„Das Gesamtbild ist nach wir vor stimmig“

Israelischer Diplomat: Williamson belastet nicht katholisch-jüdischen Dialog

Frankfurt (DT/KNA) Die aufgehobene Exkommunikation von Traditionalisten-Bischof Richard Williamson belastet aus Sicht des früheren israelischen Botschafters beim Vatikan, Oded Ben-Hur, nicht das jüdisch-katholische Verhältnis. „Kein Williamson – und ich fürchte, es gibt viele Williamsons in der Welt und auch auf den unteren Ebenen in der Kirche – wird das Fundament des jüdisch-katholischen Verhältnisses ins Wanken bringen“, sagte Ben-Hur im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montagsausgabe). Allerdings habe es im Vatikan beim Fall des Holocaust-Leugners Williamson sowie bei der neuen Karfreitagsfürbitte für den alten Ritus „an der nötigen Sensibilität gefehlt“. Dennoch sieht Oded Ben-Hur das christlich-jüdische Verhältnis insgesamt positiv. „Das Gesamtbild ist nach wie vor stimmig“. Keine Zweifel besteht aus Sicht des Diplomaten allerdings daran, dass Benedikt XVI. in seiner Haltung gegenüber dem Staat Israel und dem Judentum „in der Kontinuität einer Entwicklung“ stehe, die sein Vorgänger in die Wege geleitet habe.

Nach den Worten des Diplomaten beruht das jüdisch-christliche Verhältnis auf zwei Fundamenten: der Konzilserklärung „Nostra aetate“ und der Lehre der beiden Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Der Dialog zwischen jüdischer und katholischer Welt spiele sich auf drei Ebenen ab: dem interreligiösen Dialog, den politischen Kontakten zwischen Israel und dem Vatikan, sowie einer engen Zusammenarbeit von jüdischen und katholischen Organisationen im Kampf etwa gegen Aids in Afrika oder Armut in Südamerika. Das nächste Ziel sollte es sein, die Sensibilität für das besondere jüdisch-katholische Verhältnis auch auf den unteren Ebenen der Kirche zu erhöhen.

Mit Blick auf die Lage der Christen im Heiligen Land sollte aus Sicht des Botschafters unterschieden werden zwischen der Situation in den palästinensisch verwalteten Gebieten und Israel. „In Judäa und Samaria, aber auch im Gazastreifen ist die Situation vieler Christen beklagenswert. Von dort sind in der Tat hunderttausende Christen ausgewandert. Die Situation der Christen auf dem Boden des Staates Israel lässt sich damit nicht vergleichen. In Israel geht es ihnen gut.“

Ben-Hur plädierte dafür, über eine Seligsprechung von Papst Pius XII. (1939–1958) noch nicht zu entscheiden. Die Archive, die über das Wirken des Papstes während des Zweiten Weltkriegs Auskunft geben, stünden erst in einigen Jahren Forschung und Öffentlichkeit in vollem Umfang zur Verfügung. Bis dahin stehe jedes Urteil über Pius XII. unter dem Vorbehalt, von Fakten widerlegt werden zu können. Sollte dieser Papst einer Seligsprechung würdig sein, so werde er das auch noch in einigen Jahren sein.

Ben-Hur äußerte sich im Vorfeld der Nahost-Reise des Papstes, die am Freitag beginnt.