Dem synodalen Prozess Dreh geben

Wie der Studientag zu Sexualität und Ehe an der römischen Gregioriana-Universität dann doch auf mediales Interesse stieß. Von Guido Horst

Auf dem Freiburger Moraltheologen Eberhard Schockenhoff ruhen die Hoffnungen derer, die mit einer noch näher zu definierenden „Theologie der Liebe“ bei der Synode im Herbst punkten wollen. Foto: KNA
Auf dem Freiburger Moraltheologen Eberhard Schockenhoff ruhen die Hoffnungen derer, die mit einer noch näher zu definier... Foto: KNA

Rom (DT) Es sollte ein vertrauliches Treffen hinter verschlossenen Türen sein, jener Studientag am Pfingstmontag, zu dem die drei Vorsitzenden der deutschen, der französischen und der schweizerischen Bischofskonferenz in die von Jesuiten geführte Gregoriana-Universität in Rom eingeladen hatten (siehe DT vom 28. Mai). Aber dann schrieb Marco Ansaldo, Korrespondent der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“, einer der wenigen Journalisten, die man zu dem Kreis von ungefähr fünfzig Personen hinzugeladen hatte, in seinem Blatt einen doch etwas launigen und süffisanten Bericht über die Tagung, so dass Online-Dienste, Blogs und andere Internet-Medien etwas genauer hinschauten. Der englischsprachige Journalist Edward Pentin stellte zunächst auf seiner Seite im Online-Dienst „National Catholic Register“ die Teilnehmerliste zur Verfügung. Und so konnte man erfahren, dass von den „hochrangigen Kurienvertretern“, die dem Vernehmen nach an dem Studientag teilgenommen haben sollen, gerade einmal zwei anwesend waren: Der Kirchenrechtler Markus Graulich, Untersekretär beim Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte, und Jesuitenpater Bernd Hagenkord, Leiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan, der den Tag mit einer französischen Kollegin zu moderieren hatte.

Eine mit Blick auf die kommende Familiensynode noch zu suchende und zu entwickelnde „Theologie der Liebe“ war einer der drei Themenschwerpunkte der Vorträge und Aussprachen, zu denen der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff und der in Bochum lehrende Bibelwissenschaftler Thomas Söding Referate beisteuerten. Jene „Theologie der Liebe“, die offensichtlich der von manchen verpönten „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. entgegenhalten werden soll, könnte vielleicht, so hieß es im Vorfeld der Tagung, Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung der kirchlichen Ehelehre liefern. Der Journalist Ansaldo von „Repubblica“ wählte in seinem Artikel Formulierungen, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Ohne die Namen der Referenten zu nennen, sei es bei den Vorträgen um den „sexuellen Reiz“ gegangen, der zu einer dauerhaften Beziehung gehöre, um den Koitus als „co-ire“, als Zusammenkommen, man habe Freud und Fromm zitiert und sich auch ansonsten in der Diskussion sehr freizügig gegeben, auch in Fragen, die den Umgang der Kirche mit homosexuellen Partnerschaften angehe. Das Interesse der Medien an dem Studientag war also geweckt – und auch manche bissige Frage konnte sich mancher nicht verkneifen. So etwa, ob die drei anwesenden Vorsitzenden der einladenden Bischofskonferenzen, Kardinal Reinhard Marx für die deutsche, der schweizerische Bischof Markus Büchel und Erzbischof Georges Pontier von Marseille, denn nun im Auftrag ihrer Bischofskonferenz das Treffen anberaumt hatten und ob die anderen Bischöfe ihrer Länder von dem Studientag wussten. In Deutschland wussten das sicherlich die, die eigens angereist waren: Franz-Josef Bode aus Osnabrück und Heiner Koch aus Dresden, zwei Teilnehmer der kommenden Synode. Aber auch Nicht-Bischöfe saßen in der Runde. So Pater Hans Langendörfer SJ vom Sekretariat der Bischofskonferenz und sein Ordensbruder Andreas Batlogg, der die Teilnehmerliste als Direktor der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ zierte.

Es war nicht nur so, dass Reinhard Marx, der als einziger Kardinal in dem Kreis das zusammenfassende Schlusswort sprach und auch sonst die gewichtigste Persönlichkeit an diesem Studientag war, dem Treffen eine deutsche Färbung gab. Italienische Kommentatoren fragten sich auch, warum gleich vier deutsche Journalisten zu den Teilnehmern gehörten, die „Vatikanisten“ Italiens aber nur durch den Korrespondenten von „La Repubblica“ vertreten waren, einer Zeitung, die weder kirchenfreundlich noch theologisch fundiert sei.

Der bibelwissenschaftliche Schwerpunkt des Studientags behandelte die Worte Jesu zur Unauflöslichkeit der Ehe. In der Aussprache soll es um die Begleitung von Menschen gegangen sein, deren Ehe nicht hält und die eine zweite Beziehung eingehen. Passend dazu der dritte Schwerpunkt: Überlegungen zu einer „Theologie der Biographie“. Man wollte wohl auch darüber sprechen, was mit Menschen sei, die Lebensbrüche und schwere Schicksale hinter sich gebracht haben. Nicht alle anwesenden Theologen hielten Kurzreferate. Ein nicht referierender Teilnehmer war Achim Buckenmeier, Professor an der römischen „Akademie für die Theologie des Volkes Gottes“. Ebenfalls nicht referierend saß der Regenburger Dogmatiker Erwin Dirscherl in der Runde. Der Psychologe Hans Zollner SJ hatte die Teilnehmer als Vizerektor der Gregoriana begrüßt.

Der ganze Studientag war offensichtlich darauf angelegt, den kontroversen Fragen bei der vergangenen Familiensynode doch noch einen Dreh zu geben, der in die Richtung von Kardinal Walter Kasper und denen weist, die eine deutlichere Wertschätzung homosexueller Beziehungen und eine Weiterentwicklung der katholischen Sexualmoral wünschen. Ob die anwesenden Journalisten, die gehalten waren, das Gehörte als vertrauliches Hintergrundgespräch zu betrachten, dieses Anliegen nun über ihre Blätter unter die Leute zu bringen? Marco Ansaldo von „La Repubblica“ hat das getan – auf seine Weise. Andere Berichte bleiben abzuwarten.