Auftakt zum Jahr des Glaubens

Gläubige feiern die Weihe des ersten Bamberger Doms vor tausend Jahren – Erzbischof Schick: Missionarische Kirche sein

Bamberg (DT/KNA) Tausende Gläubige haben am Wochenende die Weihe des ersten Bamberger Doms am 6. Mai vor genau 1 000 Jahren gefeiert. Zum Festgottesdienst am Sonntag kamen etwa zwanzig katholische Bischöfe und Äbte aus neun Nationen nach Bamberg, unter anderen die Kardinäle Joachim Meisner aus Köln und Walter Brandmüller aus Rom. Papst Benedikt XVI. schickte ein Grußwort. Auch der anglikanische Bischof von Chichester, John Hind, nahm am Gottesdienst teil, ebenso Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Das ganze Wochenende über fand unter dem Motto „Dem Himmel entgegen“ rund um die Kathedrale zudem die Domkirchweih statt.

In seiner Predigt rief Erzbischof Ludwig Schick die Gläubigen dazu auf, eine „missionarische Kirche aus lebendigen Steinen“ zu sein. Sie müsse sich in die Gesellschaft einmischen, wenn es um den Schutz menschlichen Lebens gehe. „Ein klares Nein zu jeder Abtreibung, zur Tötung von alten Menschen, die verharmlosend Sterbehilfe genannt wird und Nein zu jedem Mord und jeder Verletzung von Menschen durch Terror, Kriege, linke und rechte, extremistische oder häusliche Gewalt“, sagte Schick in der mit mehr als 2 000 Gläubigen überfüllten Kathedrale. „Der Dom soll Gläubige und Ungläubige, Christen und Nichtchristen, Pilger und Touristen auf Gott hinweisen und die Herzen der Menschen dem Himmel entgegen ziehen.“

Papst Benedikt XVI. rief die Katholiken dazu auf, angesichts des Bamberger Domjubiläums den Glauben neu zu entdecken und zu vertiefen. Die Feiern zur Weihe der ersten Kathedrale sollen für das Erzbistum Bamberg ein Auftakt zum Jahr des Glaubens werden, schrieb der Papst in einem am Sonntag in Bamberg verlesenen Grußwort. „Das Wissen um dieses Haus auf dem Felsen, liebe Brüder und Schwestern, mag euch in der Gewissheit bestärken, dass der Herr auch in den kommenden Zeiten – wie schwer sie vielleicht auch werden – seine Kirche nicht verlässt.“

Benedikt XVI. bezog sich in einem Schreiben auf das von Tilman Riemenschneider geschaffene Hochgrab des heiligen Kaiserpaares Heinrich II. und Kunigunde sowie das von Papst Clemens II. Es ist das einzige Papstgrab nördlich der Alpen. „In der engen Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Apostels Petrus und der universalen Kirche werdet ihr auch in der Glaubenskrise unserer Tage neue, unerschütterliche Glaubensgewissheit und Zuversicht finden.“

Das Grab des Kaiserpaares mache deutlich, dass Christen dem Wort des Evangeliums in Familie, Beruf, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur Gehör verschaffen müssten. Die Kirche sei jedoch nicht einfach „ein Interessensverband, ein gemeinschaftliches Unternehmen, kurzum eine Form menschlicher Gesellschaft, die dann auch nach Säkularen, politischen Regeln mit weltlichen Mitteln“ gestaltet und geleitet werden könne, so Benedikt XVI. weiter. Deshalb seien auch jene Menschen, die zum Dienst in der Kirche berufen seien, nicht Funktionäre der Gemeinde. Sie empfingen Amt und Vollmacht von Jesus Christus. Der Bischof müsse als Lehrer der katholischen Wahrheit für die Einheit des Bistums, seiner Priester und Gläubigen bürgen, „und dies nur im Einklang mit der Räume und Zeiten umspannenden Glaubensgemeinschaft der Weltkirche“.

Ministerpräsident Seehofer unterstrich nach dem Gottesdienst, der Bamberger Dom symbolisiere das reiche christliche und kulturelle Erbe und die Identität des Landes. Dies sei auch der Grund, „warum Franken und Bayern die längste und stolzeste Geschichte in Deutschland haben“. Die Feier sei eindrucksvoll gewesen, „so etwas hat der Dom selbst in seiner 1 000-jährigen Geschichte wohl selten erlebt“.

Die Kathedrale aus der späten Romanik und frühen Gotik mit ihren vier Türmen zählt seit 1993 zum Weltkulturerbe. Im Inneren beherbergt der Dom das Hochgrab des heiligen Kaiserpaares Heinrich II. und Kunigunde – geschaffen von Tilman Riemenschneider – sowie das einzige Papstgrab nördlich der Alpen. Clemens II., der 1047 verstarb, hatte testamentarisch verfügt, dass er an seinem früheren Bischofssitz in Franken beerdigt werden wollte. Das weltweit bekannteste Wahrzeichen dürfte aber der „Bamberger Reiter“ sein, eine Steinskulptur aus dem 13. Jahrhundert, die bis heute Rätsel aufgibt. Als Heinrich II. im Jahr 1007 die Gründung des Bistums Bamberg erreichte, war der Grundstein für den Dom bereits gelegt. Bis zur Fertigstellung der Mutterkirche für das neue Bistum dauerte es aber noch einige Jahre.

Am 6. Mai 1012, dem Geburtstag von Heinrich, wurde die Kirche geweiht. Dieser Heinrichs-Dom wurde in Form einer flach gedeckten, dreischiffigen Säulenbasilika gebaut. 1081 beschädigte sie ein Brand. Zunächst erfolgten nur notdürftige Reparaturen. Erst unter dem später heiliggesprochenen Bischof Otto I. (1102 bis 1139) gelang eine umfangreiche Erneuerung. Doch auch der Otto-Dom wurde durch ein Feuer verwüstet. Bischof Ekbert von Andechs-Meranien (1203 bis 1237) machte sich an einen weiteren Neubau in jener Form, wie sich der Dom heute noch immer darstellt. Jährlich kommen etwa eine Million Besucher.