Buchtipp: Diagonal gelesen: Teresa von Ávila

Sieben katholische Hochschulen werden der heiligen Teresa von Jesus (1515–82) während eines internationalen Kongresses im August in Ávila posthum die Ehrendoktorwürde verleihen. Verdienterweise, denn das literarische Werk der spanischen Kirchenlehrerin ist außergewöhnlich: Gut zweitausend Seiten Text hat die Karmelitin hinterlassen, Briefe inklusive. Wer wenig Zeit zum Lesen hat und dennoch einen Einblick in den Reichtum ihrer zeitlos aktuellen Schriften gewinnen möchte, findet in dem handlichen Bändchen „Suche dich in mir“ eine gelungene Auswahl. Zum Jubiläumsjahr herausgegeben, führt es das jeweilige Tagesevangelium zusammen mit einem ausführlichen Teresa-Zitat an. Schriftbetrachtung und Gebet gehen bei Teresa oft fließend ineinander über und wecken Neugier, sich in ihre Schriften zu vertiefen. Frömmigkeit und Lebensweisheit paaren sich bei der bibelfesten Heiligen aus Ávila zu einer originellen Synthese. Und zugleich finden sich in Teresas Schriften lesenswerte Erfahrungen und scharfsinnige Analysen der Leitmotive des gegenwärtigen Pontifikates: die Armut und das Wirken des Bösen. So bewertet Teresa im Rückblick auf ihr Leben die Liebe zu den Armen als sicheres Indiz für den geistlichen Fortschritt und entlarvt die Schliche des Teufels. Darüber hinaus berücksichtigt die Textauswahl auch die Sekundärliteratur bekannter und weniger bekannter Heiliger des Karmel. Ein lohnender Begleiter. reg