Bildungselite setzt auf christliche Schulen

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal über die geplante katholische Universität im jordanischen Madaba

Am ersten Tag seiner Nahost-Reise wird Papst Benedikt XVI. den Grundstein für eine neue Hochschule legen: Die erste katholische Universität Jordaniens in Madaba. Die Universität soll nach bisherigem Planungsstand sieben Fakultäten haben: Wirtschafts- und Finanzwissenschaften, Naturwissenschaften, Ingenieurwesen, Informatik, Soziologie, Gesundheitswesen und bildende Künste. im Gespräch mit Gabi Fröhlich beschreibt der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, Zielsetzung und Anliegen der neuen Universität.

Die Idee für eine katholische Universität in Jordanien geht auf Johannes Paul II. zurück: Bei seiner Heilig-Land-Reise im Jahr 2000 hatte er die Pläne initiiert. Warum wird sie erst jetzt, neun Jahre später, gebaut?

Weil uns bisher das Geld fehlte. Das finanzielle Grundgerüst für den Baustart haben wir jetzt von Papst Benedikt XVI. bekommen – wenn er am 9. Mai auf das Gelände kommt, wird er sehen können, dass die Arbeiten dank seiner Hilfe beginnen konnten. Wir appellieren nun an die Bischofskonferenzen in der ganzen Welt, uns bei der Vollendung dieses wichtigen Werkes finanziell unter die Arme zu greifen.

Warum wurde als Sitz die Stadt Madaba ausgewählt?

Madaba, das übrigens auch meine Heimatstadt ist, ist eine jordanische Stadt mit sehr langer christlicher Tradition. Sie wird schon im Alten Testament mehrfach erwähnt. Berühmt ist das Mosaik in der frühbyzantinischen St. Georgskirche mit der Karte des Heiligen Landes und Jerusalems – damals gab es mindestens 15 Kirchen, deren Reste zeigen, wie reich die christliche Gemeinschaft damals war. Im vierten Jahrhundert war die Stadt Bischofssitz. Bis heute ist Madaba eine Stadt mit starker christlicher Präsenz, so dass es nahelag, die Universität dort zu errichten.

In Jordanien gibt es bereits 25 Universitäten, dank des starken Engagements von König Abdallah im Bildungswesen. Warum noch eine Hochschule mehr?

Zum einen haben christliche Bildungseinrichtungen in der arabischen Welt einen ausgezeichneten Ruf und werden auch von Muslimen sehr geschätzt. Die Bildungselite schickt ihren Nachwuchs oft auf christliche Schulen – da ist eine kirchlich getragene Universität die natürliche Fortsetzung. Für die einheimischen Christen ist es selbstverständlich schön, auch eine kirchliche Hochschule wählen zu können. Hinzu kommt, dass die Universitäten in Jordanien überfüllt sind. Das liegt zum einen daran, dass der König auch die höhere Schulbildung sehr gefördert hat. Hinzu kommt aber eine wachsende Zahl von Studenten aus den Golfstaaten rundherum: Die arabischen Studenten haben seit den Attentaten vom 11. September immer mehr Schwierigkeiten, Aufenthaltsgenehmigungen in westlichen Ländern zu bekommen. Und sie haben auch in den Ländern selbst mehr Schwierigkeiten, einfach weil sie Araber sind. Darum leisten wir diesen jungen Leuten einen wichtigen Dienst, wenn wir ihnen eine weitere Studienmöglichkeit auf hohem Niveau anbieten.

Papst Benedikt XVI. wird bei der Grundsteinsegnung eine Ansprache halten und kurz darauf vor den Direktoren der Jordanischen Universitäten eine weitere. Klingt da noch die Erinnerung an die Regensburger Vorlesung an, als ein Zitat über den Propheten Mohammed eine Welle der Empörung in der muslimischen Welt auslöste?

Das glaube ich nicht. Inzwischen wurde allgemein verstanden, dass das Papstzitat von Regensburg aus dem Zusammenhang gerissen und für antipäpstliche Propaganda missbraucht wurde. Die Aufregung damals hatte übrigens die erfreuliche Folge, dass der katholisch-muslimische Dialog noch vertieft wurde. 138 muslimische Gelehrte nahmen intensiven Kontakt zum Vatikan auf, woraus fruchtbare interreligiöse Treffen geworden sind. Das nächste dieser Treffen wird kurz nach dem Papstbesuch am 20. und 21. Mai eben in Amman stattfinden.

Richtet sich die katholische Hochschule nur an die Christen im Land oder steht sie allen Interessenten offen?

Wir Christen sind in Jordanien eine Minderheit von vier Prozent – es wäre unsinnig, eine Universität für so eine kleine Gruppe anzubieten. Wir wollen es auch gar nicht, denn wir sehen es als unsere Mission an, in unserer muslimischen Gesellschaft einen Beitrag für ein konstruktives Miteinander zu leisten. Als Christen sind wir in unserem jeweiligen Volk „Fleisch geworden“, und in Jordanien ist die Mehrheit dieses Volkes muslimisch. Das ändert natürlich nichts daran, dass diese Hochschule im christlichen Geist geführt werden und auf christlichen Grundwerten aufbauen wird. Dieses Prinzip gilt auch an unseren 26 Schulen in Jordanien. Alle kirchlichen Bildungseinrichtungen dienen so einer hochkarätigen Ausbildung der Jugend und gleichzeitig als Plattform der Begegnung und des interreligiösen Dialogs. Das gilt auch für die katholische Universität von Madaba.

Madaba ist nicht das einzige kirchliche Hochschul-Projekt in der Region: Auch in Nazareth soll eine kirchliche Universität entstehen – die erste arabische Hochschule in Israel. Auch deren Grundstein wird Benedikt XVI. voraussichtlich während seines Besuchs segnen...

Das ist eine Initiative, die ganz von dem melkitischen Erzbischof Elias Chacour ausgeht. Er hat sich sehr mutig für die Verwirklichung dieser Hochschule eingesetzt, trotz der zahlreichen Widerstände, die sich ihm dabei in den Weg gestellt haben. Er hat nun die Genehmigung des Staates Israel für sein Projekt bekommen, das ist ein großer Fortschritt. Die größte Herausforderung ist nun die Finanzierung und wir ermutigen ihn da sehr. Natürlich gibt es auf solchen Gebieten eine Kooperation zwischen unserer „lateinischen“ und der melkitischen Kirche: So sollen zwei oder drei Priester unseres Patriarchats an dieser Universität lehren. Für die einheimischen Christen bedeutet dieses Projekt, dass sie nun eine Hochschule bekommen sollen, an der sie sich zuhause fühlen. Aber es gilt auch dort, dass die Studiengänge neben den Christen auch Muslimen, Juden und Drusen offenstehen sollen. So wird auch diese Universität ein prädestinierter Ort des Dialogs sein.