Auftauchen im Sturm

Die Kirchenkrise soll den Geist nicht auslöschen: Mit dem „Jahr der Heiligkeit“ bestärkt Bischof Mark Davies die Gläubigen in der britischen Diözese Shrewsbury in der Nachfolge Christi. Von Katrin Krips-Schmidt

Hohe Wellen in Sassnitz an der Ostsee
Heiligkeit heißt, Christi Licht weiterzuschenken, vor allem in stürmischen Zeiten der Geschichte. Foto: Symbolbild: dpa
Hohe Wellen in Sassnitz an der Ostsee
Heiligkeit heißt, Christi Licht weiterzuschenken, vor allem in stürmischen Zeiten der Geschichte. Foto: Symbolbild: dpa

Was zeichnet einen Heiligen aus? Üblicherweise heißt es: Wer Außergewöhnliches leistet, wer sich in besonderer Weise seinem Nächsten verschrieben hat, wie etwa Mutter Teresa oder Pater Maximilian Kolbe, der ist ein Heiliger. Dass eine solche Definition etwas zu kurz greift, und der Begriff der „Heiligkeit“ über einen weit umfassenderen Bedeutungsspielraum verfügt, verdeutlichte Papst Benedikt XVI. anlässlich seiner Apostolischen Reise nach Großbritannien im September 2010 bei seiner Ansprache vor Schülern. Er sagte: „Vielleicht denken einige von euch, ein Heiliger zu sein, das sei nichts für sie. Wenn wir jung sind, dann gibt es gewöhnlich Menschen, zu denen wir aufschauen, die wir bewundern, wo wir wünschen, wie sie zu sein.“ Und er erinnerte die jungen Menschen daran, dass Gott sie viel mehr liebe, „als ihr euch je vorstellen könnt, und er will das allerbeste für euch. Und das bei weitem Beste für euch ist es, an Heiligkeit zuzunehmen“.

Heilig kann und soll also ein jeder von uns werden. Um für den Sinn dieser Heiligkeit verstärkt zu sensibilisieren, hat der Bischof von Shrewsbury, Mark Davies, diesen und andere Impulse aufgegriffen – wie etwa den Ausspruch des französischen Schriftstellers Léon Bloy: „Es gibt nur ein Unglück: kein Heiliger zu sein“ – und 2018 zu Beginn der Adventszeit ein Jahr der Heiligkeit für 2019 ausgerufen. In seinem Hirtenbrief zum Ersten Adventssonntag erinnerte er die Gläubigen seiner im Nordwesten der Kirchenprovinz Birmingham gelegenen Diözese daran, dass ein Heiliger jemand ist, „der die vollständige und ewige Glückseligkeit des Himmels erreicht. Wir könnten sagen, dass Heiligkeit Glückseligkeit ist… Nur indem wir heilig sind, können wir wirklich glücklich sein“. Darüber hinaus habe das Zweite Vatikanische Konzil vor allem auch den Ruf zur Heiligkeit deutlich gemacht. Dieser Ruf solle erneut zum Mittelpunkt für Klerus und Volk werden. Angesichts der finsteren Schatten in der uns umgebenden Welt und im Hinblick auf das Versagen von Christen, wodurch das Antlitz der Kirche für viele Menschen verdunkelt werde, schrieb Bischof Davies, dass „unsere Erneuerung in der Heiligkeit die einzige Erneuerung der Kirche ist, auf die es stets ankommt“. Nur die Heiligen hätten „die Krisen überwunden, mit denen die Kirche in ihrer ganzen Geschichte konfrontiert war“. Daher sei es inmitten dieser dunklen Schatten der Skandale und der Herausforderung zu einer Neuevangelisierung der westlichen Gesellschaften nötig, an dieses eine Ziel jedes christlichen Lebens zu erinnern, „denn in den Heiligen leuchtet das wahre Angesicht der Kirche auf“.

Um in der Heiligkeit zu wachsen, empfiehlt der Bischof von Shrewsbury: „Im täglichen Gebet, der häufigen Beichte und insbesondere der heiligen Eucharistie werden uns die göttlichen Mittel geschenkt, die Gnade, um dieses Ziel zu erreichen.“ In einem Exklusiv-Interview, das der Oberhirte der ältesten katholischen Zeitung in den Vereinigten Staaten, dem „National Catholic Register“ gab, riet er den Gläubigen, sich daher an den Heiligen der Kirche auszurichten und aus ihnen Trost zu schöpfen: „Der Herr verhieß uns durchaus Fluten und Stürme! In noch wesentlich schwierigeren Zeiten als den heutigen wussten die Heiligen, dass das Schiff Petri niemals sinken kann. Ich denke da an den heiligen John Fisher und den heiligen Thomas Morus. Wir können niemals kleinmütig werden, weil der Herr uns zugesagt hat, dass er seine Kirche nie verlassen werde.“

Papst Benedikt XVI. habe uns, so Bischof Davies weiter, mit einem schönen Bild ermutigt, uns den Heiligen und insbesondere der Muttergottes zuzuwenden. In der Enzyklika „Spe Salvi“ schreibt Benedikt: „Gewiss, Jesus Christus ist das Licht selber, die Sonne, die über allen Dunkelheiten der Geschichte aufgegangen ist. Aber wir brauchen, um zu ihm zu finden, auch die nahen Lichter – die Menschen, die Licht von seinem Licht schenken und so Orientierung bieten auf unserer Fahrt. Und welcher Mensch könnte uns mehr als Maria Stern der Hoffnung sein?“ Als spirituelle Lektüre auf ihrem Weg zur Heiligkeit empfahl Bischof Davies zudem den Gläubigen das Buch „The Soul of the Apostolate“ des Trappisten Abt Jean-Baptiste Chautard.