Barbarin auf der Anklagebank: Ein Jahrhundert-Prozess

Der Prozess gegen den französischen Kardinal und Erzbischof Philippe Barbarin war von Emotionen und Spannungen zwischen Anklage und Verteidigung geprägt.

Prozess gegen Erzbischof von Lyon
Barbarin, Erzbischof von Lyon, wird die Nicht-Anzeige sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch einen Priester sowie unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Foto: Laurent Cipriani (AP)

Vor der 17. Kammer des Strafgerichts in Lyon ist der Jahrhundert-Prozess gegen Kardinal Philippe Barbarin zu Ende gegangen. Ein Prozess, der geprägt war von hitzigen Wortgefechten zwischen den Anwälten der Anklage und der Verteidigung, aber auch von Emotionen.

Zwei völlig konträre Ansichten der Sachlage stehen sich gegenüber

Barbarin, Erzbischof von Lyon, wird die Nicht-Anzeige sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch einen Priester sowie unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Viel früher als er selbst behauptet soll der 68-Jährige davon gewusst haben, dass Bernard Preynat in den 1970er und 80er Jahren mehr als 70 Minderjährige in Pfadfinder-Camps missbrauchte.

Zwei völlig konträre Ansichten der Sachlage stehen sich in den Tagen des Prozesses gegenüber. I Vorwürfe werden durch den Gerichtssaal gerufen, die Strategie der Gegenseite kritisiert. Die Verteidigung spricht von einem Schauprozess. Die Kläger appellieren vor allem an die emotionale Seite und versuchen, das Leid der Opfer in den Mittelpunkt zu stellen.

Geht es nach der Staatsanwaltschaft, wird Barbarin nicht verurteilt

Es bleibt jedoch die Frage, ob diese Strategie das Gericht überzeugen konnte. Die Richter legen großen Wert auf die Fakten, fragen nach dem persönlichen Schaden, der den Opfern des Missbrauchs durch die mutmaßliche Nicht-Anzeige entstanden sei.

Geht es nach der Staatsanwaltschaft, so dürfte Kardinal Barbarin nicht verurteilt werden. Manche Vergehen seien verjährt, bei anderen sei kein Straftatbestand zu erkennen, so die Staatsanwältin im Gerichtssaal nach der Befragung der Zeugen. Ein abschließendes Urteil wird erst am 07. März fallen.

Erstmals sitzt mit Erzbischof Barbarin in europäischer Kardinal wegen der Vertuschung von Missbrauchsfällen auf der Anklagebank. Wie reagierte Barbarin im Zeugenstand? Und war das Auftreten des Vorsitzenden der Kläger-Vereinigung „La Parole Libérée“ überzeugend? Die Antworten erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 17. Januar 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT