Debatte um Abkommen des Vatikans mit Frankreich

Paris (DT/KNA) Die französische Menschenrechtsliga hat eine Verfügung gegen die Anerkennung von Schul- und Hochschuldiplomen des Vatikan durch Frankreich beantragt. Der Staatsrat solle das Abkommen für ungültig erklären, verlangten die Menschenrechtsliga und die „Liga für Bildung“ laut einer in Paris veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Auch die Erziehungsgewerkschaft UNSA kündigte am gleichen Tag juristische Schritte vor dem Staatsrat an. Mit dem Abkommen werde das staatliche Monopol auf Bildungsabschlüsse durchbrochen und die gesetzlich verankerte Trennung von Kirche und Staat infrage gestellt, so die Menschenrechtsliga. Die UNSA warnte, das Abkommen stelle katholische Schulen und Hochschulen in Frankreich mit Bildungseinrichtungen im Ausland gleich. Ende Dezember hatten Frankreich und der Vatikan ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Studienabschlüssen und Diplomen vereinbart. Darin erkennt der Heilige Stuhl im Rahmen des Bologna-Prozesses für ein einheitliches europäisches Hochschulwesen die von den staatlichen Behörden Frankreichs bestätigten akademischen Abschlüsse an. Frankreich wiederum bestätigt die Diplome der katholischen Universitäten, kirchlichen Fakultäten und entsprechenden höheren Lehranstalten. Das Abkommen wurde im April in Frankreich in Kraft gesetzt. Kritiker befürchten, der Vatikan könne Abschlüsse katholischer Bildungseinrichtungen für gültig erklären und damit die bisher nötige Bestätigung durch staatliche Stellen umgehen. Vor der Menschenrechtsorganisation und der Gewerkschaft hatten Mitte Mai bereits die sozialistischen und grünen Senatsmitglieder den Staatsrat in dem Fall angerufen. Darüber ist noch nicht entschieden. Medienberichten zufolge erhielt eine Petition gegen das Abkommen Frankreichs mit dem Vatikan gut 12 500 Unterschriften. Gegen die Vereinbarung hatten in einem offenen Brief an Staatspräsident Nicolas Sarkozy auch die Rektoren der französischen Universitäten protestiert.