hatte das Team des Bischöflichen Jugendamtes den Jugendseelsorger Pater Karl Wallner OCist aus dem Zisterzienserstift Heiligenkreuz eingeladen. In seiner Katechese, die die Jugendlichen immer wieder durch ein kräftiges „Hosanna – Praise the Lord“ bestätigen mussten, erschloss er ihnen die vielschichtige Bedeutung des Kreuzestodes Christi aus der Heiligen Schrift. Zunächst sei entscheidend, dass es im christlichen Glauben immer um etwas Konkretes gehe, „wie der Boden unter euren Füßen.“ Zudem sei das Christentum nicht nur eine Lehre, sondern der Glaube an eine Person. Anders als bei anderen Weltreligionen gelte: „Nehmt Christus weg und es bleibt nichts“, so Pater Karl Wallner. „Um Christ zu sein, braucht es eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Nur das führt die Kirche in die Zukunft“, betonte er. Das grausame Kreuzesgeschehen stelle jeden Christen vor eine Herausforderung, aber: „Jesus hätte nicht einfach im Bett sterben können, weil er das Leid und die Sünde aller Menschen ein für alle Mal erlösen wollte.“ Deshalb sei auch Ostern das Fest aller Feste. Er zitierte aus dem Galaterbrief (Gal 2,20), wo steht, dass Jesus „mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“. Pater Karl: „Paulus verlässt das ,Wir‘ und spricht vom Du. Er wird ganz intim, nahezu romantisch, um zu zeigen: Jesus ist dein Erlöser.“

Ausgehend vom Alten Testament stellt der Zisterzienser dar, wie Jesus als das Opferlamm des Neuen Bundes zu verstehen sei. „Dazu müssen wir über die Sünde nachdenken, die man heute nur noch in Verbindung mit Essen kennt“, stellte Wallner fest. Viel tiefer sei aber das Verständnis im Alten Bund, das die Sünde als Abbruch der Bundesbeziehung zu Gott verstehe und das auch mit dem Wort „Tod“ ausdrücke. „Wir kennen das heute noch, wenn wir uns mit jemandem heftig streiten und dann sagen ,Du bist für mich gestorben‘“, so Wallner.

Jesus übernehme nun am Kreuz die Position des stellvertretenden Sühneopfers, das bei den Juden ein Opferlamm ohne eigene Waffen sein musste. „Mit seinem Tod reißt deshalb auch der Vorhang des Tempels entzwei, wo sonst das Blut der Lämmer als Sühne für die Sünden verspritzt wurde. Mit Christus haben wir die Versöhnung mit Gott. Es braucht keinen Tempelkult mehr.“ Durch sein erlösendes Kreuzesleiden sei die Beziehung zum Vater wieder aufgerichtet. „Deshalb ist das Kreuz das Zeichen größter Liebe, weil wir es nicht selber richten müssen. Jesus hat dich gerechtfertigt. Drum lass ihn auch ganz real in dein Leben kommen, damit du wie er lieben kannst“, schloss Wallner seine Katechese.

Bischof Heinz Josef Algermissen erinnerte in seiner Ansprache vor der Palmweihe die Jugendlichen daran, wie schnell die Hosanna-Rufe des Volkes in ein „Ans Kreuz mit ihm“ umgeschlagen seien. Er stellte die Jugendlichen vor die Wahl: „Gehören wir zu denen, die Angst haben, wenn es ernst wird, oder die treu bleiben und unters Kreuz folgen und so mit dem Blick auf den Ostermorgen beschenkt werden?“ In diesem Zusammenhang lobte der Bischof die Weltjugendtage als wichtige, notwendige und erfreuliche Bewegung für die Kirche. „In nunmehr 29 Jahren sind sie zu einer geistlichen Bewegung geworden, die in der Tiefe Früchte trägt“, sagte der Bischof gegenüber dieser Zeitung. Er lobte die gute Atmosphäre des Tages und die gelungene Verbindung von der Palmsonntagsliturgie am Morgen über das Bühnenprogramm am Nachmittag bis hin zum Gebetsabend mit anschließendem Theaterstück in der Aula des Marianums, einer katholischen Schule in Fulda. Er dankte Papst Johannes Paul II. für die Begründung der Weltjugendtage: „So etwas kann nur aus einem heiligen Herzen kommen und heilig wird er ja auch bald gesprochen“, so Algermissen.

Begeistert vom Tag äußerte sich auch Veronica Demar aus Gelnhausen. „Ich nehme eine Stärkung meines Glaubens und viele tolle Eindrücke mit“, so die 20-jährige Teilnehmerin. Ihr Highlight des Tages war die Feier der Palmsonntagsliturgie, die musikalisch vom Jugendkathedralchor unter der Leitung von Franz-Peter Huber mitgestaltet wurde.

Als Höhepunkt in Limburg galt die Vigil mit Weihbischof Thomas Löhr und Diözesanjugendpfarrer Joachim Braun im bunt ausgeleuchteten Dom. „Die Bibel ist kein Fantasieroman, sondern eine Verheißung“, erklärte Weihbischof Löhr. Gott halte für den Menschen eine Stadt bereit und träume von einem Zusammenleben in Frieden und Gerechtigkeit. Jeder Mensch habe von Gott den Auftrag bekommen, diese Stadt Gottes mitzugestalten. „Diese Stadt Gottes gehört uns nicht allein. Sie ist ein Geschenk an uns und ist für uns alle da“, sagte Löhr. Er warnte davor, sich von den grellen Lichtern der Stadt allzu schnell blenden zu lassen. In jeder Stadt gebe es neben Licht auch Dunkelheit. „Wir dürfen die Armen und Schwachen im Dunkel unserer Städte nicht vergessen. Wir müssen ihnen ins Auge schauen und ihnen das Licht zeigen“, so Löhr.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Tag“, sagte auch der Paderborner Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder. „Der Erzbischof hat den jungen Menschen gute Botschaften und Vorschläge mit auf den Weg gegeben, wie sie der materiellen und geistigen Armut begegnen können.“ Der diözesane Weltjugendtag endete mit einem deutsch-brasilianischen Begegnungsfest im Konrad-Martin-Haus.

Das Jugendkreuz des Bistums Fulda wird bis zum Fronleichnamsfest in verschiedenen Kassler Gemeinden bleiben, bevor es dann in eine andere Region des Bistums weiterzieht.