Bischof Müller rügt „C“-Parteien

Düsseldorf (DT/KNA) Der Regensburger katholische Bischof Gerhard Ludwig Müller hat den „C“-Parteien „parteiegoistischen Opportunismus“ vorgeworfen. „Sie vernachlässigen oft ihre Kernidentität und meinen, an allen Ecken und Zäunen Stimmen einsammeln zu müssen mit einem vagen Programm“, sagte Müller im Interview der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Donnerstag). „Ich wähle doch niemanden, der nicht zu seinen Prinzipien steht.“ Müller warnte die Union vor der „Milchmädchenrechnung“, überzeugte Christen als Wählerpotenzial vernachlässigen zu können. Denn man erreiche nicht die „nebulösen Mitte-Wähler“, wenn man gleichzeitig seine Identität preisgebe. Nach der Öffnung zu neuen Wählerschichten habe die Union unterm Strich immer mehr Wähler verloren. Zumindest die CDU stehe vor der Gefahr, den Charakter als Volkspartei zu verlieren. „Eine Partei, die etwa beim unbedingten Lebensschutz ins Wanken kommt, verrät sich selbst und auch die Demokratie“, so Müller. „Die Würde jedes Menschen ist die Grenze für politische Kompromisse.“ Scharfe Kritik übte Müller am Kruzifix-Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs, wonach Kreuze in staatlichen Schulen in Italien einen Verstoß gegen die Religionsfreiheit darstellen. Der Bischof wertete das Urteil als eine „vom Gericht begangene Menschenrechtsverletzung an der Religionsfreiheit der Christen“. Es werde fälschlicherweise davon ausgegangen, dass der öffentliche Raum für Areligiöse und Antireligiöse reserviert sei. Der Regensburger Bischof beklagte eine rechtliche Ungleichbehandlung der Christen in Europa: „Wenn Christen beleidigt oder angegriffen werden, wird das von Gerichten oft nicht so geahndet, als wenn das anderen Religionsgemeinschaften gegenüber geschieht.“ Mit Blick auf solche Entwicklungen bezeichnete der in der Deutschen Bischofskonferenz für Ökumene zuständige Bischof die Kirchenspaltung als Tragödie. Katholiken und Protestanten dürften sich trotz dogmatischer Unterschiede nicht gegeneinander ausspielen lassen.