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Kongregation für Heiligsprechungen bekräftigt geltende Normen für Seligsprechungsprozesse in den Diözesen

Rom (DT) Sieben Kapitel, 39 Abschnitte und eine Unmenge von Artikeln und Paragrafen: Auf fünfzig Seiten hat die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen nochmals minutiös dargelegt, wie der kirchliche Prozess abzulaufen hat, der heiligmäßige Menschen nach ihrem Tod zur Ehre der Altäre führt – oder auch nicht. Wer von der entsprechenden Instruktion einen Kurswechsel oder Verschärfungen der bisherigen Normen erwartet hatte, wurde am vergangenen Montag enttäuscht.

Der Präfekt der Kongregation, Kardinal José Saraiva Martins, stellte den Text mit dem Titel „Sanctorum Mater – Mutter der Heiligen“ vor und hatte eher am Rande Interessantes zu berichten. So werde es beim Seligsprechungsverfahren für Johannes Paul II. keine Ausnahmen und somit auch kein „Santo subito“ geben: „Benedikt XVI.“, meinte der Kardinal, „hat 2005 eine schnelle Aufnahme des Verfahrens erlaubt, das ja. Aber er hat keine Ausnahmen von der Prozedur autorisiert, und die geht also regulär weiter.“ Was übrigens auch für den ermordeten Erzbischof Oscar Romero gilt. Hierzu gab der Präfekt bekannt, dass man daran arbeite, absolute Sicherheit darüber zu gewinnen, mit welchem Motiv der damalige Erzbischof von San Salvador umgebracht worden sei, sagte Saraiva Martins. Um als Märtyrer verehrt zu werden, müsse er aus „Hass gegen den Glauben“ ermordet worden sein. Im Fall Romero seien politische und soziale Motive derzeit noch nicht auszuschließen. Der Vatikan werde aber in jedem Falle versuchen, den Seligsprechungsprozess Romeros weiterzuführen.

Einige Diözesen haben die Normen nicht genau befolgt

Die Instruktion „Sanctorum mater“ ist in sechs Teile und einen Anhang gegliedert und beschreibt alle Details, die der Diözesanbischof beachten muss, wenn ein Seligsprechungsprozess in seinem Bistum beginnt und auf diözesaner Ebene zu einem ersten Abschluss geführt wird. Vor allem geht es dem Schreiben darum, nochmals an die Normen für Seligsprechungen zu erinnern, die Papst Johannes Paul II. 1983 in der Apostolischen Konstitution „Divinus perfectionis Magister“ niedergelegt hat.

Die neue Instruktion sei notwendig geworden, erklärte Kardinal Saraiva Martins, weil es sich 25 Jahre nach der Veröffentlichung der aktuell geltenden Bestimmungen gezeigt habe, dass einige Richtlinien in manchen Diözesen nicht immer verstanden und nicht immer mit der gebotenen Genauigkeit in die Praxis umgesetzt worden seien. Dadurch habe sich für die Kongregation die Notwendigkeit ergeben, Klärungen zu liefern und die diözesanen Kurien aufzufordern, Irrtümer zu korrigieren. Die diözesane Phase eines Seligsprechungsprozesses so der Kardinal, bestehe nicht nur darin, Texte und Zeugnisse zu sammeln, sondern müsse auch zu konkreten Urteilen führen. So sei es für einige nicht klar gewesen sei, dass der Ortsbischof verpflichtet sei, den Ruf der Heiligkeit oder des Martyriums („fama sanctitatis vel martyrii“) streng und genau zu überprüfen, erklärte Saraiva Martins.

Dies bedeute, dass der Prozess nur eröffnet werden dürfe, wenn es unwiderlegbare Beweise dafür gebe, dass der Diener Gottes bei einer größeren Anzahl von Gläubigen im Ruf der Heiligkeit oder des Martyriums stehe. Der zweite Teil der Instruktion beschreibt die dem Prozess vorausgehenden Phasen bis zur Erlangung des „Nulla obstat“ durch die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen.

Der dritte Teil behandelt den diözesanen Prozess selber und der vierte die Regeln, die bei der Sammlung der Beweis-Dokumentation zu verfolgen sind. Der fünfte Abschnitt nimmt die durch „Zeugnisse“ von Zeitzeugen gesammelten Beweise in den Blick, und der sechste Abschnitt enthält schließlich Anweisungen über die Schlussinstanzen der diözesanen Phase. Wie der Präfekt weiter sagte, gehe es nicht darum, ein strengeres Verfahren bei den Seligsprechungen einzuführen und deren Zahl zu begrenzen.

Ziel sei es allein, die geltenden Normen getreuer zu beachten. „Wir wollten die Bischöfe an ihre Aufgabe erinnern und dabei natürlich vor allem an die nötige Sorgfalt“, sagte Saraiva Martins. „Denn es handelt sich um eine sehr ernsthafte Angelegenheit für das Leben der Kirche. Die Kirche ist nur an der historischen Wahrheit interessiert, daran hat Papst Benedikt XVI. kürzlich erst in einer Vollversammlung unseres Dikasteriums erinnert.“

Die Verehrung der Kandidaten für die Selig- und Heiligsprechung müsse „spontan“ entstehen, meint der Kardinal: „Das heißt, sie muss von den Gemeinden ausgehen, von den Gläubigen, das ist äußerst wichtig. Denn ohne diesen Ruf der Heiligkeit, der sich sozusagen von alleine unter den Gläubigen in den Gemeinden ausbreitet, kann der Bischof keinen Seligsprechungsprozess beginnen, selbst wenn er wollte.

Es müssen also die Gläubigen sein und die Gemeinden, die zum Bischof sagen: Unserer Meinung nach ist dieser Christ, dieser Diener Gottes, wirklich heilig für uns!“ Damit würde die Kirche eine bereits bestehende Verehrung also nur bestätigen. „Heute wird viel über die Rolle der Laien in der Kirche geredet“, fügte Kardinal Saraiva Martins an. „Hier haben wir einen Fall, wo es aus kirchlicher Sicht die Laien sind, die den ersten Schritt tun. Der Bischof tut anschließend nichts anderes, als zu überprüfen, ob dieser Ruf begründet ist, um anschließend die Untersuchung nach Rom weiterzuleiten. Die Hauptrolle bei einer Seligsprechung spielen immer die Gläubigen.“