„Bitten wir inständig um die Gabe des Geistes Gottes“

Im Wortlaut die Ansprache des Heiligen Vaters beim Regina Coeli am 3. Mai 2008

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute wird in verschiedenen Ländern, darunter auch in Italien, das Fest Christi Himmelfahrt gefeiert – Geheimnis des Glaubens, das nach dem Buch der Apostelgeschichte vierzig Tage nach der Auferstehung anzusetzen ist (vgl. Apg 1,3–11), weswegen es im Vatikan und in anderen Ländern der Welt bereits am vergangenen Donnerstag gefeiert wurde. Nach der Himmelfahrt bleiben die ersten Jünger gemeinsam mit der Mutter Jesu im Abendmahlssaal vereint, in der inbrünstigen Erwartung der Gabe des Heiligen Geistes, die Jesus ihnen verheißen hatte (vgl. Apg 1,14). Am heutigen ersten Sonntag im Mai, dem Marienmonat, erleben auch wir diese Erfahrung gedanklich nach und empfinden dabei intensiver die geistige Gegenwart Marias. Und der Petersplatz zeigt sich heute beinahe wie ein „Abendmahlssaal“ unter offenem Himmel, dicht gefüllt mit Gläubigen, großteils Mitglieder der italienischen „Azione Cattolica“, an die ich mich nach dem Mariengebet „Regina Coeli“ noch wenden werde.

In seinen Abschiedsreden an die Jünger hat Jesus die Bedeutung seiner „Rückkehr zum Vater“, die Krönung seines Auftrags, sehr stark betont: Tatsächlich ist er in die Welt gekommen, um den Menschen zu Gott zurückzuführen, nicht nur auf einer ideellen Ebene – wie ein Philosoph oder ein Weisheitslehrer –, sondern wirklich, als Hirte, der die Schafe zu ihrem Stall zurückführen will. Diesen „Exodus“ hin zur himmlischen Heimat, den Jesus persönlich erlebt hat, hat er nur für uns auf sich genommen. Für uns ist er vom Himmel herabgestiegen und für uns ist er in den Himmel aufgefahren, nachdem er sich in allem den Menschen gleich gemacht hatte, nachdem er sich bis zum Tod am Kreuz erniedrigt und den Abgrund der größten Entfernung von Gott berührt hatte. Gerade aus diesem Grund hatte Gott seine Freude an Ihm und hat Ihn „über alle erhöht“ (Phil 2, 9) und Ihn wieder in die Fülle seiner Herrlichkeit eingesetzt, doch diesmal mit unserer Menschheit. Gott im Menschen – der Mensch in Gott: das ist nunmehr eine Wahrheit, die nicht theoretisch, sondern real ist. Daher ist die in Christus begründete christliche Hoffnung keine Illusion, sondern, wie es im Brief an die Hebräer heißt, „in ihr haben wir einen sicheren und festen Anker der Seele“ (Heb 6, 19), einen Anker, der in den Himmel dringt, in den Christus uns vorausgegangen ist.

Und wessen bedürfen die Menschen aller Zeiten notwendiger als diesem: einer festen Verankerung für das eigene Dasein? Hier finden wir also von Neuem die wunderbare Bedeutung der Gegenwart Marias mitten unter uns. Wenn wir den Blick auf sie richten, so wie die ersten Jünger, werden wir sofort auf Jesus verwiesen: die Mutter verweist auf den Sohn, der nicht mehr leiblich unter uns ist, uns aber im Haus des Vaters erwartet. Jesus lädt uns dazu ein, nicht weiter nach oben zu blicken, sondern uns gemeinsam im Gebet zu vereinen, um das Geschenk des Heiligen Geistes zu erbitten. Daher steht nur denen, die „von neuem“, also aus dem Geist Gottes geboren werden, die Tür zum Himmelreich offen (vgl. Joh 3, 3–5) und die erste, die „neu geboren“ wurde, ist die Jungfrau Maria. An Sie wollen wir uns in der Fülle der österlichen Freude daher wenden.

Die Pilger deutscher Sprache begrüßte der Papst mit den Worten:

Mit Freude grüße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache hier auf dem Petersplatz. Diese Tage vor Pfingsten sind eine Zeit des besonderen Gebets um den Heiligen Geist. Bitten wir inständig um die Gabe des Geistes Gottes! Er macht uns neu, er schenkt Leben und gibt Kraft, das Antlitz der Erde zu erneuern. Der Herr erfülle euch mit seiner Gnade und seinem Frieden.