Bier und Barmherzigkeit

Pilgerfahrt zum Weltjugendtag: Impressionen von der Ankunft in Krakau. Von Alexander Ertl

S-Bahn München
Nachdem die ersten Jugendlichen in Krakau angekommen sind, sind sie gespannt, was die nächsten Tage bringen werden. Foto: dpa
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Nachdem die ersten Jugendlichen in Krakau angekommen sind, sind sie gespannt, was die nächsten Tage bringen werden. Foto: dpa

Krakau (DT) Da bin ich nun also in Krakau angekommen. Mein Flug war angenehm, verbunden mit einem Gespräch mit einem australischen Missionspater, die Zugfahrt in die Krakauer Innenstadt blieb ebenso ohne größere Besonderheiten. Meine Gruppe werde ich erst vor der Galerie Krakowska auf dem weitschweifigen Platz vor dem Krakauer Hauptbahnhof kennenlernen, es sind überwiegend osteuropäische Seminaristen. Ich erkenne sie gleich, anders als deutsche Priesteramtskandidaten tragen einige von ihnen den römischen Kragen, einer in sehr gewagter Kombination.

Nach einer halben Stunde Fahrtzeit kommen wir in der Ortschaft an, wo wir für die nächsten Tage untergebracht sein werden. Es besteht die Möglichkeit zum Messbesuch. Ich gehe mit, weil ich meine Sonntagspflicht noch nicht erfüllt habe. Die Kirche ist ausgestattet mit allerlei neobarocken Zutaten. Vor der Messe werde den Verstorbenen gedacht, sagt mein Banknachbar. Alles auf polnisch! Aber daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen, wenn der Weltjugendtag in Polen ist. Danach tritt der Priester schnellen Schrittes aus der Sakristei, zieht an der Schnur, und los geht's mit dem Gottesdienst!

Ich verstehe kein Wort. Nur eines vielleicht: Maria, Jesus, Anna. Und um die Großmutter Jesu wird es gehen, die Pfarrei feiert anscheinend heute, am 24. Juli, Patrozinium, der Priester wird später über diese Heilige predigen. Nun hätte ich allerdings doch noch einen Crashkurs in Polnisch bekommen. Ein Freund meinte zu mir, mehr als diese zwei Wörter würdest Du eh nicht brauchen: „piwo“ und „dziêkujê!“. Erst später erfahre ich von einem polnischen Seminaristen, was das bedeutet: Bier und danke. Wie witzig. Doch jetzt lerne ich erst einmal zwei neue Wörter: „œwiêty” und „mi³osierdzie“: Heilig und Barmherzigkeit, bedeutsame Worte, sie kehren immer wieder im Gottesdienst.

Nach einiger Zeit fällt mir der Ventilator auf, der neben dem Altar steht und die Albe des Priesters flattern lässt. Vielleicht auch ein Zeichen: Der Wind Gottes weht dort, wo ich nichts verstehe. Doch zurück zu dem, was ich schon verstehe: Am Abend gehe ich mit den polnischen Seminaristen noch einkaufen, auch das ist anders als bei uns, selbst am heiligen Sonntag (wir erinnern uns: „œwiêty”) kann man in einem der katholischsten Länder noch einkaufen gehen. Aber wir sind sowieso nur auf der Suche nach einem Artikel, den ich eben schon auf Polnisch benennen kann: Piwo. Ich kaufe mir also das empfohlene Feierabendbier und bin gespannt, was die nächsten Tage bringen mögen.