Baltimore verweist auf Ehenichtigkeitsverfahren

Baltimores Erzbischof interpretiert Amoris laetitia im Einklang mit der traditionellen Sakramentenlehre und hebt neue Spielräume bei Ehenichtigkeitsverfahren hervor. Von Katrin Krips-Schmidt

Berlin (DT) Im US-Erzbistum Baltimore wird die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten aufgrund einer individuellen Gewissensentscheidung mit Verweis auf das nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ in Zukunft nicht möglich sein. Erzbischof William E. Lori forderte die Seelsorger in einem Hirtenbrief zu Beginn dieser Woche auf, Amoris laetitia im Einklang mit Familiaris consortio und Sacramentum caritatis auszulegen.

Wie die Kirchenzeitung von Baltimore „Catholic Review“ auf ihrer Webseite mitteilte, gab Lori am 13. Februar für die Priester und Seelsorger seiner Erzdiözese Richtlinien zur Gewissensbildung sowie Informationen zur Umsetzung von Amoris Laetitia heraus.

In seinem Schreiben fordert der Erzbischof Priester und Gläubige dazu auf, Amoris laetitia, besonders das 8. Kapitel, mit dem Paragraphen 305 und der dazugehörenden Fußnote 351, bei der es um die geistliche Betreuung von Gläubigen in „irregulären Ehen“ geht, zusammen mit dem Paragraphen 84 von Familiaris consortio von Papst Johannes Paul II. und dem Paragraphen 29 von Sacramentum caritatis von Papst Benedikt XVI. zu lesen. Damit bekräftigt Erzbischof Lori die Notwendigkeit einer kirchlichen Ehenichtigkeitserklärung für wiederverheiratete Geschiedene, bevor sie zu den Sakramenten zugelassen würden. Diese päpstlichen Schreiben bestätigten „die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe“.

Sacramentum caritatis stelle jedoch fest, „dass es zu Recht Fälle geben kann, bei denen die katholischen Gläubigen zum Beispiel – in einem juristischen Sinne – außer Stande sein können, nachzuweisen, dass ihre vorherige Ehe ungültig war“, sagte der Erzbischof. Er bemerkte weiter, dass diese Fälle jedoch selten seien, nachdem Papst Franziskus das Annullierungsverfahren durch sein Apostolisches Schreiben Mitis Iudex Dominus Iesus geändert hatte.

Der Offizial der Erzdiözese Baltimore, Gilbert J. Seitz, stellte fest, es gebe kaum jemanden, der nach der Reform des kanonischen Prozesses kein Ehenichtigkeitsverfahren in Gang setzen könne. Seit der Umsetzung der Neuregelungen Ende 2015 habe es einen starken Anstieg der vom Offizialat in Baltimore bearbeiteten Fälle gegeben, während zugleich die Bearbeitungszeit von durchschnittlich zehn bis zwölf Monaten auf etwa sechs Monate gesunken sei. 2015 schloss das Gericht 164 Fälle ab, 216 waren es bereits 260 Fälle, was einer Steigerung von 59 Prozent entspricht. Eine zentrale Neuerung, die den Prozess unverzüglich verkürze, sei, dass eine gerichtliche Entscheidung nicht mehr automatisch an ein zweites Gericht zur Bestätigung gesandt werden müsse. Außerdem mache es das Verfahren für das Gericht einfacher, zu einer Entscheidung zu gelangen, selbst wenn der andere Ehepartner nicht zur Verfügung stehe oder nicht am Prozess teilnehme. Ferner sei die Anzahl der erforderlichen Zeugenaussagen reduziert worden.

In seinem Brief erinnert Erzbischof Lori die Priester weiter daran, dass die Erzdiözese ihre Verfahrensweisen überarbeitet habe, „damit sich die Menschen besser fühlen, während ihr Fall beim Gericht entschieden wird“. Nachdem die Priester nun mit den Veränderungen beim Annullierungsprozess vertraut seien, sollten sie sich, wenn sie mit einer „fragwürdigen oder komplexen Situation“ konfrontiert würden, unmittelbar mit dem Erzbischöflichen Amt in Verbindung setzen.