Bischöfe kritisieren Aufruf zum Ungehorsam

Wien (sb) Den „Aufruf zum Ungehorsam“ der österreichischen „Pfarrer-Initiative“ haben nach Bischof Egon Kapellari (Graz) nun auch Kardinal Christoph Schönborn (Wien) und Bischof Klaus Küng (St. Pölten) deutlich kritisiert. Schönborn schreibt im Mitarbeitermagazin der Erzdiözese Wien, er habe auf diesen Aufruf nicht sofort reagiert, „um nicht im Zorn und in der Trauer zu antworten, die dieser Aufruf in mir ausgelöst hat“. Der christliche Gehorsam sei „eine Schule der Freiheit“ und die Übersetzung der Vaterunser-Bitte „Dein Wille geschehe“ ins konkrete Leben. „Wer im geprüften Gewissen zur Überzeugung kommt, dass ,Rom‘ auf einem Irrweg ist, der gravierend dem Willen Gottes widerspricht, müsste im äußersten Fall die Konsequenz ziehen, den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen“, so Kardinal Schönborn. Er hoffe aber, dass dieser Fall nicht eintritt. Die Aufforderung zum Ungehorsam stelle die kirchliche Gemeinschaft in Frage. „Wer das Prinzip des Gehorsams aufgibt, löst die Einheit auf.“ Der Aufruf der „Pfarrer-Initiative“ gehe an den eigentlichen Fragen vorbei, kritisiert der St. Pöltener Bischof Klaus Küng. Er trage auch einen „Todeskeim“ in sich, „der unfruchtbar macht, auch wenn etwas eigentlich gut gemeint ist“. Wo Pfarrer tatsächlich Ausnahmen im Sinn des „Aufrufs zum Ungehorsam“ machen, könne er bis heute „keine großartigen Aufbrüche feststellen“. Küng wörtlich: „Aufbrüche finden sich eher dort, wo der Blick auf das Wesentliche, die Gottesbeziehung, gerichtet ist, und wo die Disziplin der Kirche beachtet wird.“