„Begeisterung und Hingabe“

Franz Lackner, Weihbischof von Graz-Seckau, im Gespräch

Franz Lackner, Weihbischof der österreichischen Diözese Graz-Seckau, hat den Weltjugendtag in Australien miterlebt. Oliver Maksan fragte ihn nach seinen

Erfahrungen.

Wir sehen hier junge, fröhliche Menschen, die stundenlang auf den Papst warten, die begeistert Gottesdienst feiern. Das ist in unseren Breiten anders. Was läuft da falsch?

Falsch läuft im radikalen Sinne eigentlich nichts. Natürlich kann man es immer besser machen und sich fragen, ob man auf die momentane Situation der jungen Menschen tatsächlich die richtigen Antworten gibt. Andererseits muss man sehen, dass der Weltjugendtag ein herausragendes Ereignis ist, gleichsam eine Taborstunde. Ein Moment, in dem die Herrlichkeit, glauben zu dürfen, spürbar wird. Wo die Gesamtkirche angeführt vom Heiligen Vater zusammen mit Kardinälen, Bischöfen, und tausenden begeisterten Jugendlichen aus aller Welt miteinander betet, singt und feiert. Tabor-stunden sind aber nicht Alltagserfahrungen. Am Berg der Verklärung wollten die Jünger Hütten bauen und bleiben. Jesus aber sagt: Nein, gehen wir wieder hinunter in die Täler der Normalität. Worauf es aber ankommt ist, dass man diesen Schwung und die Freude mitnimmt.

Wie macht man das?

Der Weltjugendtag gibt mit seinem Programm und seinem Motto die Richtung vor, wie es weitergehen soll. Es geht um das Mitnehmen der Erfahrung des gemeinsamen Feierns, des gemeinsamen Betens, des gemeinsamen Nachdenkens über den Glauben und das Wissen, wir sind eine globale Gemeinschaft in der katholischen Kirche.

Was aber können Jugendverbände und -seel-sorger lernen?

Wichtig ist zu erkennen, was hier getan wird: Es wird das Wort Gottes gehört, es wird gefeiert, es wird gebetet. Ich glaube nicht, dass es einen besonderen „Trick“ gibt, der Erfolg auch bei uns garantiert. Das, was ein Jugendseelsorger tun kann, Katechesen halten beispielsweise, das soll er auch tun. Die jungen Leute sind sehr begierig darauf zu wissen: was heißt es, zu glauben. Sie fragen: Wie geht das, wie schaffe ich das? Sie sind dankbar, auf die Sakramente hingewiesen zu werden. Die Beichte etwa wird hier angenommen. Während einer meiner Katechesen waren es um die vierzig Jugendliche, die das Sakrament der Versöhnung gefeiert haben. Man muss das, was die Kirche zu allen Zeiten gemacht hat, mit Begeisterung und Hingabe tun.

Es hat in Deutschland ziemlich lange gedauert bis sich die offiziellen Verbände auf die Weltjugendtage eingelassen haben. Das ist jetzt anders. Gab es diese Berührungsängste in Österreich auch?

Ja, die hat es auch gegeben. Man hat Weltjugendtage am Anfang nur etwas für die sogenannten Movimenti gehalten. Die Österreichische Bischofskonferenz wünschte sich ein gemeinsames Vorgehen aller auf Jugend bezogenen kirchlichen Gruppen bei der Organisation und Durchführung von Weltjugendtagen. Als Jugendbischof Österreichs habe ich dies in den vergangenen Jahren nach Kräften gefördert. Aus ganz Österreich sind 750 junge Menschen nach Sydney gekommen. Ich freue mich über diese insgesamt hohe Teilnehmerzahl und besonders auch über die 200 jungen Pilger aus unserer Diözese Graz-Seckau.

Haben Sie von denen schon Rückmeldung bekommen, was sie besonders bewegt hat?

Ja. Sehr bewegt sind sie natürlich von den großen Feiern wie Eröffnungsgottesdienst oder den Begegnungen mit dem Papst. Auch der Kreuzweg hat viele berührt. Da gab es Menschen mit Tränen in den Augen zu sehen.

Viel Emotion also. Man hat dem Weltjugendtag diesbezüglich den Vorwurf gemacht, er würde eine eventorientierte Spiritualität fördern. Sehen Sie diese Gefahr auch?

Natürlich ist der Weltjugendtag ein umwerfendes Erlebnis, das man erst verarbeiten muss. Aber das ist doch sehr positiv. Das ist eine Taborerfahrung, bei der man eine Art Unmittelbarkeit zum Glauben erfahren darf.

Aber was ist mit denen, die immer den geistlichen Kick wollen?

Die gibt es sicher auch. Der Weltjugendtag 2008 ist mehr als ein geistlicher Kick. Er ist ein tiefes geistliches Ereignis, auf das man sich auch bewusst einlassen muss. Der Weltjugendtag ist eine Oase in den Wüstenwanderungen unseres Alltags. Derartige Oasen sind sehr wichtig auf dem Weg des Glaubens.