Debatte über Umgang mit Geschiedenen geht weiter

Priesternetzwerk: Erzbischof Zollitsch soll entschiedener für die Lehre der Kirche eintreten

Hamburg (DT/KNA) Das „Netzwerk katholischer Priester“ fordert den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch auf, entschiedener gegen Priester vorzugehen, die in ihren Gemeinden trotz Verbots wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion austeilen. Es gelte, „Reformforderungen nicht zweideutig zu kommentieren, sondern sich an die eindeutigen Grundsätze der Lehre der Kirche zu halten“, unterstrich Netzwerksprecher Guido Rodheudt im „Spiegel“ (Montag). Zollitsch sehe zu, „wie die Eindeutigkeit der katholischen Botschaft ins Zwielicht“ gerate. Zollitsch war am Donnerstag mit acht Vertretern einer Pfarrerinitiative aus seinem Erzbistum zusammengetroffen, die einen anderen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen fordert. Beide Seiten hatten anschließend erklärt, die Seelsorge für diese Menschen solle weiterentwickelt werden. Es bestehe Einigkeit im Anliegen, in absehbarer Zeit zu konstruktiven Lösungen zu kommen, die in „Einklang mit dem Evangelium und dem Kirchenrecht stehen“.

Dem Vernehmen nach hat auch der Ständige Rat der Bischofskonferenz am Rande seines turnusmäßigen Treffens in Würzburg am Montag über das Thema gesprochen. Zollitsch hatte das erste Gespräch einberufen, nachdem Priester des zweitgrößten deutschen Bistums ihre Forderungen ins Internet gestellt hatten. In dem mittlerweile von etwa 200 Seelsorgern unterzeichneten Memorandum fordern Priester und Diakone, Geschiedene nicht länger von der Kommunion auszuschließen. Zugleich machten sie öffentlich, dass sie in ihren Gemeinden Katholiken zur Kommunion zulassen, die in zweiter Ehe leben. Weil die Ehe nach katholischer Lehre unauflöslich ist, sind Geschiedene nach einer zweiten zivilen Eheschließung vom Empfang der Kommunion und auch von der Beichte ausgeschlossen, da sie laut Kirchenrecht dauerhaft in einem Zustand schwerer Sünde leben. Das „Netzwerk katholischer Priester“ weist die Forderungen des Memorandums zurück. Diese Praxis verstoße nicht nur gegen das geltende kirchliche Recht, sondern verdunkele auch das Eintreten der Kirche für die sakramentale und unauflösliche Ehe.

Dagegen unterstützte der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff die Forderung nach einer Zulassung der Betroffenen zur Kommunion. Auch der Münsteraner Kirchenrechtler Klaus Lüdicke wandte sich gegen den Kommunion-Ausschluss von wiederverheirateten Geschiedenen. „Das Urteil über die Würdigkeit zum Empfang der Kommunion steht niemand anderem zu als dem Empfänger selbst“, schreibt Lüdicke in einem Beitrag für die in Freiburg erscheinende „Herder Korrespondenz“ (Juli). Daher sei der Priester „nicht aus Barmherzigkeit, sondern in Erfüllung des ihm anvertrauten Dienstes“ verpflichtet, den Betreffenden die Kommunion zu spenden, so der Theologe.