Debatte über Wahlfreiheit

Anglikaner: Diözesanstrukturen nach ideologischen Grenzen?

London (DT/KNA) In der Debatte über die Zulassung von Bischöfinnen in der anglikanischen Kirche von England haben mehrere Kirchenführer eine Umstrukturierung der Diözesen nach ideologischen Grenzen vorgeschlagen. Demnach sollen Gemeinden, die keine Frau im Bischofsamt akzeptieren, ihre Diözese verlassen dürfen, um sich einer von einem Mann geleiteten Diözese zu unterstellen, berichtete die Londoner Tageszeitung „The Times“ (29. April). Mit dem Vorschlag soll eine Spaltung zwischen Konservativen und Liberalen in der anglikanischen Kirche verhindert werden. Kritiker fürchten laut dem Bericht jedoch, dass die Wahloption für konservative Gemeinden große Löcher in die existierende geografische Diözesanstruktur reißen könnte. Bei den zerstrittenen nordamerikanischen Anglikanern gibt es bereits mehrere sogenannte fliegende Bischöfe, die konservative Gemeinden in liberal geführten Diözesen betreuen.

Die Kontroverse über die Zulassung von Bischöfinnen liefert weiteren Zündstoff für die anglikanische Lambeth-Konferenz im Juli in London. Dort wird unter anderem auch die Weihe bekennender Homosexueller diskutiert werden. Die Konferenz ist das wichtigste Beschlussgremium der anglikanischen Weltgemeinschaft. Es tagt nur alle zehn Jahre. Mehr als 800 Bischöfe aus aller Welt werden erwartet. Die gemäßigten Kräfte um Primas Williams werden dort versuchen müssen, einen Bruch zwischen Konservativen und Liberalen zu verhindern. Die Generalsynode der Kirche von England hatte schon im Jahr 2005 die rechtlichen Hindernisse für die Bischofsweihe von Frauen abgeschafft. Bisher gibt es aber noch keine amtierenden Bischöfinnen. Obwohl inzwischen fast die Hälfte aller Priesteramtskandidaten in England weiblich sind, ist ihre Weihe noch immer heftig umstritten. Nach der offiziellen Zulassung von Frauen zum Priesteramt im Jahr 1992 verließen 470 männliche Geistliche die anglikanische Kirche. Viele traten zum Katholizismus über. In der anglikanischen Kirche von Wales war vor kurzem der Versuch gescheitert, Frauen zum Bischofsamt zuzulassen.