Vatikanstadt

Der Amazonas als neue Offenbarung

Wie ein internationales Netzwerk dabei ist, die kommende Bischofssynode „vorzuspuren“.

Wie die Amazonas-Synode die Kirche verändern soll
Bisher hat es noch keine römische Bischofssynode gegeben, in deren Vorfeld ein internationales Netzwerk gegründet wurde, um das Bischofstreffen vorzubereiten und dessen Ergebnisse „vorzuspuren“ Foto: Ralf Hirschberger (dpa-Zentralbild)

Bischöfe, die im Oktober aus den Amazonas-Anrainerstaaten zur Synode anreisen und sich weder die theologische Grundlage des „Instrumentum laboris“ noch die angepeilten Ziele der Bischofsversammlung – von den Diakoninnen bis hin zur Weihe von „viri probati“ – aneignen können, werden die Erfahrung machen, wie gut die „andere Seite“ organisiert ist und sich schon seit Jahren auf diese drei Wochen im Vatikan vorbereitet.

Bisher hat es noch keine römische Bischofssynode gegeben, in deren Vorfeld ein internationales Netzwerk gegründet wurde, um das Bischofstreffen vorzubereiten und dessen Ergebnisse „vorzuspuren“. Im Fall der Versammlung zum Amazonas ist das das „Red Eclesial PanAmazónica” (REPAM), ein „kirchliches panamazonisches Netz“, das von den deutschen Hilfswerken Adveniat und Misereor unterstützt wird.

„Nachher nichts mehr so wie vorher“

Paradigmenwechsel, Zäsur und: Nachher wird nichts mehr so sein wie vorher. Die Schlagworte, die im Umfeld des REPAM zu hören sind, werfen die Frage auf, was die katholische Kirche seit dem Zweiten Vatikanum, was die Päpste nach dem Konzil bis zu Benedikt XVI. und was die in Einheit mit Rom stehenden Bischöfe der Weltkirche denn falsch gemacht haben.

Denn nun, unter Papst Franziskus, wollen die Protagonisten einer völlig neu zu errichtenden Kirche nicht mehr die Offenbarung Gottes, die apostolische Tradition und die Grundlegungen des katholischen Glaubens durch die Kirchenväter und die frühen Konzilien zur Grundlage einer Reform der „Catholica“ machen, sondern einen bestimmten Sachverhalt der Zeitgeschichte: die Ureinwohner und die bedrohte Natur des Amazonasbeckens. Ihnen zuzuhören und auf den mit der „Lunge der Welt“ betriebenen Raubbau zu schauen, soll die Kirche in ein neues Zeitalter führen.

Der Indio als neues Paradigma

Hört man da nicht den Weltgeist trapsen? Für Hegel war die gesamte historische Wirklichkeit ein Prozess des Weltgeistes, der dem Lauf der Geschichte hin und wieder einen Qualitätssprung verpasst. Der Philosoph des deutschen Idealismus erkannte diesen Geist zu seinen Lebzeiten in Napoleon, die „Weltseele zu Pferde“. Laut Hegel bestimmen Prozesse, in denen sich die „Vernunft in der Geschichte“ manifestiert, den Endzweck in der Weltgeschichte. Unter Papst Franziskus, der es liebt, Prozesse in Gang zu setzen, scheint das Wabern des Zeitgeistes eine neue Inkarnation gefunden zu haben: Natürlich ist das nicht mehr die Offenbarung durch den Fleisch gewordenen Gott, auch nicht mehr Napoleon, sondern das Gesamt der naturbelassenen Stämme von Eingeborenen am Amazonas.

„Weltgeist mit Lendenschurz“

In diesem „Weltgeist mit Lendenschurz“ nun den Knackpunkt zu erkennen, in dem sich die „Vernunft in der Geschichte“ erneut zu erkennen gibt und die Kirche revolutioniert – das sakramentale Weiheamt natürlich eingeschlossen –, erinnert schon sehr an den Idealismus eines Hegels, der in der deutschsprachigen Theologie deutliche Spuren hinterlassen und von dort aus auch in die katholischen Seminare und Fakultäten Lateinamerikas, Afrikas und Asiens hineingewirkt hat. Am deutschen Wesen, meinen wohl Autoren des „Instrumentum laboris“, solle die Kirche nun genesen.

DT/gho

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