Das Wunder von Manassas

Wie aus einer amerikanischen Abtreibungsklinik nach jahrelangem Gebet für das Leben ein Armenkrankenhaus wurde. Von Josef Bordat

An activist holds a rosary while ralling against abortion outside City Hall in Los Angeles
Beharrlichkeit wird belohnt: Viele Beter führen in den Vereinigten Staaten einen friedlichen Kampf für Ungeborene. Symbolbild: Reuters Foto: Mario Anzuoni (X90045)

Diese Wende hat etwas von Damaskus. Vor drei Jahren war eine Arztpraxis in Manassas im Bundesstaat Virginia noch eine der größten Abtreibungskliniken in der Gegend; 1 300 vorgeburtliche Kindstötungen wurden hier jährlich vorgenommen. Heute ist sie ein Krankenhaus, das der barmherzigen Jungfrau Maria gewidmet ist und in dem Arme eine kostenlose Behandlung bekommen. Ein medizinisches Zentrum wird vom Saulus zum Paulus.

Unterstützt von der Diözese Arlington (CCDA) bietet die Klinik kostenlose medizinische Versorgung aller Menschen ohne Krankenversicherung, die in Northern Virginia leben. Viele der Patienten sind Migranten, die sich keine Krankenversicherung leisten können. Zuvor war am Standort eine Abtreibungsklinik ansässig, das „Amethyst Health Center for Women“, die 2015 den Betrieb einstellte. Das Gebäude wurde im Jahr 2016 von der „Blessed Virgin Mary“ (BVM)-Stiftung erworben, die es an katholische Wohltätigkeitsorganisationen der Diözese Arlington weitergab. Die meisten der Patienten, die von der Klinik betreut werden, wissen nichts über die frühere Nutzung des Gebäudes.

Die „Mother of Mercy Free Medical Clinic“ wurde am 6. Dezember 2017 eröffnet – auch kein unpassendes Datum, der Festtag des heiligen Nikolaus. Bereits am 19. November war sie von Bischof Michael Burbidge von Arlington gesegnet worden. In seiner Eröffnungsrede nahm sich Art Bennett, Präsident und Geschäftsführer der katholischen Wohltätigkeitsorganisationen der Diözese Arlington, einen Moment Zeit, um an diejenigen zu erinnern, die ihr Leben in der Abtreibungsklinik verloren, sowie für alle, die für die Schließung der Klinik gebetet hatten. „Dort draußen wurden die Veränderung initiiert, dort wuchs die Gnade, die wir hier heute sehen.“

Die Klinik wird von einer Gruppe von Ärzten, Krankenschwestern und Übersetzern geleitet, die alle ehrenamtlich tätig sind. Sie wissen im Gegensatz zu den Patienten genau, was frühen dort geschah, wo sie heute helfen und heilen. Klinikdirektor Scott Ross sieht darin auch eine zusätzliche Motivation für das Engagement und hofft, die Öffnungszeiten mit Hilfe von zusätzlichen Freiwilligen weiter ausdehnen zu können. „Wir beginnen als ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Ross.

Als dort, wo er heute verantwortlich wirkt, noch eine Abtreibungsklinik stand, hat auch Scott Ross regelmäßig außerhalb des Gebäudes gebetet. Insgesamt versammelten sich über fünfzehn Jahre immer wieder Pro Life-Aktivisten vor dem „Amethyst Health Center for Women“ zum Gebet des Rosenkranzes. Oft mit dabei: Bischof Burbidge. „Danke für das, was ihr tut“, ermutigte er noch im April des vergangenen Jahres die Gebetsgemeinschaft vor der Abtreibungsklinik. „Was ihr tut, um die Herzen der Bedürftigen zu verwandeln.“

Dass der intensive geistliche Kampf der Diözese Frucht trägt, dass diese Verwandlung nun so wunderbar geschah, das erfüllt die Beterinnen und Beter mit großer Freude. „Dies war ein sehr dunkler Ort, ein Ort, vor dem wir alle Angst hatten. Wir wurden stets gewarnt, dass die Polizei kommen würde, wenn wir uns ihm zu sehr näherten“, sagte Kelly McGinn, eine Pro Life-Aktivistin dem Arlington Catholic Herald (ACH). „Ich bin einfach nur überwältigt von der Kraft Gottes.“ Die Schließung der Abtreibungsklinik atme „überall den Heiligen Geist“, so McGinn. Katholische Online-Medien wie faithwire oder ACH sprechen von einem „miracle“, einem „Wunder“.

Art Bennett fasst die Wandlung der Abtreibungsklinik zum Armenkrankenhaus in eindrückliche Worte: „Indem wir diesen Dienst anbieten, erkennen wir nicht nur die Würde des Einzelnen an, sondern werden für das Gemeinwohl arbeiten, werden Menschen helfen, Probleme zu überwinden, damit sie ein besseres Leben führen können.“

Ross sagte der Washington Post, dass es „unheimlich“ gewesen sei, vor der Renovierung in das Gebäude zu gehen. Während darin die Armenklinik anläuft, wird der Verkauf des Gebäudes an die BVM-Stiftung von Abtreibungsbefürwortern kritisiert. Man sei sich nicht bewusst gewesen, dass die Stiftung eine katholische Gruppe ist, die die Abtreibungsklinik nicht wieder eröffnen wollte. Sie fühlen sich von „Blessed Virgin Mary“ getäuscht.