Debatte um Amoris laetitia geht weiter

Kardinal Zen verteidigt „dubia“ der vier Kardinäle – Müller betont traditionelle Lehre zur Beichte

Washington (DT/KAP/KNA) Der chinesische Kardinal Joseph Zen Ze-kiun hat die umstrittene „dubia“-Anfrage mehrerer Kardinäle zum Papstschreiben Amoris laetitia verteidigt. Es handle sich um eine „respektvolle Anfrage“, sagte der ehemalige Bischof von Hongkong dem katholischen weltweiten Fernsehsender EWTN. „Ich glaube, sie haben das Recht auf eine Antwort.“

Vor einigen Monaten hatten vier Kardinäle den Papst schriftlich zur Klärung mehrerer „Zweifel“ („dubia“) rund um „Amoris laetitia“ aufgefordert. Unter anderem geht es dabei um die Frage, ob in Einzelfällen wiederverheiratete Geschiedene unter bestimmten Voraussetzungen wieder zur Kommunion gehen dürfen. Zu den Unterzeichnern gehören auch der frühere Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner und der deutsche Kardinal Walter Brandmüller. Weitere sind der US-amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke sowie der frühere Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra.

Die von etlichen Experten kritisierte Veröffentlichung des Briefes begründeten die Kardinäle damit, dass Franziskus entschieden habe, ihnen auf ihre Fragen nicht zu antworten. Zudem wollten sie die weitere Debatte über das Thema fördern. In die Diskussion um die Lehre der Kirche hatte sich zuletzt der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller eingeschaltet. In der Rheinischen Post (Onlineausgabe vom 15.2.) beklagte der Kardinal, dass es in der Kultur des Relativismus und der Skepsis um die Wahrheitsfrage schlecht bestellt sei. „Da könnte man auch gleich fragen, wie es um die Unfehlbarkeit der Kirche insgesamt und des Papstes insbesondere bestellt ist“, so Müller wörtlich. Doch könne man das nur in einem Zusammenhang sehen und verstehen. „Gott hat sich uns Menschen in Jesus Christus offenbart und die Kirche als Instanz dieser Bezeugung mit der Unfehlbarkeit bei der Auslegung des geoffenbarten Glaubens ausgestattet. Das meint jetzt keine menschliche Unfehlbarkeit in intellektuellen und moralischen Themen, sondern beschreibt ein besonderes Charisma, um die Offenbarung wahrheitsgemäß und unverkürzt vermitteln zu können. Denn es ist wichtig, dass wir Relativismus und Nihilismus überwinden“ unterstrich der Kardinal und verwies auf die Fähigkeit des menschlichen Geistes, sich auf die Wahrheit auszurichten. Die Menschen sollten nicht „so skeptisch sein gegenüber den Möglichkeiten, die Gott in Bezug auf unser Hören und Verstehens seines Wortes an uns besitzt.“

Angesprochen auf das gemeinsame Wort der deutschen Bischöfe zur Auslegung von Amoris laetitia, in dem die Hirten die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten als individuelle Gewissensentscheidung beschreiben, lehnte der Kardinal es ab, die Handreichung der Bischöfe öffentlich zu kritisieren. Müller unterstrich jedoch, er halte es „nicht für besonders förderlich, wenn jeder einzelne Bischof Kommentare zu päpstlichen Schreiben herausgibt, um zu erklären, wie er subjektiv das Schreiben versteht.“ Es könne nicht darum gehen, dass die vom Papst formulierte allgemein verbindliche Lehre der Kirche regional unterschiedlich und sogar gegensätzlich ausgelegt wird. „Die Basis der Kirche steht auf der Einheit des Glaubens“, stellte der Präfekt der Glaubenskongregation klar. Die Kirche erfahre keine neue Offenbarung mehr. Niemand könne die Sakramente als Gnadenmittel nach eigenem Gutdünken verändern, „etwa so, dass im Bußsakrament die Absolution ohne die Reue, mit dem Vorsatz nicht mehr sündigen zu wollen, erteilt werden kann.“