Brandmüller verteidigt „Dubia“-Anfrage

Frankfurt (DT/KNA) Kardinal Walter Brandmüller hat die von ihm mitverfasste „Dubia“-Anfrage an Papst Franziskus verteidigt. Er verstehe zwar die Kritik, die das Öffentlichmachen der Fragen ausgelöst habe. Der Schritt sei aber erst „nach monatelangem Warten auf Antwort“ erfolgt, sagte er im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag). „Und vor allem im Hinblick darauf, dass viele Gläubige dieselben Fragen hatten und haben und auch auf Antwort warten.“ Grund für die vorgebrachten Dubia (Zweifel) ist das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“. Darin hatte der Papst angedeutet, dass Katholiken, die nach einer Scheidung zivil erneut geheiratet haben, zur Kommunion zugelassen werden könnten. Die Kardinäle Walter Brandmüller, Raymond Leo Burke sowie die inzwischen verstorbenen Carlo Caffarra und Joachim Meisner baten Franziskus erst persönlich, dann öffentlich um Klärungen hinsichtlich der Auslegung von „Amoris laetitia“.

„Warum tut ihr denn nichts, ihr Kardinäle?“

„Was meinen Sie, was für Telefonanrufe, Briefe, Anfragen wir bekommen?“, sagte Brandmüller. „In denen heißt es unter anderem auch: Warum tut ihr denn nichts, ihr Kardinäle? Wir haben schließlich einen Amtseid geleistet und sind qua Amt Berater des Papstes.“ Sie hätten zwar um Audienz gebeten, aber auch darauf keine Antwort bekommen, so der 88-Jährige. Mit Blick auf liberale Interpretationen des Papstschreibens unterstrich der Kardinal: „Es ist Dogma, dass die Ehe ein Sakrament und infolgedessen unauflösbar ist.“ Das heiße: „Wer behauptet, man könne zu Lebzeiten seiner rechtmäßig angetrauten Gattin eine neue Verbindung eingehen, der ist exkommuniziert, weil dies eine Irrlehre, eine Häresie ist.“ Wer immer sich einer schweren Sünde wie Ehebruch bewusst sei, könne zur Eucharistie nur hinzutreten, wenn er vorher Buße getan, gebeichtet habe und losgesprochen worden sei. Er habe „große Sorge, dass etwas explodiert“, sagte der frühere Präsident der vatikanischen Historikerkommission. Der Umstand, dass die Bitten tausender Menschen um Klärung ohne Antwort blieben, werfe Fragen auf. „Das ist doch wahrlich schwer zu begreifen“, so der Geistliche. Es gehe schließlich um die zentrale Frage: „Kann heute etwas gut sein, was gestern Sünde war?“ Zudem werde gefragt, ob es wirklich Handlungen gebe, die „immer und unter allen Umständen“ sittlich verwerflich seien – wie zum Beispiel die Tötung eines Unschuldigen oder Ehebruch. „Sollte nun in der Tat die erste Frage mit Ja und die zweite mit Nein beantwortet werden – dann, ja dann wäre dies Irrlehre und in der Folge Schisma. Spaltung der Kirche“, sagte Brandmüller.