Bruder Konrad von Parzham: Eine Vorstellung

Der heilige Bruder Konrad von Parzham

In Parzham, einem Ortsteil des niederbayrischen Bad Griesbach, liegt der Bruder-Konrad-Hof, eine der sehr wenigen noch original erhaltenen Geburtsstätten eines kanonisierten Heiligen in Deutschland. In dem 1750 errichteten Bauernhaus, das heute ein Wallfahrtsort ist, erblickte vor 200 Jahren, am 22. Dezember 1818, der heilige Bruder Konrad das Licht der Welt.

Eigentlich hätte Johann Birndorfer, wie Konrads bürgerlicher Name lautete, den großen Hof übernehmen sollen. Als seine Eltern starben, war er 16 Jahre alt und sehr unsicher, ob er wirklich zum Landwirt berufen sei. Er war sehr fromm und unternahm häufig Wallfahrten zur Maria-Hilf-Kirche im nahegelegenen Passau oder zum heiligen Leonhard in Aigen am Inn. 1841, mit 23 Jahren, schloss er sich dem Dritten Orden der Franziskaner an. Er arbeitete in dieser Zeit weiterhin auf dem Hof, überließ jedoch die Verwaltung seinen Geschwistern und war meistens unter den Knechten tätig, mit denen er gut auskam. Bei der Arbeit trug er den Rosenkranz immer am Handgelenk. Mit dem Wunsch, Priester zu werden, wurde er bei mehreren Klöstern der Umgebung vorstellig, wurde aber immer wieder abgewiesen.

Schließlich legte ihm sein Beichtvater den Eintritt bei den Kapuzinern im Marienwallfahrtsort Altötting nahe, wo er 1849, mit 31 Jahren, in das Noviziat aufgenommen wurde. Die Ordensausbildung erhielt er im Kloster Laufen, wo er auch Gartenarbeit verrichtete. Er empfing nie die Priesterweihe, sondern blieb Laienbruder.

Am 4. Oktober 1852, dem Fest des heiligen Franz von Assisi, legte er seine Ordensprofess ab.

Aufgrund seiner Verehrung für den großen Ordensgründer hatte Johann Birndorfer den Wunsch, dessen Namen anzunehmen, bekam jedoch den Namen Konrad, da gerade ein Ordensbruder mit diesem Namen verstorben war.

Die Rückehr von Bruder Konrad von Parzham

Gleich nach seiner Profess wurde Bruder Konrad nach Altötting zurückgesandt und dort als Pförtner eingesetzt. Er hatte diesen Posten 41 Jahre lang inne und versah ihn äußerst gewissenhaft. Den unzähligen Wallfahrern, die an die Klosterpforte kamen, begegnete er stets liebenswürdig, freundlich und hilfsbereit; nie trat er ungeduldig oder mürrisch auf. Er teilte sein eigenes Essen mit Bedürftigen und hatte für alle Menschen ein offenes Ohr. Viele trugen ihm Gebetsanliegen an, von denen zahlreiche erhört wurden, auch auf wunderbare Weise.

So stand der Pförtner von Altötting schon zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit. Frühmorgens, bevor er den Pfortendienst antrat, empfing Bruder Konrad die heilige Kommunion; tagsüber widmete er jede freie Minute dem Gebet, das er auch bis in die Nacht hinein ausdehnte. In den letzten Monaten seines Lebens wurde er aufgrund seiner Altersschwäche vom Pfortendienst entbunden.

Als er bereits im Sterben lag, stand er plötzlich von seinem Lager auf, um zur Pforte zu gehen, da er meinte, sein Nachfolger habe das Läuten überhört. Er brach auf dem Weg zusammen und sprach danach kein einziges Wort mehr. Am 21. April 1894 verstarb Bruder Konrad. Er wurde 1930 selig- und vier Jahre später heiliggesprochen.

Die Erinnerung durch Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. erinnerte im Jahr 2006 in Altötting an den heiligen Kapuziner: „Er hat auf ein großes Erbe verzichtet, weil er ganz Jesus Christus nachfolgen, ganz mit ihm sein wollte. Er hat sich, wie es der Herr im Gleichnis empfiehlt, wirklich auf den letzten Platz gesetzt, als demütiger Pfortenbruder. In seiner Pfortenstube hat er genau das verwirklicht, was uns Markus über die Apostel sagt: mit ihm sein und gesandt sein zu den Menschen. Er konnte von seiner Zelle aus immer auf den Tabernakel hinschauen, immer ,bei ihm sein‘. Von diesem Blick her hat er die nicht zu zerstörende Güte gelernt, mit der er den Menschen begegnete, die fast ohne Unterbrechung an seiner Pforte anläuteten – auch manchmal eher bösartig, um ihn bloßzustellen; auch manchmal ungeduldig und laut: Ihnen allen hat er ohne große Worte durch seine Güte und Menschlichkeit eine Botschaft geschenkt, die mehr wert war als bloße Worte.“