Aus den Zeitschriften

In der Zeitschrift Church History (86:1, 2017) veröffentlichte Christopher Korten einen Beitrag zum Thema: Das Geschäft Papst Gregors XVI. mit der Schokolade.

In der Zeitschrift Church History (86:1, 2017) veröffentlichte Christopher Korten von der Adam-Mickiewicz-Universität Posen einen Beitrag zum Thema: Das Geschäft Papst Gregors XVI. mit der Schokolade: Wie einige italienische Kleriker die napoleonische Zeit finanziell überlebten.
Schokolade kam im 16. Jahrhundert als Getränk aus der Neuen Welt nach Europa. Vor allem in klerikalen Kreisen war es beliebt; beim Konklave 1740 wurden 30 Pfund Kakaopulver in die Sixtinische Kapelle geliefert. Als Napoleon 1796 Italien besetzte, wurde der Handel mit der Neuen Welt eingeschränkt; die Schokoladenpreise stiegen enorm. Gleichzeitig kam es durch die Säkularisierung zu einer Verarmung des Klerus. In dieser Situation wurde Schokolade zu dem Mittel, das dem Kamaldulenserorden, einer strengen Reform der Benediktiner, das Überleben ermöglichte. Das war dem damaligen Vize-Generalprokurators der Kamaldulenser, Mauro Cappellari, dem späteren Papst Gregor XVI., zu verdanken.
Im Jahr 1800 kam Cappellari nach Rom, wo er das Kloster "San Gregorio al Celio" in einem desolaten Zustand vorfand. Der Orden war wirtschaftlich am Ende. Jetzt "finden sich erste Hinweise auf den Verkauf von Schokolade". Cappellari verfügte über Verbindungen in die Neue Welt, von wo die Kakaobohnen importiert wurden, die die Kamaldulenser dann ausschälten, rösteten, zerstießen, mit Zucker und Gewürzen vermischten und das Kakaopulver konfektionierten.
Für die Mönche war die Schokoladenproduktion "auch ein Mittel zur Erlangung des Seelenheils, da es ihnen gestattete, ihre Berufung weiter zu leben", so Korten. Die Geschichte entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn der Kakaoanbau war überwiegend Sklavenarbeit, und ausgerechnet Gregor XVI. untersagte im Jahr 1839 den Sklavenhandel. Und Cappellari bezog seine Kakaobohnen aus Venezuela, wohl von der Plantage des Vaters des Freiheitskämpfers Simon Bolivar. "Für Bolivar und Cappellari", so Korten, "stellte der Kakao die wirtschaftliche Grundlage dar, um ihre Träume zu verwirklichen: für Bolivar war es die politische Freiheit, für Cappellari das kontemplative Leben."              Claudia Kock

Wie erfolgreich kann derzeit eine Reform der katholischen Kirche sein? Bernard Dumont wägt in der französischen Quartalszeitschrift Catholica (Winteredition 2018) die Chancen jener binnenkirchlichen Kräfte ab, deren Reformziele nicht mehr mit der von Benedikt XVI. postulierten Hermeneutik der Kontinuität vereinbar sind. Ihr Rückhalt in den säkularen Medien sei "bemerkenswert und praktisch konstant", trotz der wachsenden öffentlichen Ablehnung der Kirche. Zudem fördere ein oft unvorhersehbarer Regierungsstil im Vatikan effizientes Durchgreifen. Ein Trumpf der Reformer   Dumont nennt Kardinal Kasper   liege im äußeren Eindruck: Die Reform wirke in der Theorie schlüssig und scheine Kerngedanken einer des Historismus verpflichteten Theologie umzusetzen. Ihre Schwäche sei aber ihre Unvereinbarkeit mit der Hermeneutik der Kontinuität. Letztere habe die Spannungen des Zweiten Vatikanums miteinander in Einklang bringen können. Zudem könne sich "der kasper-hegelianische Historismus" angesichts der "substanziellen Unberührbarkeit" der überlieferten Lehre Christi nicht behaupten. Dumont verweist auf den jungen, überwiegend traditionsfreundlichen Klerus. Eine liberale Reform "kann sich nur auf die aussterbende Konzilsgeneration verlassen". Zwar habe die Hermeneutik der Kontinuität keine einmütige Zustimmung gefunden, doch sei der Widerspruch gemäßigt und aus den eigenen Reihen gekommen. Künftig stehe aber fest, "dass der Riss mitten durch die Kirche geht und sich der Bruch zwischen Kardinälen, Bischofskonferenzen und Theologen immer deutlicher
abzeichnet".                                        Regina Einig

Von Fernando Gorab Leme, Doktorand an der Universität Michigan, erschien im Journal of Early Christian Studies (25:3, 2017) ein Aufsatz zum Thema Himmlische Visionen: Euphemias und Hippolytus  Martyria erfahren. Er untersucht darin zwei Texte aus dem 5. Jahrhundert über den Besuch an den Märtyrergräbern: die 11. Homilie von Asterius von Amasea über die heilige Euphemia sowie die Passio des heiligen Hippolyt des christlichen Dichters Prudentius. Beide stellen den Lesern das Martyrium als Bild vor das innere Auge, mit einem besonderen Kunstgriff: Sie beschreiben den Besuch am Märtyrergrab, indem sie Bilder vom Martyrium, die sich im Grabraum befinden, in allen Einzelheiten beschreiben. So wird der Eindruck vermittelt, man würde das Geschehen des Martyriums selbst miterleben. Das Märtyrergrab galt in der Antike als der Ort, an dem die menschliche und die göttliche Sphäre aufeinandertrafen, ein "Raum zwischen Himmel und Erde". Der Leser wird durch diesen "virtuellen Besuch" zum Pilger am Märtyrergrab und gleichsam in die göttliche Sphäre hineingenommen, ohne dass ein "physischer Besuch" des Grabes dazu notwendig wäre.          Claudia Kock