Augustiner sehen Luther kritisch

Vatikanstadt (DT/KNA) Der Augustinerorden bewertet die Reformation durch sein früheres Mitglied Martin Luther kritisch. Der Wittenberger Theologe habe sich nicht nur persönlich von den Augustinern abgewandt, sondern das Ordensleben an sich „mit aller Kraft verdammt“ und eine Massenflucht aus den Klöstern mitbefördert. „Der Schaden für den Orden und das religiöse Leben in Deutschland war enorm“, schreibt der Generalprior des Augustinerordens, Alejandro Moral Anton, in einem Brief an die Ordensmitglieder, den die englische Wochenzeitschrift „The Tablet“ zitiert. Der Orden habe „keinen Grund, den Beginn der Reformation vor 500 Jahren zu feiern, aber sicher, an ihn zu erinnern“, so Moral. Der Ordensobere verwies auf „positive Aspekte“, die daraus entstanden seien – wie die Aufwertung des Individuums, die zentrale Stellung der Bibel und eine volksnahe Liturgie, aber auch die Entwicklung des Gemeinsinns und eine „gesunde Laizität“. Auch ein zentraler Punkt in Luthers Denken, die Gnade in der Rechtfertigungslehre, liege „in der augustinischen Linie“. Luther habe zweifellos eine „religiöse Krise“ ausgelöst. Diese habe den Grund „zwar nicht für einen Laizismus, aber für den Prozess der Säkularisierung und der Geburt eines neuen Europa“ gelegt. Der Ordensobere betonte zugleich, Luther habe bis 1521 mit „Martin Luther, Augustiner“ unterzeichnet, bis 1524 sein Ordensgewand getragen und bis ans Lebensende Gewohnheiten seines Klosterlebens beibehalten.