Bekenntnis soll berücksichtigt werden

Kirchen drängen auf Merkmal Religion beim Zensus 2011

Berlin (DT/KNA) Die großen Kirchen in Deutschland drängen darauf, dass beim anstehenden Zensus 2011 auch nach der Religionszugehörigkeit der Deutschen gefragt wird. Nachdrücklich wandten sie sich in einer am Montag in Berlin veröffentlichten Stellungnahme gegen das Vorhaben der Bundesregierung, anders als bei allen bisherigen Volkszählungen das Merkmal der Religionszugehörigkeit „völlig unberücksichtigt“ zu lassen. Der in zwei Jahren anstehende Zensus böte bei einer Berücksichtigung des Religionsmerkmals nicht nur für den Staat, sondern auch für die Kirchen die große Chance, „ihre Arbeit nach einem großen Zeitabstand wieder auf eine zuverlässige Datengrundlage zu stellen“, heißt es. Es gehe um wichtiges Wissen für demographische, wirtschaftliche und soziale Fragen. Zudem sei das Thema von Bedeutung für Fragen rund um die Kirchensteuer, den Religionsunterricht, das soziale Engagement der Kirchen oder die Festlegung religiöser Feiertage. Anders als bei der Volkszählung 1987 will die Bundesregierung beim Zensus 2011 nicht mehr nach der Religionszugehörigkeit fragen. Ihr Entwurf sieht eine strikte 1:1-Umsetzung der EU-Vorgaben vor. Die EU, die verschiedene Fragen für den europaweit alle zehn Jahre laufenden Zensus vorgibt, schrieb das Merkmal Religion nicht verbindlich vor. Die bisher letzte Volkszählung in der Bundesrepublik fand 1987 statt, in der DDR 1981.

Fachpolitiker von Koalition und Opposition kündigten bei der Ersten Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag Mitte März an, die Frage nach der Religionszugehörigkeit in Erwägung ziehen zu wollen. Am Montagnachmittag stand auf dem Programm des Bundestags-Innenausschusses eine öffentliche Sitzung zum Gesetzentwurf der Regierung. Dazu äußerten sich das Kommissariat der katholischen deutschen Bischöfe und der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einer gemeinsamen Stellungnahme. Darin heben die Kirchen hervor, die Frage nach der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft sollte sowohl bei der Auswertung der Melderegister als auch bei der Haushaltebefragung durch eine Stichprobe bei mehreren Millionen Personen eine Rolle spielen. Beim Zensus werde der Datenschutz voll gewahrt.