Das fränkische Rom feiert seinen Dom

Jubiläumsjahr in Bamberg: Vor tausend Jahren entstand die Bischofskirche. Von Christian Wölfel

Bamberg (DT/KNA) „Für mich ist der Dom ein gewohntes Haus: Er gibt mir Geborgenheit.“ Alois Albrecht betrachtet den hoch herauswachsenden Ostchor – vollendete Romanik. Seit 1950 begleitet die Bamberger Kathedrale den ehemaligen Generalvikar des Erzbistums. Wenn in diesem Jahr die Weihe des ersten Doms in der oberfränkischen Stadt vor tausend Jahren gefeiert wird, blickt Albrecht auf den 50. Jahrestag seiner Priesterweihe zurück – damals im Ostchor der Bischofskirche. Mit ihren vier Türmen ist sie eines der bedeutendsten Wahrzeichen Bambergs. Albrecht kommt ins Schwärmen, wenn er durch den Dom führt, seine Baugeschichte erzählt. 45 Bischöfe waren auf Einladung des Bauherrn und Bistumsgründers Kaiser Heinrich II. zur Weihe am 6. Mai 1012 gekommen. Es folgten stolze Jahre des Gotteshauses, dann aber auch Brände.

Der heutige Dom ist die dritte Kathedrale, geweiht am 6. Mai 1237. Sie ist um ein Viertel länger als der Ursprungsbau. In der Bischofsgrablege sind jedoch noch die Mauern des ersten Doms zu sehen. Vor 30 Jahren sei nur Schutt hier gewesen, erzählt der ehemalige Generalvikar und Domdekan. Heute ruhen dort bereits zwei Erzbischöfe. Jeden Fleck im Dom kennt der 75-Jährige, jeden einzelnen Altar kann er samt Vorgeschichte erläutern. Doch Albrecht lenkt die Aufmerksamkeit auch auf kleine Geheimnisse, die zwischen dem Kaisergrab von Tilman Riemenschneider, dem mysteriösen Bamberger Reiter und dem Marienaltar von Veit Stoß leicht untergehen. Da ist etwa die kleine Luke am Ostchor. „Das ist ein Segensloch“, erklärt Albrecht. Im Inneren des Doms stand davor früher einmal ein Altar, der der heiligen Kunigunde, Gattin von Kaiser Heinrich II., geweiht war. Durch das Loch in der Mauer sollte sich der Segen auf die Stadt ausbreiten.

Von der gegenüberliegenden Residenz aus sei der 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobene Dom von außen am besten zu betrachten, erklärt Albrecht. Aus diesem Blickwinkel lasse sich auch der Wechsel des Baustils von der Spätromanik zur Frühgotik erkennen. Im Inneren ist im 17. Jahrhundert allerdings der Barock eingezogen, zwischen 1828 und 1837 wurde die Ausstattung wieder entfernt und durch eine neuromanische Einrichtung ersetzt. Albrecht steht im Westchor, in dem er heute noch als „Rentner“ bei den Gottesdiensten im Chorgestühl sitzt, wie er sagt. Die barocke Kreuzigungsgruppe von Justus Glesker hat es ihm angetan. „Ein Wahrzeichen, ein Ausrufezeichen“ nennt er sie, und „ein Siegeszeichen“ des christlichen Glaubens.

Und der ehemalige Domdekan weist noch auf den letzten Bogen über dem Westchor hin. Ein wenig versetzt ist er, nicht mehr symmetrisch. Als ein Symbol für das geneigte Haupt Jesu werde diese bauliche Besonderheit gern gedeutet, erzählt Albrecht. Aber es könne auch einfach nur ein banaler Fehler der Bauleute sein. Vom Chorgestühl hat er den Bogen ebenso im Blick wie jene Rosette, der er mal farbiges Glas verpassen wollte. Die Bamberger waren dagegen und auch das liebe Geld fehlte.

An ganz anderen Widerständen soll bereits kurz nach der Domweihe ein Bamberger Bischof gescheitert sein. Am Heiligen Abend 1046 wurde aus Suidger Papst Clemens II. Nur neun Monate und 16 Tage dauerte sein Pontifikat. Vergiftet worden soll er sein, erzählt die Legende. Erwiesen ist es nicht. Clemens II. wollte mit dem korrupten römischen Adel aufräumen. Auch im Tod brach er noch mit einer Tradition: Er ließ sich nicht im italienischen, sondern im fränkischen Rom, in Bamberg, beerdigen. Sein Grab, meist durch den Bischofssitz im Westchor verdeckt, ist das einzige erhaltene eines Papstes nördlich der Alpen. Umso besser ist dagegen der Bamberger Reiter zu sehen, ein stattlicher Mann auf einem ebenso stattlichen Pferd an einer Säule im Ostchor. Noch heute gibt er Historikern und Kunstkennern ein Rätsel auf. Wer ist er? König Stephan von Ungarn, Kaiser Friedrich II. oder einfach ein Idealbild für das hochmittelalterliche Königs- und Rittertum? „Ein schöner Mensch, ein königlicher Mensch, ein würdiger Mensch“, sagt Albrecht.