Christlicher Schulstreik geht weiter

Papst Franziskus und der israelische Präsident sprechen über Streit um christliche Schulen in Israel. Von Oliver Maksan

In Nazareth demonstrierten Christen für den Erhalt ihrer Schulen. Foto: Lateinisches Patriarchat
In Nazareth demonstrierten Christen für den Erhalt ihrer Schulen. Foto: Lateinisches Patriarchat

Jerusalem (DT) Der Streik christlicher Schulen in Israel geht weiter. Die durch Uneinigkeit in Sachen Schulfinanzierung ausgelöste Krise war jetzt auch Thema beim Treffen von Papst Franziskus und Israels Staatspräsident Reuven Rivlin am Donnerstag im Vatikan. Rivlin versicherte dem katholischen Kirchenoberhaupt dabei, dass die israelischen Behörden alles täten, um so schnell als möglich eine Lösung des Problems zu finden.

Doch bislang konnten sich die beiden Seiten nicht einigen. Einem Bericht der israelischen Zeitung „Haaretz“ (Donnerstag) zufolge sollen die Verantwortlichen der christlichen Seite deshalb auch das amerikanische Außenministerium in Washington kontaktiert haben, damit es sich ihrer Sache annehme. An mehreren Orten in Israel, darunter Haifa und Nazareth, war es in dieser Woche zu Protesten christlicher Schüler, Lehrer und Eltern gekommen. In einem dramatischen Schritt hatten sich die 48 in christlicher Trägerschaft stehenden christlichen Schulen in Israel dazu entschlossen, ihre Pforten trotz des Beginns des israelischen Schuljahrs in dieser Woche nicht zu öffnen. Betroffen sind etwa 33 000 palästinensische Schüler, davon etwa die Hälfte Moslems.

Der Verhandlungsleiter der christlichen Schulen in den Gesprächen mit dem Erziehungsministerium, der im Lateinischen Patriarchat für Israel zuständige Weihbischof Giacinto-Boulos Marcuzzo, sagte jetzt, dass der Schulbetrieb erst dann wieder aufgenommen werden könne, wenn eine Lösung des Konflikts erzielt worden sei. „Wenn die christlichen Schulen bedroht werden, dann ist es auf lange Sicht die christliche Präsenz selbst, die bedroht ist“, so der Weihbischof. Zuvor hatte Marcuzzo betont, dass die christlichen Schulen nichts Ungewöhnliches oder gar Wunder erwarteten. „Wir fordern nichts anderes als Gleichbehandlung zwischen allen Schulen in Israel. Wir sind stark, weil wir für eine gerechte Sache eintreten.“ Bereits im Mai hatten die Vertreter der christlichen Schulen Israels gegen die Schulpolitik des israelischen Erziehungsministeriums protestiert. Zuvor waren die Schulen im Herbst vergangenen Jahres deshalb auch erstmals kurzzeitig in einen Streik getreten.

Hintergrund der Proteste sind einerseits die Subventionskürzungen für die christlichen Privatschulen in Israel seitens des Ministeriums im Laufe der vergangenen Jahre, andererseits die ministeriell erlassenen Beschränkungen für die Erhebung eines Schulgelds. Kirchenangaben zufolge sind die Zuschüsse für die christlichen Schulen in den vergangenen zehn Jahren um 45 Prozent gesunken. Derzeit werden die anfallenden Kosten des Schulbetriebs deshalb nur zu 29 Prozent vom Staat übernommen. Die Schulen, so der christliche Schulverband Israels in einer Pressemitteilung, hätten diese Ausfälle deshalb über erhöhte Schulgebühren an die Eltern weitergeben müssen. Dies habe die Familien, deren Einkommen in der Regel unter dem nationalen Durchschnitt liege, oft an ihre Belastungsgrenzen gebracht. Ein ministerieller Erlass aus dem Jahr 2014 habe die Situation aber weiter verschärft. Das Ministerium habe demnach die Möglichkeiten der Schulen begrenzt, Schulgebühren zu erheben. Dies komme aber einer Todesstrafe gleich, so der christliche Schulverband.

Mit der Schulschließung wird nun eine vollständige staatliche Finanzierung der christlichen Schulen gefordert, wie dies in Fällen vergleichbarer jüdischer Schulen auch geschehe. Von christlicher Seite wird angeführt, dass vom Ministerium in derselben Kategorie geführte, in privater Trägerschaft stehende jüdische Schulen bis zu hundert Prozent vom Staat unterstützt würden – und dies, obwohl sie, anders als die christlichen Schulen, teilweise noch nicht einmal den vom Ministerium vorgegebenen Kernlehrplan lehrten.

Bemühungen, in letzter Minute zu einer Einigung zwischen Kirchen und Erziehungsministerium zu kommen, waren kurz vor Schulbeginn gescheitert. Präsident Rivlin hatte dazu den israelischen Erziehungsminister Naftali Bennett und Weihbischof Marcuzzo empfangen. Rivlin betonte dabei seine Wertschätzung der christlichen Bildungsarbeit. Auch Minister Bennett habe sich zum Erhalt des christlichen Schulwesens bekannt. Vorausgegangen waren monatelange Verhandlungen zwischen Ministerium und den christlichen Schulträgern. Das Ministerium hatte dabei vorgeschlagen, die bislang „inoffiziell anerkannten“ christlichen Schulen in staatliche Trägerschaft zu überführen und zu öffentlichen zu machen. Dies war von christlicher Seite abgelehnt worden. Es würde die Aufgabe des christlichen Profils bedeuten, hieß es. Beobachter sprechen davon, dass es dem Staat darum gehe, seine Kontrolle über das christlich-palästinensische Schulwesen zu verstärken. Unter anderem die Unabhängigkeit etwa in Sachen Geschichtsunterricht sei der rechtsnationalen Regierung ein Dorn im Auge.

Anders als die staatlichen Schulen dürften die christlichen Privatschulen die Geschichte Israels seit der Staatsgründung auch aus palästinensischer Sicht lehren. Das Jahr der Staatsgründung 1948 wird von palästinensischer Seite wegen der damit verbundenen Flucht und Vertreibung hunderttausender Palästinenser als Nakba, Katastrophe, empfunden. Israels christliche Schulen erzielen regelmäßig hervorragende Ergebnisse im nationalen Vergleich.