Chefin von „Wir sind Kirche“ exkommuniziert

Tatbestand: Sakramentensimulation – Martha Heizer akzeptiert weder Verfahren noch Schuldspruch

Wien/Innsbruck (sb) Die Vorsitzende des österreichischen Vereins „Wir sind Kirche“, Martha Heizer, ist exkommuniziert. Die pensionierte Pädagogin, die von Medien oft fälschlicherweise als Theologin vorgestellt wird, zählte 1995 zu den Gründungsmitgliedern des „Kirchenvolks-Begehrens“ und der daraus entstandenen Bewegung „Wir sind Kirche“. Sie hatte vor drei Jahren selbst bekannt gegeben, jahrelang „private Eucharistiefeiern“ ohne Priester begangen zu haben, was kirchenrechtlich als Simulationshandlung zu werten ist.

Die Diözese Innsbruck erklärte nun, dass man nicht von einer Exkommunikation seitens des Vatikan sprechen könne. Vielmehr sei eine „Selbst-Exkommunikation“ festgestellt worden. Entschieden habe auch nicht die römische Glaubenskongregation, die allerdings die Voruntersuchungen geführt hatte, sondern das Diözesangericht der Diözese Innsbruck, das jetzt auch das Dekret ausstellte.

Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer hatte bereits bei Bekanntwerden der Simulationshandlungen 2011 erklärt, dass es sich bei den „privaten Eucharistiefeiern“ um ein schwerwiegendes Delikt („graviora delicta“) handle, das der Glaubenskongregation in Rom gemeldet werden muss. Scheuer stellte am Donnerstag klar, dass es sich nicht um eine Exkommunikation als Spruchstrafe handelte, sondern um eine Exkommunikation als Tat-strafe, um eine „Selbst-Exkommunikation“ des Ehepaares Martha und Gerd Heizer: „Mit ihrer Bekanntgabe der ausgeübten Praxis der ,privaten Eucharistiefeiern ohne Priester‘ haben Gerd Heizer und Martha Heizer eine Situation geschaffen, in der ich als Bischof von Innsbruck rechtliche Schritte einleiten musste. Ich glaube, dass das Ehepaar Heizer gewusst hat, welche Situation sie herbeiführen und was ihr Handeln kirchlich bedeutet“, so der Tiroler Bischof in einer Erklärung von Donnerstag. Weiter heißt es hier: „Ich empfinde es als Niederlage, dass es uns nicht gelungen ist, das Ehepaar Heizer zum Umdenken zu bewegen und so das Verfahren zu vermeiden. Denn die Feststellung einer Selbst-Exkommunikation ist kein Sieg, sondern immer eine Niederlage für die Kirche. Mit großem Bedauern stelle ich fest, dass es bis jetzt kein Umdenken der Betroffenen gegeben hat.“

Canon 1378 des Codex Iuris Canonici (CIC) sieht die „Tatstrafe des Interdikts“ für den vor, der „ohne Priesterweihe das eucharistische Opfer zu feiern versucht“. Je nach Schwere des Delikts könnten andere Strafen hinzugefügt werden, „die Exkommunikation nicht ausgenommen“. Canon 1379 setzt außerdem fest, dass „mit einer gerechten Strafe belegt werden“ soll, wer eine Sakramentenspendung vortäuscht. Kirchenrechtlich kann das Ehepaar nun innerhalb von zehn Tagen beim Bischof die Rücknahme oder Abänderung des Dekrets beantragen.

Es liege „allein beim Ehepaar Heizer, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Tatstrafe der Exkommunikation entweder nicht festgestellt oder unverzüglich nachgelassen werden kann und muss“, so die Diözese Innsbruck. Begründung: „Da Eucharistie von ihrem Wesen her eine Feier der ganzen Kirche ist, kann es so etwas wie eine ,private Eucharistiefeier‘ gar nicht geben. Kriterien für die Eucharistiefeier können nicht nur der subjektive Wille der Betroffenen und deren Befindlichkeit sein. Die Kirche hielt immer daran fest, dass bei der Eucharistiefeier in der Person des Priesters aufgrund der Weihe auch die Kirche anwesend bleibt.“

Martha und Gerd Heizer reagierten am Donnerstag auf der Internetseite von „Wir sind Kirche“ mit einer persönlichen Erklärung. Am Mittwochnachmittag habe ihnen Bischof Scheuer im Diözesangericht Innsbruck und in Anwesenheit zweier Diözesanrichter das „verfahrensabschließende Dekret“ vorgelesen, welches besage, „dass wir durch das Eucharistiefeiern in der Hauskirche exkommuniziert sind“. Dies sei kein Ausschluss aus der Kirche, „deshalb müssen wir auch die Kirchensteuer weiterhin bezahlen, sind aber von den Sakramenten und kirchlichen Ämtern ausgeschlossen“. Sie hätten „diese Strafe erwartet“, so das Ehepaar. Schockiert seien sie aber doch, weil ihre Tathandlung zu den schweren Vergehen zähle, die sofort dem Vatikan gemeldet werden müssen. „Es entsetzt uns ungemein, dass wir uns in der gleichen Kategorie wie priesterliche Missbrauchstäter wiederfinden.“

Das Dekret hätten sie nicht in Empfang genommen, denn sie hätten das Verfahren in seiner Struktur „nie akzeptiert und akzeptieren infolgedessen auch den Schuldspruch nicht“. Martha Heizer bekannte sich mehrfach dazu, mit ihrer beanstandeten Praxis fortzufahren. In einem Interview sagte sie am Donnerstag: „Uns ist Eucharistie in diesem kleinen Kreis von Zeit zu Zeit sehr wichtig. Das gehört dazu. Das tut uns gut. Das wollen wir.“ Sie hätten lange gebraucht, „bis wir uns selbst ermächtigt haben“. Heizer will weiterhin Heilige Messen besuchen und auch Vorsitzende von „Wir sind Kirche“ bleiben.

Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, erklärte sich mit Bischof Scheuer solidarisch: „Wenn jemand in einem für unsere Kirche so zentralen Punkt wie der Eucharistie einen Sonderweg geht und propagiert, der weit außerhalb unseres Glaubens liegt, ist das ein schwerwiegender Schritt hinaus aus der Gemeinschaft der Kirche.“