Berufen zur Volksmission

Zum Gedenktag des heiligen Ordensgründers Kaspar del Bufalo am 28. Dezember. Von Katrin Krips-Schmidt

Am Dreikönigstag des Jahres 1786 in Rom in der Nähe der Jesuitenkirche Il Gesu als Sohn eines Kochs geboren, wurde Kaspar del Bufalo noch am selben Tag auf den Namen der drei Weisen Kaspar Melchior und Balthasar getauft. Von der tieffrommen Mutter wurde er liebevoll umsorgt und im Glauben erzogen.

Seinen Lieblingsheiligen, den Jesuiten Aloisius von Gonzaga und Franz Xaver, wollte er, der von schwacher Gesundheit und Konstitution war, durch strenges Fasten und eifriges Gebet nacheifern. Die Nachbarn nannten den Schuljungen, der bereits mit zwölf Jahren das Kollegium Romanum besuchte, „Luigino“, den kleinen Aloisius.

Nachdem del Bufalo die niederen Weihen empfangen hatte, widmete er sich der Volksmission und predigte nicht nur in den kleinen Pfarrkirchen Roms, sondern gesellte sich auf den Marktplätzen zu den Bauern und hielt ihnen Katechesen. Auch wenn seine Predigten ohne rhetorisches Beiwerk auskamen, besaß er doch die Gabe, die Menschen zu faszinieren. Am 31. Juli 1808 wurde er zum Priester geweiht.

„Vier Jahre Kerkerhaft waren die

Strafe für seine

Standhaftigkeit“

Als Napoleons Truppen im selben Jahr den Kirchenstaat besetzten und del Bufalo 1810 von den Machthabern aufgefordert wurde, den Treueid auf die neue Regierung zu leisten, verweigerte er sich: „Lieber sterbe ich, als einen solchen Eid zu leisten. Ich darf nicht, ich kann nicht, ich will nicht“, gab er zur Antwort. Vier Jahre Kerkerhaft waren die Strafe für seine Standhaftigkeit. Wieder freigelassen, suchte er nach einem neuen Wirkungsfeld. Er wollte in die Fußstapfen seines großen Vorbildes Franz Xaver treten, der Gesellschaft Jesu angehören und in der Mission in fernen Ländern dienen. Doch es sollte anders kommen. Papst Pius VII. benötigte den Volksmissionar für die Neuevangelisierung des in den Wirren der vergangenen Jahre in Auflösung und Chaos geratenen Kirchenvolkes, und so gründete del Bufalo zu diesem Zweck 1815 die Ordensgemeinschaft der „Missionare vom Kostbaren Blut“ – die „Sanguinisten“. Später rief er, gemeinsam mit Maria de Mattias, 1837 die Kongregation der „Schwestern von der Anbetung des Kostbaren Blutes“ ins Leben.

Unermüdlich evangelisierte er in Rom und Mittelitalien, und auf seinen beschwerlichen Apostolatsreisen, die ihn mitunter auf Pferdekarren und Esel in die Berge führten, sorgte er sich um das Seelenheil der „Briganten“, die vor Napoleon in die Abruzzen geflohen waren und dort von Überfällen auf die Bevölkerung, von Plünderung und Erpressung lebten. Innerhalb von zwei Jahren hatte er mit seinen Mitbrüdern, nur mit einem Kruzifix ausgestattet, das Evangelium predigend, die Situation wieder unter Kontrolle.

Der bis zur Erschöpfung tätige Kaspar del Bufalo starb am 28. Dezember 1837 völlig ausgezehrt in den Armen seines Freundes Vinzenz Pallotti, den er Jahre zuvor vermutlich bei der Arbeit in einem Obdachlosenheim kennengelernt hatte.

Kaspar del Bufalo, der 1954 von Pius XII. heiliggesprochen wurde, hat die Worte, die er während seiner Kerkerhaft schrieb, zeit seines Lebens selbst treu befolgt: „Die Vollkommenheit besteht nicht im Vollbringen großer Dinge, sondern darin, den Willen Gottes genau zu erfüllen. Wir müssen jenen Weg gehen, den Gott in seiner Liebe gerade ausgewählt hat, sei er nun eben oder steinig, trocken oder im Sumpf.“