Cordes: Anti-Papst-Demo zeigt Kirche die Realität

Berlin (DT/KNA) Der emeritierte Kurienkardinal Paul Josef Cordes kann den Protesten gegen den Papstbesuch auch positive Seiten abgewinnen. Sie machten deutlich, dass es „Widerstand gegen Glauben und Gott“ gebe, sagte Cordes am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. In Berlin ist während der Papstrede im Bundestag beim benachbarten Brandenburger Tor eine Protestdemonstration geplant; bislang liegt aber keine Genehmigung der Polizei für diesen Ort vor. Cordes gehört zur Delegation von Benedikt XVI., wenn dieser vom 22. bis 25. September nach Deutschland kommt.

Kardinal Cordes begleitete bereits Papst Johannes Paul II. bei dessen Visite im Jahr 1996. Als der damalige Papst mit Helmut Kohl das Brandenburger durchschritten habe, seien permanent Trillerpfeifen zu hören gewesen, so der Kardinal. Zunächst sei er darüber aufgebracht gewesen, räumte er ein. Dann habe er jedoch gedacht: „Was ist das gut, dass man das hier hört, sonst heben wir alle ab.“

Cordes rechnet zugleich damit, dass Benedikt XVI. bei seinem Besuch weithin offene Ohren findet. Ein „Triumphzug“ wie bei seiner Bayernvisite 2006 sei zwar nicht zu erwarten, als Deutscher habe er in seiner Heimat aber einen „gewissen Vertrauensvorschuss“. Der Kardinal warnte vor der Annahme, die großen Hoffnungen in Deutschland etwa mit Blick auf das Treffen mit der evangelischen Kirche im Erfurter Augustinerkloster würden weltweit geteilt. So sei der Symbolcharakter des Ortes, wo der spätere Reformator Martin Luther als Mönch lebte, außerhalb Deutschlands kaum bekannt.

Cordes wandte sich auch gegen die Erwartung, Benedikt XVI. werde sich zu Streitthemen in Deutschland wie einer Diakonenweihe für Frauen äußern. Die Position der katholischen Kirche, solche Weihen nur Männern zu erteilen, sei „weltweit unangetastet“. In der Weltkirche seien die deutschen Katholiken nur eine verschwindende Minderheit, die mit Blick auf die Vitalität ihres Glaubens „nicht unbedingt vorbildlich“ sei.